Langendorf
Verhandlungen mit 27 Landbesitzer: Der lange Weg zum Schutz der Brüggmoosquelle

Die Bürgergemeinde führte Verhandlungen mit über 27 Landeigentümern und musste für die Auflage zum Schutz der Brüggmoosquelle jeweils eine schriftliche Einverständniserklärung erzielen.

Urs Byland
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Links das Schützenhaus, rechts die Verbindungsstrasse zwischen Langendorf und Rüttenen. Illustration: zvg

Links das Schützenhaus, rechts die Verbindungsstrasse zwischen Langendorf und Rüttenen. Illustration: zvg

franz.aebi

Der Quellenschutz muss in einer intensiv genutzten Landschaft gewährleistet sein. Die Verbraucher zählen auf qualitativ einwandfreies Wasser aus der Quelle. Gleichzeitig werden die Anforderungen an den Gewässerschutz laufend angepasst, beispielsweise mit einer Vergrösserung der Schutzzonen einer Quelle.

Im Brüggmoos wurden 1981 letztmals die Schutzzonen ausgeschieden. Schon lange müssten diese massiv ausgeweitet werden. Langendorfs Wasserversorgerin, die Bürgergemeinde, hat das Projekt seit 15 Jahren in Bearbeitung. Nun liegt das ganze Planwerk auf. Damit wird öffentlich, was alles zum Schutz der Brüggmoosquelle umgesetzt werden soll.

Vorprüfungsbericht: Güllenverbot war erfolgreich

Mit der Grundwasseranalyse konnte belegt werden, dass in jüngster Zeit eine zweimalige Verbesserung in der Wasserqualität der Brüggmoosquelle erfolgt ist, und zwar im Bereich der Mikroorganismen. Diese beiden Qualitätsverbesserungen seien «unzweifelhaft», so im Vorprüfungsbericht des Kantons, auf Optimierungsmassnahmen in der alten Grundwasserschutzzone in den beiden letzten Jahrzehnten zurückzuführen. Der Bericht nennt einerseits das Weidgangverbot im Jahre 1997 und andererseits die Umsetzung des Gülleverbotes 2002. Die Einschränkung der landwirtschaftlichen Nutzung sei der richtige Weg gewesen, um eine Verbesserung der Trinkwasserqualität zu erreichen. In den letzten Jahren habe sich der Wert der Marke von 30 Milligramm pro Liter genähert. Das Qualitätsziel liege bei 25 mg/l. (uby)

Eine erste Planung scheiterte 2007 an den Einsprachen von drei Landwirten. Landwirte sind denn auch die Hauptbetroffenen dieser Schutzzonenvergrösserung. Die Bürgergemeinde musste mit nicht weniger als 27 Landeigentümern der 17 Parzellen verhandeln und für die Auflage jeweils eine schriftliche Einverständniserklärung erzielen. Die grösste Herausforderung bildete dabei die Aufrechterhaltung der Erschliessung aller landwirtschaftlichen Grundstücke im betroffenen Gebiet und dies bei gleichzeitiger Gewährleistung des jeweiligen Besitzstandes der betroffenen Eigentümer.

Viel Schreibarbeit

Schutzzonen wurden erstmals 1961 ausgeschieden. Damals reichten in Langendorf fünf Seiten für die Beschreibung – von insgesamt sechs Quellen. «Für die aktuelle Auflage der Brüggmoosquelle haben wir neben anderem zwei Berichte mit über 90 Seiten aufgelegt», beschreibt Bürgergemeindepräsident Franz Aebi die immense Arbeit. Er wollte unbedingt, dass alle Betroffenen während der Planungsphase in das Projekt miteinbezogen werden. Die Bürgergemeinde sei sehr weit gegangen, um die berechtigten Interessen der betroffenen Landbesitzer zu schützen und deren Wünsche zu berücksichtigen. «Enteignungen waren nie ein Thema», so Aebi.

Die starke Ausweitung der Schutzzonen ist eine Folge des neuen Gewässerschutzgesetzes aus dem Jahr 1991. Der Kanton hat den Bürgergemeinden die Umsetzung der Schutzzonen auferlegt. Mit Färbversuchen wurde das Fassungsgebiet der Quelle in der nahen Umgebung bestimmt. Die neuen Schutzzonen haben zur Folge, dass die Erschliessung für die Land- und Fortswirtschaft neu organisiert werden muss. In der innersten Schutzzone S 1 soll kein Landwirtschaftsweg durchführen. Dazu zeigt die Illustration anschaulich, was geändert werden soll. Der Bereich der Schutzzone S 1 wird mit einer Hecke abgegrenzt. Die Sperrung des Flurweges durch die Schutzzone S 1 erhöhe die Sicherheit der Trinkwasserversorgung Langendorfs markant, schreibt das Amt für Umwelt in seiner Stellungnahme zur Vorprüfung.

Der bestehende Ziegelmattweg, der die Schutzzone quert, wird aufgehoben. Dafür soll die bestehende Verbindung zum Fallernhölzli-Wald ausgebaut werden. Entlang der nördlichen Grenze der Schutzzone S 2 schliesst der neue Flurweg Heissacker die Lücke zu den bestehenden Flurwegen im Westen. Der bestehende Zilackerweg wird zu einem Fussweg. Und nördlich der Schutzzone S 1 entsteht ebenfalls ein neuer Fussweg.

Konfliktpunkt Schützenhaus

Ein Konfliktpunkt ist der nahe 300-Meter-Schützenstand. Das Schützenhaus liegt in der Schutzzone S 3. Dort seien Bleibelastungen und Richtwertüberschreitungen von Kupfer, Zink, Antimon und Quecksilber möglich. Das Amt für Umwelt schreibt im Mitbericht, dass die Belastungen beim Schützenhaus gegenüber Kugelfängen gering seien. Eine Gefährdung des Trinkwasser könne mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Eine Prüfung des Bodens beim Schützenhaus mache keinen Sinn.

Der Kanton hat die Planung vor der Auflage einer zweiten Vorprüfung unterzogen. Mit diversen Empfehlungen und Anpassungen wurde das Werk als bewilligungsfähig beurteilt. Nun läuft die Auflage. Wenn Einsprachen die Umsetzung nicht verzögern, würde im Herbst mit diesen gestartet werden. Ein Budget liegt noch nicht vor, es ist aber mit einem Gesamtaufwand für Planung und Umsetzung in der Grössenordnung von 300 000 Franken zu rechnen.

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