Günsberg
Verein informiert über die alte Wasserversorgung

Der Verein Quelle Zweiäcker informierte an einem Rundgang über die Wasserversorgung im Dorf vor dem Jahr 1900. Ein rundes Dutzend Günsbergerinnen und Günsberger nahm an dem Anlass teil.

Hanspeter Schläfli
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in rundes Dutzend Günsbergerinnen und Günsberger nahmen an dem Rundgang des Vereins Quelle Zweiäcker teil, um viel Wissenswertes über die historischen und aktuellen Wasserrechte zu erfahren. (Symbolbild)

in rundes Dutzend Günsbergerinnen und Günsberger nahmen an dem Rundgang des Vereins Quelle Zweiäcker teil, um viel Wissenswertes über die historischen und aktuellen Wasserrechte zu erfahren. (Symbolbild)

Nadja Rohner

In Günsberg gibt es alleine auf den Wiesen unter dem Glutzenberg, die schon auf alten Karten unter dem Namen Zweiäcker eingezeichnet sind, drei Quellfassungen. Die darüberliegenden Hänge des Juras wirken wie ein Trichter, der das Wasser hierher leitet. Aber warum stehen in Günsberg heute so viele Brunnen? Und wer besitzt das Recht, das Wasser daraus zu nutzen?

Diese und viele andere Fragen beantwortete am Samstagmorgen Markus Sterki. Ein rundes Dutzend Günsbergerinnen und Günsberger waren der Einladung des Präsidenten des Vereins Quelle Zweiäcker gefolgt, um bei einem Rundgang viel Wissenswertes über die historischen und aktuellen Wasserrechte zu erfahren.

24 historische Wasserrechte

Der Brunnenstock im Dorfzentrum stammt aus dem Jahr 1743. Es braucht vier kräftige Männer, um den massiven Deckel zu heben. Darunter ist das simple Verteilsystem zu erkennen. Das ins grosse Rund einfliessende Quellwasser wird durch Löcher in die Leitungen geführt, die es weiter zu den Häusern der Günsberger führen, die die historischen Wasserrechte besitzen. Je grösser das Abflussloch, umso mehr Wasserrechte fliessen durch.

Nur eines der Löcher ist verschlossen: Es führte bis 1995 ins Pfarrhaus, wo es direkt aus dem Wasserhahn sprudelte. «Die alten Häuser auf den Plänen von 1888 sind meistens die selben, die noch heute das Wasserrecht besitzen», erklärt Sterki. Nur ganz vereinzelt seien seither solche Rechte verkauft worden. «Damals musste man das Wasser bei den Brunnen holen. Nur das Pfarrhaus hatte schon fliessendes Wasser.» Erst 1912 wurde im Dorf das erste Reservoir mit Leitungen in die Häuser gebaut.

In der 1995 sanierten Brunnstube auf dem Zweiäcker werden die 24 historischen Wasserrechte fein säuberlich auf die fünf grossen Günsberger Brunnen verteilt. Jedes Wasserrecht wird durch ein Rohr mit identischem Durchmesser repräsentiert. Gehen zum Beispiel drei Wasserrechte an denselben Ort, werden drei der gleichwertigen Abflüsse zusammengefasst. Aus den fünf Brunnstöcken im Dorf wird das Wasser dann weiter zu den einzelnen Besitzern der Wasserrechte weitergeleitet.

Schutzzone geplant

Heute sorgt der Verein Quelle Zweiäcker dafür, dass die Solidarität unter den Besitzern der 24 Wasserrechte gepflegt wird. Ihm gehören 25 Mitglieder an, denn auch der Bauer, der aufgrund der historischen Rechte verpflichtet ist, das Wasser der Quelle auf seinem Land mit den Bürgern zu teilen, darf jeweils an den Versammlungen mitreden. Die Gemeinde besitzt für das alte Schulhaus ebenfalls ein Wasserrecht. Der Verein Quelle Zweiäcker unterhält das Leitungsnetz bis zu den Brunnen. Von dort bis zu den Privathäusern müssen die Besitzer der Wasserrechte selber zu den Leitungen schauen. Das sei manchmal nicht so einfach – und teuer, zum Beispiel wenn eine Leitung unter der Kantonsstrasse hindurchführt, erklärt Sterki.

«Kein Trinkwasser», warnt ein Schild am Brunnen bei der Kirche. Das hat schon manchen durstigen Velofahrer verunsichert, der hier seinen Bidon wieder auffüllen wollte. «Das hat nur rechtliche Gründe», erklärt Markus Sterki, «das Wasser ist von ausgezeichneter Trinkqualität.» Und obwohl das Wasser hier einigen alteingesessenen Familien gehört, dürfe jeder gratis davon trinken.

Trotzdem soll nun um die Brunnstube auf dem Zweiäcker eine Schutzzone von 20 mal 20 Metern eingerichtet werden, damit der Kanton dieses Wasser als Reserve für die gemeindeeigene Brauchwasserversorgung anerkennt. «Es kam einmal vor, dass wir während dreier Tage kein Leitungswasser hatten, weil Bschütti in die Fassung der Gemeinde gelaufen war», erklärt Sterki. «Dank der Schutzzone werden wir in einem solchen Notfall in Zukunft unser Brunnwasser nutzen dürfen.»