Vor dreissig Jahren, am 12. August 1989, ging mit Mozarts «Zauberflöte» die erste Produktion über die Bretter des Passionsspielhauses in Selzach und setzte den Grundstein für einen drei Jahrzehnte andauernden Opernboom am Jurasüdfuss. Trotzdem: Im eigentlichen Jubiläumsjahr 2019 wird keine Oper gespielt. Dies ermöglicht es den Veranstaltern, das Jubiläum gleich zweimal zu feiern: 2018 mit dem «Fliegenden Holländer» und 2020 mit «Don Carlo».

Folgerichtig, denn wie könnte Wagners Musiktheater effektvoller getoppt werden als mit einer Monumental-Oper von Verdi. Im Museum Blumenstein in Solothurn gab Michael Hauenstein sozusagen ein Amuse Bouche auf kommende Belcanto-Freuden, die Kostprobe einer Schweizer Verdi-Stimme mit drei der effektvollsten Bass-Arien des Maestros.

Begleitet von Pianistin Viliana Valtcheva liess Hauenstein ausdrucksstark Brancos-Arie aus «Macbeth» erklingen. Als Hohepriester Zaccaria (Nabucco) begeisterte er mit rundem Ton und schönem Timbre. Der Auftritt als König Philipp mit «Ella giammai m’amo» weckte Vorfreude auf Kommendes. Wie Produktionsleiter René Gehri bestätigte, wird der gebürtige Aargauer mit an Bord sein und das restliche Ensemble nach Vertragsunterzeichnung bekannt gegeben.

Prämiertes Selzacher-Plakat

Ulrich Bucher, Präsident Verein Sommeroper Selzach, bestätigte, dass nicht nur die die künstlerischen Belange optimal vorbereitet werden, sondern auch die Finanzen gut aufgestellt seien. «Die aufwendige, aber erfolgreiche Holländer-Produktion konnten wir mit einer schwarzen Null mit ganz leichtem Rotschimmer abschliessen», schmunzelte er.

Gehri bekräftigte, dass Verdis «Kirchenoper» wunderbar ins Passionsspielhaus passe und Oskar Fluri wohl erneut mit opulenten Bühnenbildern Furore machen werde. Erläutert wurde bereits Stephan Bundis Plakat. Seit 2016 konzipiert Bundi die Sujets und hat mit dem Holländer-Plakat gerade beim internationalen Graphis Poster Wettbewerb 2020 Gold gewonnen. Eine Erfolgsgeschichte markiert auch die letztes Jahr erstmals realisierte Kinderoper.

«Selbstverständlich wird es auch von ‹Don Carlos› eine Solche geben, die sich allerdings an die Oberstufe richten wird», freut sich Co-Produktionsleiterin Pia Bürki. Ist das auf Schillers Drama «Don Karlos, Infant von Spanien» beruhende Libretto doch alles andere als leichte Kost. Verdi schrieb bekanntlich mehrere Fassungen der Oper. Das Selzacher-Team ist nicht schlüssig, ob es sich auf die vieraktige italienische Version, die französische Urfassung oder die italienische Version in fünf Akten stützen wird. «Aber eigentlich ist es ja egal», lacht der künstlerische Betriebsleiter Thomas Dietrich. «Es wird so oder so eine spezielle Selzacher-Fassung geben.» (srb)

Premiere: 30. Juli 2020 / Vorverkauf ab September 2019 Infos: www.sommeroper.ch