Verbände wechseln, Puls messen oder Blutdruck überprüfen – das sind nicht gerade die Tätigkeiten, die man normalerweise mit dem Militär assoziiert. Das Spitalbataillon 66 demonstrierte aber am Besuchstag im Biberister Altersheim Läbesgarte, dass auch solche Aufgaben Teil der Schweizer Armee sind. Die Soldaten des Spitalbataillons 66 absolvieren in diesen Tagen ihren Wiederholungskurs. Unter anderem leistet ein Teil des Bataillons einen Einsatz im «Läbesgarte» in Biberist.

Die Armee in einem Altersheim? Im ersten Moment mutet das etwas sonderbar an. «Viele Leute vergessen oft, dass zum Militär mehr dazugehört, als Panzer und Waffen», so der Kommandant des Spitalbataillons 66, Alfio Finochiaro. Dabei trage ein Spitalbataillon einen wichtigen Teil zur Armee bei. Finochiaro ist daher froh, dass sein Bataillon im «Läbesgarte» die Möglichkeit bekommen hat, einen Einsatz zu leisten. «Im Gegenzug kann das Altersheim von uns natürlich auch profitieren, da wir hier das Personal entlasten», erklärt der Kommandant.

Die Soldaten sind im Altersheim in verschiedene Einsatzgebiete eingeteilt: Je nach zivilem Hintergrund erledigen sie Aufgaben in der Pflege, der Küche, der Reinigung, der Wäscherei oder der Desinfektion. Die meisten von ihnen sind Laien. «Wir haben hier eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, was die zivilen Tätigkeiten angeht», so Finochiaro.

So gebe es unter den Soldaten Primarlehrer, Kleinkinderzieher oder Biochemiker. Das Grundhandwerk für die vielseitigen Aufgaben des Spitalbataillons 66 haben die Soldaten bereits in der Rekrutenschule gelernt. Auch der Kommandant selbst hat keinen medizinischen Hintergrund: Bevor er zum Militär wechselte, war er Sekundarlehrer.

Desinfizieren mit spezieller Anlage

Am Besuchstag im «Läbesgarte» wurden nebst der Arbeit mit den Bewohnern auch weitere Tätigkeiten gezeigt, schliesslich sollte den interessierten Besuchern etwas geboten werden. Auf einem Rundgang präsentierte das Bataillon seine verschiedenen Aufgabengebiete. Dazu gehört beispielsweise eine mobile Desinfektionsanlage. Mit Wasserdampf und starkem Druck können damit Matratzen, Kissen, Duvets und Kleider desinfiziert werden. So werden Bakterien aber auch Schädlingen wie Bettwanzen keine Chance gelassen.

Als Nächstes stellt Oberleutnant Simon Frölich den «Sanitätswagen leicht» vor, der auch jeweils am WEF in Davos zum Einsatz kommt. Ganze fünfeinhalb Tonnen wiegt das Gefährt. Kein Wunder, schliesslich enthält es eine kleine Notfallstation. So finden sich darin verschiedene Bahren, Beatmungsgeräte oder eine Vakuum-Rettungsmatratze. Im Ernstfall können im Sanitätswagen zwei Patienten liegend transportiert werden. Frölich zeigt mithilfe eines Soldaten dann auch gleich, wie ein Patient fachgerecht auf der Bahre befestigt und in den Wagen gehievt wird.

Spritzen, Verbände, Infusionen

Die WK-Soldaten demonstrieren am Besuchstag auch den pflegerischen Teil ihres Aufgabengebiets.

Da werden Verbände angebracht und gewechselt, Infusionen gesteckt, Spritzen verabreicht und Atemfrequenzen gemessen. Patient spielen müssen zum Glück nicht die Besucher, sondern die WK-Soldaten selber. Besonders den Soldaten, der am Spritzenposten für die Injektionen hinhalten muss, beneidet man da nicht besonders – doch er verzieht bei keinem der Nadelstiche eine Miene. Auch das gehört wohl zur Schweizer Armee.