Selzach
Veraltete Technik: Passions-Spielhaus muss aufgerüstet werden

Das Passionsspielhaus in Selzach wird mit neuer Technik bestückt. Das kostet. Der Verein Sommeroper muss für neue Seilzuganlage und Podeste 800000 Franken zusammenbringen.

Urs Byland
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Hans Bösch hat zwischen den Brettern den Ablaufplan eines früher aufgeführten Passionsspiels gefunden.Die Morgenaufführung endet mit dem Einzug in Jerusalem. Der Nachmittag beginnt mit dem Anschlag, als Judasmit einem Haufen Soldaten Jesus überwältigt. Hinten ist ein Teil der Seilzuganlage zu sehen.

Hans Bösch hat zwischen den Brettern den Ablaufplan eines früher aufgeführten Passionsspiels gefunden.Die Morgenaufführung endet mit dem Einzug in Jerusalem. Der Nachmittag beginnt mit dem Anschlag, als Judasmit einem Haufen Soldaten Jesus überwältigt. Hinten ist ein Teil der Seilzuganlage zu sehen.

Urs Byland

Der Verein Sommeroper im Passionsspielhaus hat es in seiner Vorschau auf die Produktion 2016 bereits erwähnt. Das Holzhaus in Selzach wird mit neuer Technik bestückt. Ein grösserer Eingriff im Passionsspielhaus steht bevor. Dafür verantwortlich ist nicht etwa die Sommeroper Selzach. Diese ist nur im Haus eingemietet, das dem Verein Passionsspielhaus gehört.

Der Selzacher Hans Bösch ist im Auftrag des Vereins Passionsspielhaus der Hauswart. Er hilft auch jeweils bei der Sommeroper Selzach mit und kennt von daher die Verhältnisse bestens. Das grösste Problem sei die Sicherheit.

Die bühnentechnischen Einrichtungen im 1895 erbauten Haus sind total veraltet. Die 17 Seilzüge für die Bühnenbilder und Vorhänge sind ohne Gegengewicht ausgerüstet. Die Seile, mit denen teils schwere Prospekte hoch- und runtergefahren werden, müssen mit Handkraft gebremst werden. Die ganze Anlage mit den Rollen und den dicken Seilen versprüht zwar ein nostalgisches Ambiente aber die Arbeitssicherheit sei mit der vorhandenen Bühnenmaschinerie nicht gewährleistet.

Geländer für die Galerien

Vor zwei Jahren wurde eine Firma mit der Erarbeitung eines Sanierungskonzepts für die Bühnentechnik beauftragt. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen, berichtet Bösch. Die Handkonterzüge müssen komplett ersetzt werden, die Arbeitsgalerien mit Geländern ausgestattet werden und die gesamten Bühnentextilien ausgewechselt werden.

Mehrstündige Aufführungen: Auch das Publikum durfte leiden

Das Selzacher Passionsspielhaus diente ursprünglich einzig der Aufführung des Passionsspiels. Die Passionsspiele hatten sich aus einer jahrzehntelangen Volkstheatertradition entwickelt. Die eigentlichen Vorläufer der Spiele waren ein Weihnachtsoratorium von C. Hering mit acht «Lebenden Bildern» und ein Passionsspiel mit «Lebenden Bildern» und Prologen. Als Passionsspiel werden christliche geistliche Dramen um die Passion, das Leiden und Sterben Jesu von Nazareth bezeichnet. «In den 1920er Jahren dauerte eine Aufführung einen Tag. Am Morgen wurde um 10 Uhr gestartet. Um 12 Uhr gingen die Besucher in den umliegenden Restaurants essen. Es war ein enormer Trend damals. Sogar den Bahnhof von Selzach wollte man vergrössern», berichtet Hans Bösch.

Das Passionsspiel wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder erneuert oder ergänzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 eine Neuinszenierung versucht, aber bereits 1952 kam das Aus. 1970 bis 1972 wurde das Spiel unter dem Titel «Passion 70» wieder aufgenommen. Mangelndes Interesse setzte dem Passionsspiel erneut ein Ende. 1989 starteten die ersten Sommerspiele im Passionsspielhaus mit «Die Zauberflöte» von W. A. Mozart. Seither wurden in 14 Spielzeiten 12 Produktionen gezeigt. 2016 wird die Sommeroper Selzach «L’elisir d’amore» von Gaetano Donizetti aufführen. (uby)

Ausserdem ist im Bühnenbereich der Einbau einer Sprühflutanlage nötig. Das hohe Bühnenhaus erhält eine heute nicht vorhandene durchgehende Galerie für die Bühnenarbeiter. Nicht angerührt wird der Bühnenboden. Die bühnentechnische Sanierung wurde mit der Denkmalpflege abgesprochen.

Eiserne Reserve verkaufen

Mit dem neuen Projekt sollen bis zu 300 Kilogramm Gewicht an einen Seilzug gehängt werden können. Eine vollautomatische Seilzug-Anlage kann aber nicht eingebaut werden. «Im Winter ist hier drinnen nicht geheizt, und wegen der Feuchtigkeit würden die Motoren Schaden erleiden.» Die Finanzierung der Sanierung sei noch ein Problem. Der Verein verfügt zwar über einige liquide Mittel. Doch die genügen nicht. Erstaunlicherweise hat der Verein noch vier Bauplätze im Hölzli.

1935 wurde das Bauland gekauft mit der Absicht, darauf ein Passionsspielhaus zu erstellen. «Der Krieg hat das verhindert. Danach lief längere Zeit nichts, und man hatte auch kein Geld für einen Neubau.» Drei, vielleicht nur zwei der Bauplätze will der Verein verkaufen. «Mit den neuen Offerten ist der Preis für die Sanierung der Bühnentechnik etwas heruntergekommen», so Bösch. Daneben werden der Kanton (Lotteriefonds und Denkmalpflege) und die Gemeinde um Beiträge angefragt.

Mitte Oktober wird die alte Anlage abgebaut. Ende Jahr soll die neue Anlage eingebaut sein. Ab März wird die Bühne für Proben gebraucht.

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