Wasseramt
Urzeitenweg verspricht online viel, vor Ort ist er aber ein Flop

Die Probefahrt über den von Pro Wasseramt propagierten Urzeitenweg war leider nicht wirklich das, was uns versprochen wurde. Ein Erfahrungsbericht.

Rahel Meier
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Wegweiser zum Urzeitenweg
17 Bilder
Die Infotafeln sind machmal etwas schwer zufinden...
...und oftmals auch nicht mehr die Jüngsten
Die Infografiken und Karten sind einfach laminiert
Schade, denn die Infos wären durchaus spannend, wenn sie etwas anschaulicher verpackt wären
Wegweiser zum Urzeitenweg
Wegweiser zum Urzeitenweg
Das Wasseramt lernt man über den Urzeitenweg nur dürftig kennen
Immerhin geht es durch den Wald
Der Urzeitenweg im Wasseramt
Der QR-Code auf den Karten führt leider auch nicht zu neuen Informationen
Auf der Rückseite der grossen Infotafeln beim Restaurant Seeblick finden sich die Informationen zum Urzeitenweg.
Neben Rauchverbot und Schulinformationen gibts auch was kleines über den Urzeitenweg zu lesen.
Leider sind die Infos auf den Tafeln auch schon online zu lesen, was die ganze Sache etwas überflüssig macht

Wegweiser zum Urzeitenweg

Rahel Meier

Der Urzeitenweg im Wasseramt wird eifrig beworben. Er wird unter anderem auch für Schulreisen empfohlen. Wir sind den Weg abgefahren. Gestartet wird die Tour in Biberist. Bei der Biberena sollten die Infotafeln stehen.

Aber wo sind sie? Nach längerer Suche werden sie gefunden. Enttäuschend klein und schlecht platziert, direkt bei der Eingangstüre zum Saal hängend. Laminierte Kopie. Schautafeln sind etwas anderes.

Beim Ansehen und Lesen stellt sich zudem heraus, dass es genau die gleichen Infos sind, wie sie auch online zu finden sind.

Die Route des Urzeitenwegs im Wasseramt.

Die Route des Urzeitenwegs im Wasseramt.

zvg

Wegweiser gut platziert

Der Hintern wird also wieder auf den Velosattel geschwungen, und weiter geht es nach Halten, Turm. Die Wegbeschreibung auf dem ausgedruckten Prospekt ist zwar etwas kompliziert und das gleichzeitige Lesen und Fahren problematisch. Immerhin geht es auf Nebenstrassen perfekt bis Kriegstetten.

Dies auch dank der kleinen, hellblauen Wegweiser, die an den strategisch richtigen Orten platziert sind. Mitten auf einem Bauernhof ist aber Endstation. Laut ausgedrucktem Plänli scheint es tatsächlich von dort aus weiterzugehen. Aber da alle möglichen landwirtschaftlichen Maschinen den Weg versperren, wird umgekehrt und anders Richtung Turm gefahren.

Aber ohalätz: Die Infotafeln sind gar nicht beim Turm, sondern beim Eingang zum Klublokal des HSV. Also das Velo wieder angestossen und noch ein paar Meter weitergefahren. Vorgewarnt nach der letzten Lokalität, werden die Informationen diesmal schnell gefunden. Die Plakate haben gelitten und sehen eher aus, als ob jemand eine vermisste Katze suchen würde.

Man lässt sich aber nicht so leicht abschrecken. Und so geht es weiter Richtung Burgäschisee. Doch Beschreibung und Beschilderung passen nicht überein. Also wieder umkehren, Plänli lesen und neu einfädeln.

Plötzlich ist wieder ein kleiner, hellblauer Wegweiser zu sehen und so geht es dann doch noch auf dem richtigen Weg zum Burgäschisee, wo Pfahlbauer-Siedlungen entdeckt wurden. Auf der Rückseite der grossen Infotafeln beim Restaurant Seeblick finden sich die Informationen zum Urzeitenweg. Ziemlich versteckt, die Informationen eher dürftig. Enttäuschend, wenn man bedenkt, dass der See zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Rast am Inkwilersee

Statt Richtung Inkwilersee wiederum nach dem Weg durch den Wald zu suchen, geht es kurzerhand weiter via Hauptstrassen und durch Aeschi hindurch. Etwas Vorfreude gibt es schon auf den Inkwilersee. Dort ist es meist viel ruhiger als am Burgäschisee, wo sich Badegäste und Ausflügler im Sommer und an schönen Tagen auf die Zehen treten.

Tatsächlich. Das Bänkli am See ist nicht besetzt und eine kleine Verschnauf-, Erhol- und Trinkpause tut gut. Wie erwartet, sind die Informationen zum Inkwilersee am unattraktivsten Ort angeschlagen. Da alles schon online gelesen werden konnte, erübrigt sich ein Blick auf die beiden Plakate.

Vorbei an den Keltengräbern

Immerhin geht es via Wald problemlos Richtung Subingen. Auch die Wegweiser verwirren nicht, sondern helfen bei der Orientierung. Der Urzeitenweg führt parallel zur 6. Solothurner Waldwanderung und so ist es einfach, sich zu orientieren.

Beim Schulhaus in Subingen finden sich im Schaukasten neben Rauchverbot und Schulinformationen auch noch die beiden Zettel des Urzeitenweges. Die Informationen über die Keltengräber im Heidenmoos interessieren aber wenig.

An denen ist man nämlich in der Zwischenzeit vorbeigefahren. Dort hätte die Infotafel weitaus mehr Sinn gemacht. Oder man hätte auf die Schautafel des Waldwanderweges verweisen können. Eine Beschreibung der beiden letzten Standorte in Luterbach und Zuchwil erübrigt sich.

Umsetzung ist dürftig

Das Fazit: Der Urzeitenweg, so wie er sich momentan präsentiert, ist überflüssig. Im Schulblatt der Kantone Solothurn und Aargau wird das Angebot so beworben: «... hier wird Urgeschichte zu einem hautnahen Erlebnis und verbindet Geschichte mit der Einzigartigkeit des Wasseramtes.»

Um Schüler oder Familien mit Kindern zu fesseln, braucht es aber doch etwas mehr. Die Infotafeln sind dürftig, sowohl was den Inhalt als auch die provisorische Umsetzung angeht. Die Informationen vor Ort entsprechen den Informationen, die online aufgeschaltet sind.

Der Urzeitenweg konkurrenziert zudem bereits bestehende Wege wie den Waldwanderweg oder den Industrielehrpfad. Die einzige Sehenswürdigkeit, die im Rundkurs eingebunden ist, ist der Turm in Halten. Und dieser ist nur sonntags geöffnet.

Der Verein Pro Wasseramt, auf dessen Initiative hin der Urzeitenweg realisiert wurde, will auch Vorträge, Erlebnistage oder Eventwochen zum Thema anbieten. Auf dieser Schiene zu fahren, scheint vielversprechend.

Ein solches Angebot gibt es bislang nicht. Wieso nicht eine Thema-Schul-Lagerwoche im Wasseramt verbringen? Kinder und Lehrer würden die Gegend sicher besser in Erinnerung behalten als nach einer Velofahrt, wie wir sie erlebt haben.