Derendingen
Urs Schaad ist ein Mensch mit vielen Talenten

Ihn kennt man weit über das Wasseramt hinaus. Ganze Generationen von Schülerinnen und Schülern erinnern sich gern an ihren Lehrer Urs Schaad, dem der verständnisvolle Dialog im Schulzimmer stets so wichtig war.

Gundi Klemm
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Auch mit 75 Jahren hat Urs Schaad seinen Humor behalten.

Auch mit 75 Jahren hat Urs Schaad seinen Humor behalten.

Gundi Kleim

An Schulabschlussfeiern im Oberstufenzentrum Derendingen-Luterbach riss er viele Jahre das Publikum mit seiner fantasievollen Moderation mit und formte diese Feierstunden zu unvergessenen Höhepunkten des Schullebens. Seine Liebe galt ebenso der Musik, die er in unterschiedlichen Ensembles als Sänger und Perkussionist ausübte und sich mit seinen Jazzfreunden bei «Parnass» eine regelrechte Fangemeinde schuf. Rhythmisch vibrierend begleitete er etliche Chöre wie etwa die Bettlach Singers, denen er – umrahmend mit feinsinnigen Worten – zum eindrücklichen Konzertauftritt verhalf.

Ein spitzer Humor

Schon früh hatte Urs Schaad diese Gabe zu besonderem Humor in sich entdeckt, der gepaart war mit «dem Flair, ungewöhnliche Reime zu schmieden», wie er selbst sagt. So wurde er zum Mitherausgeber der Wasserämter Fasnachtszeitung «Wäschpinäscht, machte, weil es ihm so leicht aus der Feder floss, Auftragsarbeiten als Ehrungen zu Jubiläen, Geburtstagen oder Hochzeiten und schrieb unzählige Verse für Schnitzelbänke. Pfiffig, lebendig, aber nie verletzend fanden sie stets viel Beifall. Aus dem Wasseramt berichtete Schaad, der als früherer Kantonsrat über ein ausgeprägtes politisches Interesse verfügt, in Kolumnen dieser Zeitung und schärfte seine differenzierte Sprache spielerisch über fünf Jahre im publizierten Briefwechsel «Ping-Pong» mit dem damaligen SZ-Redaktor Urs Scheidegger.

190

Seiten hat das Buch von Urs Schaad, das in einer Auflage von 200 Exemplaren herausgekommen ist.

Ein Sprachkünstler

Urs Schaad untertreibt gewaltig, wenn er sein jetzt vorliegendes 190-seitiges Buch «Ges(t)ammelte Verse und Geschichten» nennt. Es handelt sich um eine chronologisch angelegte Sammlung dieser, seiner literarischen Tätigkeit, in der er mal «träf» mundartlich oder mit geschliffener hochdeutscher Zunge die verschiedensten Begebenheiten erzählt und das Tun von Zeitgenossen auf sympathische Weise hervorhebt. Immer wieder liest man die von ihm erwähnten Persönlichkeiten fast wie ein «Who’s who» im Wasseramt. Bei der Vorstellung des Werks von Urs Schaad im November letzten Jahres betonte Derendingens Gemeindepräsident Kuno Tschumi dessen Sprachkünstlerschaft, die man «im richtigen Jonglieren mit Worten» als Zuhörender und Lesender berührend erfahre.

Keinesfalls sprachlos aber doch etwas verlegen macht Schaad die im Gespräch gestellte Frage, warum er als nun 75-Jähriger sich die Arbeit an dieser Edition auflade. «Ehrlich gesagt mache ich es für mich selber, damit eine Spur, vielleicht sogar ein kleiner Fussabdruck von mir sichtbar bleibt.» Eine definierte Lesergruppe habe er nicht im Blick. Und um die Ernsthaftigkeit gleich wieder abzuschwächen, verweist er selbstironisch auf eine mögliche «Selbstbefriedigung» als Freude am Geleisteten wie auch den anerkennenden «Schlag auf die eigene Schulter». Bald 40 Jahre literarische Beschäftigung mit unterschiedlichsten Ereignissen umfasst seine dickleibige Broschüre, die spürbar sein Lebensziel abbildet: «Ich wollte die Dinge nie mit kleingewinkelter Brille betrachten.» Offenbar ist es ihm gelungen, die Wirklichkeit real, aber immer mit liebevollem Blick darzustellen. Und weil ihm der im Hause Schaad in Skulpturen anwesende Wolf wie ein persönliches Wappentier am Herzen liegt, schiebt er augenzwinkernd nach: «Ich habe nie mit den Wölfen geheult, vielleicht eher mit den Schafen geblökt.»

Glücksfall

Weil er im Frühling 2014 «Rippenstösse» von verschiedensten Seiten – nicht zuletzt auch von seiner Ehefrau Verena erhalten habe, endlich diese Textsammlung herauszugeben, fand er viel Unterstützung in der gemeinsamen Freundin Verena Reichenbach. Sie gestaltete als wahrer Glücksfall ganz kompetent alle Seiten zu druckfähigen Vorlagen für die rund 200 Exemplare, die er im Selbstverlag herausgab. «Die Auswahl der verschiedensten Themen allerdings, die ich über die Jahre alle in bezeichneten Ordnern zusammengetragen habe, war für mich die grösste Herausforderung», bekennt Urs Schaad. Weit über seinen Freundeskreis hinaus ist dieses Buch zum Nachschlagewerk für vielerlei Erinnerungen aus der Wasserämter Welt geworden, die ein mit vielen Talenten begabter Derendinger Zeitgenosse mit Witz und Verstand festgehalten hat.