Noch vor zehn Tagen sah es im Schlösschen Vorder-Bleichenberg nach einem gehörigen Mass Arbeit aus. Stapeln von Teppichen lagen am Boden ausgebreitet. Die verschiedensten Hölzer wurden zurechtgesägt und Tapeten zugeschnitten. Auf dem Tisch sassen kuschelige dunkelgraue Teddybären. Schwemmholz-Skulpturen warteten auf einen optisch günstigen Standort. Für den Ausstellungsgestalter der Ziegler Teppich und Boden AG, André J. Weber, hiess dies, den Ideen und seinem ästhetischen Flair, seinem Abwägen in Bezug auf den Lichteinfall und das farbliche Zusammenspiel, freien Lauf zu lassen.

Das Wow-Erlebnis ist ihm auch in diesem Jahr geglückt, an der 24. Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg unter dem Motto «Teppich und Boden im Wandel der Zeit». Die Farbkontraste mit den zum Teil mit Filz bedeckten Böden in Pink, Ocker oder Türkis sind keck. Die verschiedenen Teppiche, Hölzer, Hocker, Vorhangstreifen, Harassen, Teddybären und Orchideen, sowie die zahlreichen Kissen, alles Unikate aus der Türkei, vereinen sich in ein wunderbares Ganzes.

Extremer Wandel

Die letzten zehn Jahre haben extreme Änderungen gebracht», sagt Olivier F. Ziegler. Heute sähen die Wohnungseinrichtungen anders aus, mit kühleren Möbeln, mit Chrom, Metall. Der Trend im Teppichgeschäft richte sich danach. «Die klassischen Teppiche werden kaum mehr gekauft. Gefragt sind Unikate mit wenig und diskreten Mustern sowie wohltuenden Farben», erklärt er.

Vermehrt werde anstelle von Spannteppichen auch Parkett verlegt und zwar eher urchige, knorrige Hölzer als Kontrast zur modernen Architektur. Die Ziegler-Hölzer stammen ausnahmslos aus Europa. Auffallend in der Ausstellung sind die Damask-Teppiche, alle mit dem gleichen grau-beigen Grundton aus ungefärbter Wolle. Glänzend in der Sonneneinstrahlung zeigt sich das einfarbig integrierte sogenannte verlorene Muster aus Seide. 16 Frauen aus Nepal haben sich zusammengeschlossen und diese modernisierten Muster kreiert.

Bucheggberg als Inspiration

Knüpfer aus dem Südiran erkundigten sich, wie es in Olivier F. Zieglers Heimat aussehe. Sie liessen sich von dessen Fotos aus dem Bucheggberg inspirieren. Entstanden ist ein wunderschöner pflanzengefärbter «Kaschkuli» mit blauem Horizont und grüner Landschaft mit Apfelbäumen, in welcher neben den Kühen auch Kamele weiden. Anhand von Fotos entstanden auch der «Luribaft» und der «Kaschkuli» aus dem Iran, die einen weihnachtlichen Tannenbaum samt Ständer symbolisieren.

Ein Sujet, der Lebensbaum, wird auch von den jungen Knüpfern immer wieder gern verwendet, so auch im «Luribaft» in Grüntönen aus dem Iran. «Grün ist die Heilige Farbe des Propheten Mohammed, die Glück und Hoffnung beinhaltet», sagt Olivier F. Ziegler. Der Lebensbaum selber sei ein uraltes Symbol von Kraft, Wohlstand, Energie und ewigem Leben. Beliebt ist sichtlich auch die Wiedergabe des Granatapfelbaums. In Nussschalen eingefärbtem Grundton zeigt sich der «Luribaft» aus dem Iran. In Naturtönen beeindrucken die Unikate aus dem Südiran. Die dort existierenden 16 Schafrassen weisen alle verschiedene Grundfarben auf – erdig, sandig, ocker.

Für den Blumenhaus-Neubau

Wunderbar fügen sich die vom Blumenhaus Buchegg hergestellten Skulpturen aus Schwemmholz aus der Emme und Aare in die Teppich- und Hölzerwelt ein. Sie tragen Namen wie «Chnorriger Zwerg», «Sturi Grinde» «Steibisser», «Himmelsleiter». Das Blumenhaus darf sich freuen, ist doch der Erlös der Skulpturen aber auch die Kollekte des Rahmenprogramms vollumfänglich für den Neubau bestimmt.