Nachruf

Ur-Kriegstetter Walter Affolter war einer, der viel zu erzählen wusste

Walter Affolter, wie man ihn kannte.

Walter Affolter, wie man ihn kannte.

Walter Affolter war ein Ur-Kriegstetter und im ganzen Dorf bekannt und beliebt.

Im April, mitten in der Coronakrise, ist Walter Affolter verstorben. Er war das letzte Kriegstetter Dorforiginal und wusste viele Geschichten und Anekdoten aus der Vergangenheit zu erzählen. Affolter führte aber auch bis zu seinem Tod eine Getränkehandlung, war ein leidenschaftlicher Imker, engagierte sich jahrzehntelang als Sektionschef, in der Bürgergemeinde, bei der Hornussergesellschaft Kriegstetten und in der Feuerwehr. Walter Affolter war bekannt im Dorf. Immer wieder wurde er auch aufgesucht, weil er Hand auflegen und heilen konnte. Der Versuch eines Nachrufs.

Imker mit viel Leidenschaft für die Bienen

Walter Affolter war nicht verheiratet, sein einziger Bruder starb vor bald 20 Jahren. Oft sprach er aber liebevoll von einer «alten Tante». Damit meinte er allerdings keine nahe Verwandte, sondern eine seiner Bienenköniginnen. Seine Bienenvölker hegte und pflegte er gerne – und dies meist ohne Schutzkleidung. Wenn der Stumpen als Schutz nicht ausreichte, dann wurde er halt gestochen. Gerne gab er sein Wissen auch an junge Leute weiter. So sorgte er rechtzeitig dafür, dass seine Bienenvölker einen neuen jungen Besitzer erhalten haben.

Nachdem die Familie von Dominik und Cordula Meier im Pfarrhaus in Kriegstetten einzog, bekam Werner Affolter plötzlich doch noch eine Art Familie. «Unsere vier Kinder waren sehr gerne bei Werner Affolter. Er liess eine alte elektrische Eisenbahn wegen ihnen flicken und sie durften einen Kinderdetektivraum in seinem Haus einrichten. So wurde er zu einer Art Ersatzgrossvater», erinnert sich Dominik Meier. Wenn es sich ergab, hätten die Kinder nach Feierabend auch gerne im Laden das Münz gezählt. «So hat er ihnen das Kopfrechnen beigebracht. Darin war er gut.»

Immer gut für einen kleinen Scherz

«Walter Affolter hatte ein unglaubliches Gedächtnis», erklärt Johannes Lüthi. Mehr als einmal erübrigte sich ein Gang ins Archiv der Bürgergemeinde, weil Affolter nach vielen Jahren als Bürgerschreiber und Vizegemeindepräsident der Bürgergemeinde genau sagen konnte, was Sache ist. «Er war auch immer dafür zu haben, jemandem einen kleinen Streich zu spielen.» So habe er einmal bei einer Feuerwehrübung den damaligen Ammann, der als Figurant gerettet werden musste, kopfüber die Leiter heruntergelassen. Und an einem 1. April liess er ein Baugesuch publizieren, mit dem der Neubau einer riesigen Lagerhalle für Wein und Spirituosen angekündigt wurde. Bei den Reaktionen der Kriegstetter lachte er sich heimlich ins Fäustchen. Laut Lüthi hat Affolter Zeit seines Lebens keine Wahl und keine Abstimmung verpasst. «Er kam immer genau vor dem Glockenschlag. Wenn er da war, wusste der Wahlbürochef, dass er das Stimmlokal schliessen und mit Zählen beginnen kann.» Ebenso ging er samstags immer mit dem Velo einkaufen. Dabei betrat er den Laden stets fünf Minuten vor Ladenschluss.

Nachschub kam auch mitten in der Nacht

Die Getränkehandlung die Walter Affolter betrieb, galt auch als «vierte Beiz» im Dorf. Nicht selten bleib man nach dem Einkauf noch auf ein Glas sitzen. «Und man konnte sicher sein, dass man nachher wieder auf dem neusten Stand war, was das Dorfleben anging», so Johannes Lüthi. Die Kriegstetter Vereine bezogen ihre Getränke häufig bei ihm, weil sie wussten, dass er auch mitten in der Nacht noch Nachschub lieferte, wenn das nötig war. «Der Bürgergemeinde hat er in den letzten Jahren nie eine Rechnung gestellt.

Obwohl er immer wieder dazu aufgefordert wurde.» Das Geschäft hat Affolter von seinem Vater übernommen. Dieser war Küffer – darum auch Affolters Übername Küefer Walti - und verkaufte nebenbei auch Schnaps. Kein Wunder also, dass sich einige Kriegstetter noch gut daran erinnern, dass Affolter den Wein früher in Fässern geliefert bekam und den Wein selbst in Flaschen abfüllte. «Das war damals ganz normal», meint Werner Schneider. Er kennt Affolter seit er sich erinnern kann, war sein Nachbar und hat jahrzehntelang mit ihm gehornusst. Er war einer derjenigen, die sich in den letzten Monaten um ihn gekümmert haben. «Er hat mir viele der alten Geschichten nochmals erzählt in seinen letzten Lebensmonaten.»

Im Dezember 2019 bekam Walter Affolter die Diagnose Krebs. Obwohl er vielen Freunden und Bekannten mit Hand auflegen helfen konnte, blieb ihm in diesem Fall Hilfe versagt. Viel Zeit blieb ihm danach nicht mehr. So lange als möglich blieb er zu Hause und wurde von Freunden und Nachbarn betreut. Als die Krankheit zu schlimm wurde, blieb nichts anderes mehr, als ihn ins Spital einzuweisen. Die letzten Lebenswochen verbrachte er im Alters- und Pflegeheim Heimetblick in Biberist. «Leider war es wegen der Coronakrise nicht mehr möglich, ihn zu besuchen.» Werner Schneider erinnert sich aber an das letzte Mal, dass er seinen Freund sah. «Er hatte ein leises Lächeln auf den Lippen.» Affolter war auch Zeit seines Lebens dem Militär sehr verbunden. Wegen der Coronakrise wurde er nicht mit der Ambulanz, sondern mit einem Militärkrankenwagen abgeholt. «So komisch das tönt. Das hat ihn gefreut.»

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