Das Jubiläumsjahr für die 1615 eingeweihte Kirche in Oberdorf ist geprägt von besonderen Anlässen. Auch Pius Portmanns Idee, eine fiktive Geschichte theatralisch umzusetzen und an verschiedenen Stationen zu spielen, stiess auf offene Ohren. Er avancierte zum Autor und Regisseur. Seine Theatergeschichte führt die Besucher in die Zeit des Kirchenbaus zurück. Die drei Szenen veranschaulichen die schwierige Situation der Standesunterschiede – die Spannungen und Dispute zwischen den einfachen Bauern und den «Gnädigen Herren».

Natürliche Kulissen

Das erste Theaterbild spielt auf der «Höchi» beim Dorfausgang. Die Bauern haben dort Findlinge für den Kirchenbau zu bearbeiten. Und zwar alles um Gotteslohn. Sie sind unzufrieden, denn viel wichtiger wäre es, das reife Korn in die Scheune zu bringen. Doch das Korn muss warten, Ross und Wagen werden für den Transport der Steine benötigt. Die Bauern machen keinen Hehl daraus, dass für sie die alte Kirche noch lange gut genug gewesen wäre.

Demgegenüber ist in der zweiten Szene auf dem Bauernhof Sieber Waschtag. Mutter, Tochter und Magd hadern, dass die Arbeit auf dem Hof liegen bleibt und der Kirchenbau Vorrang hat. Nichtsdestotrotz ist die Tochter überzeugt, dass der Herrgott ein Verfaulen des Korns nicht zulassen wird.

Auf dem Kirchenvorplatz schliesslich wartet der unter Termindruck stehende Baumeister gehässig auf die Steinlieferung. Ein Streitgespräch entsteht zwischen dem Pfarrer, der sich für die Bauern und ihre dringenden Arbeiten einsetzt, und dem überheblichen Baumeister. Dieser droht, den Pfarrer beim «ehrwürdigen Probst des Stifts St. Urs» in Solothurn wegen Aufhetzung der Bauern anzuschwärzen.

Ergänzende Begleitschrift

Elf Erwachsene und fünf Kinder verkörpern mit viel Enthusiasmus Bauersleute, Bauherr, Laufbursche oder Pfarrer. Sie versetzen sich – in entsprechenden Kleidern, Habseligkeiten und mit ihrer Spielfreude – überzeugend in die damaligen Lebensumstände und Geschehnisse.

Der Theaterspaziergang wird durch historische Fakten bereichert. Hans Kohler, Pius Portmann und Verena Sieber haben als Ergänzung zu den drei Theaterbildern eine Begleitschrift zum geschichtlichen Hintergrund geschaffen. Zweifellos wird der Theaterspaziergang aber dem Zwischenmenschlichen und dem Zusammensein dienen. Dazu verhilft nach den ersten beiden Aufführungen sicherlich auch der Apéro auf dem Kirchenvorplatz und nach der letzten Aufführung die alljährliche «Vorchilbi».

Aufführungen: 12. Juni, 19 Uhr, 26. Juni um 19.30 Uhr sowie am 14. August um 19 Uhr, Treffpunkt ist auf dem Gemeindehausplatz. Dauer 1 ½ Stunden. Für Gehbehinderte wird ein Transport organisiert.