Solothurn-Moutier

«Unsicherer Anschluss nach Basel»: Drei Minuten um umzusteigen sind sehr knapp

In Solothurn haben die Nutzer der Bahnlinie Solothurn-Moutier Anschluss an Zürich, in Moutier nach Basel, wobei die Umstiegszeit in Moutier knapp ist.

In Solothurn haben die Nutzer der Bahnlinie Solothurn-Moutier Anschluss an Zürich, in Moutier nach Basel, wobei die Umstiegszeit in Moutier knapp ist.

Ueli Custer, Beauftragter für öffentlichen Verkehr der Gemeinde Lommiswil, fürchtet Frequenzeinbusse auf der Linie Solothurn-Moutier.

Die Reklamationen stapeln sich nicht gerade auf dem Pult von Ueli Custer, aber es sind doch so viele, dass es ihn beunruhigt. Er ist Mitorganisator des Tunnelkinos und wirkt im Verein 411 mit, der unter der Leitung von Alt-Regierungsrat Walter Straumann helfen soll, die Frequenz auf der Linie Solothurn-Moutier zu steigern. Der ehemalige Gemeinderat ist aber auch der Beauftragte der Gemeinde für den öffentlichen Verkehr (öV). Bei ihm können sich die Lommiswiler melden, wenn es im öV harzt. Brennpunkt ist die Zuglinie Solothurn-Moutier mit zwei Haltestellen im Dorf. Die Linie war stark gefährdet. Inzwischen ist klar, dass die Trassee-Besitzerin BLS den maroden Weissensteintunnel sanieren wird, und die Linie weiterbestehen soll. Zudem sollen die Bahnhöfe an der Linie aufgepeppt und für Menschen mit Behinderungen ebenfalls benutzbar werden, wie die BLS vor kurzem mitteilte.

«Mit dem Entscheid, dass der Tunnel saniert wird, sagte Bundesrätin Doris Leuthard klar, sie erwarte, dass sich die Region für die Linie einsetzen wird und die Frequenzen durch den Tunnel steigen», beschreibt Ueli Custer, was ihn antreibt. Die eingangs erwähnten Reklamationen betreffen vor allem die Verbindung nach Basel. «Die Verbindung nach Basel ist ein wichtiges Argument für diese Linie. Der touristische Verkehr ist gut, aber nur das Sahnehäubchen. Man muss regelmässige Bahnbenutzer auf die Linie holen. Das funktioniert aber nicht, wenn der Anschluss in Moutier unsicher ist», ärgert sich Ueli Custer.

Drei Minuten sind sehr knapp

Von Lommiswil aus ist die Verbindung nach Basel über Moutier zwei Minuten kürzer als über Solothurn, und dies mit einem Umstieg. Via Solothurn muss der Zug zweimal gewechselt werden. Auch Langendörfer profitieren von dieser Variante. Aber in Moutier ist die Umstiegszeit kurz. Drei Minuten sind eingeplant. Hart trifft es da die Bahnnutzer, wenn die Verbindung unzuverlässig funktioniert. Denn in Moutier warten die Bahnnutzer eine Stunde auf den nächsten Zug nach Basel. «Wie schon einige Male in diesem Jahr habe ich vorgestern den Zug Im Holz nach Moutier genommen», schreibt eine Nutzerin in einer Mail an Ueli Custer. «Der Zug hätte um 18.42 Uhr abfahren sollen, kam aber erst um 18.49 Uhr. Ich kam in Moutier an, als mein Anschlusszug nach Laufen bereits abfuhr.» Ein anderes Beispiel zeigt, dass auf der Einspurlinie der Gegenzug zum Problem werden kann. So erlebte Custers Frau eine Fahrt, bei der der Gegenzug aus Moutier an der Kreuzungsstelle in Crémines 23 Minuten lang abgewartet werden musste.

Besonders ärgerlich wird es, wenn der Basler Zug abfährt, obwohl noch Leute auf der Treppe zum Perron unterwegs sind. «Auf die betroffenen Reisenden wirkt dies schlicht und einfach bösartig», schreibt Custer in einer Mail an den Kanton. Er vermute, die Bahnbegleiter der SBB seien zu wenig sensibilisiert auf diese Problematik. «Deren völlige Ahnungslosigkeit erschreckt mich. Sie werden nicht dementsprechend instruiert. Kein Fahrgast hat Verständnis dafür, wenn der Zug vor der Nase abfährt.»

«Kein Spielraum»

«Wir definieren für jeden Bahnhof und jeden Zug, wie lange ein Anschluss abgewartet werden kann. In Moutier besteht kein Spielraum. Die Linie nach Basel ist mehrheitlich einspurig. Verspätungen würden die Anschlüsse in Delémont, Laufen und Basel gefährden und hätten somit negative Auswirkungen auf andere Reisende», erklärt Severin Lörtscher, Angebotsplaner der SBB. Auch eine Änderung des Fahrplans ist kaum machbar. «Er ermöglicht in Moutier den Anschluss, aber auch in Solothurn nach Zürich.» Ändere man die Zeiten, stehe man vor dem Dilemma, welcher Anschluss profitieren soll.

Einen Eingriff in den Fahrplan findet Daniel Schwarz, beim Kanton Projektleiter Öffentlicher Verkehr, aus dem gleichen Grund wie Lörtscher schwierig. Er habe den Eindruck, die SBB sei grundsätzlich schon sensibel in Bezug auf die Anschlüsse. «Abhängig ist es vom eingesetzten Zugspersonal und der Betriebsleitstelle», so Schwarz. Der Kanton hat von den SBB eine Auswertung angefordert in Bezug auf Anschlussbrüche auf der Linie. «Einmal pro Tag ist der der Anschluss laut Auswertung nicht gesichert. Das finde ich einen relativ hohen Wert, denn der Anschluss in Moutier ist zentral für diese Linie.» Alles müsse darauf ausgerichtet sein, die Situation zu verbessern.

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