Luterbach
«Unser Haus zum Dorfzentrum machen»: Pfarreiheim wird für Tagesstrukuren geöffnet

Nach lebhafter Diskussion stimmte die Kirchgemeinde den Tagesstrukturen im Pfarreiheim in Luterbach zu.

Marlene Sedlacek
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Das Pfarreiheim der Katholiken wird für die schulergänzenden Tagesstrukturen flottgemacht.

Das Pfarreiheim der Katholiken wird für die schulergänzenden Tagesstrukturen flottgemacht.

Hanspeter Bärtschi

Die schulergänzenden Tagesstrukturen wurden an der Kirchgemeindeversammlung der
Katholiken äusserst emotional diskutiert. Man merkte den Referenten an, wie sehr ihnen die Angelegenheit zu Herzen ging. Zankapfel war das gemeinsame Projekt von Kirch- und Einwohnergemeinde, ergänzende Tagesstrukturen mit Mittagstisch im Pfarreiheim einzuquartieren.

Die Räumlichkeiten will man partnerschaftlich nutzen. Die Einwohnergemeinde wäre Mieterin, würde Miete bezahlen und sich an den Nebenkosten beteiligen. Den Umbau will die Einwohnergemeinde mit 700'000 Franken als Mieterausbau finanzieren.

Ein «grosser» Mehrwert für die Kirchgemeinde

Für Kirchgemeindepräsident Markus Jost hat dieses Vorhaben nur Vorteile. Der Umbau würde eine grosse Wertsteigerung darstellen, ist er überzeugt. Der Saal könne durch eine mobile Raumteilung vielseitiger genutzt werden. Die Öffnung zu einer neuen Terrasse hin werde Raum für Apéros für Hochzeitsgesellschaften bieten. Die Umgebung würde mit dem Aussenspielplatz attraktiv gestaltet, schwärmte er. Zudem würden die Mietzinseinnahmen und die Aufteilung der Nebenkosten die Kasse entlasten.

Philipp Zoller, der seit 35 Jahren aktiv in der Kirchgemeinde mitarbeitet, kann keine solchen Vorteile erkennen. Er fürchtet um das Pfarreileben. «In zehn Jahren ist das Pfarreileben tot», prophezeite er. Leid tue es ihm um den schönen, grossen Saal, den man seiner Meinung nach zerstückle. Und die ständige Anwesenheit der Schulkinder würde das Pfarreileben stören, ist er überzeugt. Er warf den Verantwortlichen vor, keine Ahnung zu haben, was in der Kirchgemeinde vor sich geht. Dem widersprach Markus Jost, seit zwölf Jahren Kirchgemeindepräsident, vehement. «Die Zeit spricht nicht für die Kirche», bedauerte er. «Das ist unser Problem. Deshalb müssen wir uns öffnen, wir müssen die Leute zu uns holen, wir dürfen uns nicht abschotten. Unser Ziel muss sein, unser Haus zum Dorfzentrum zu machen», ereiferte er sich.

Auch Gemeindepräsident Michael Ochsenbein, der ein dringendes Bedürfnis für eine solche Einrichtung sieht, ist begeistert von diesem Projekt. Es ist ihm unverständlich, wie eine gemeinsame Nutzung das Pfarreileben beeinträchtigen könnte. Beim Benutzen der Räume sieht er keinerlei Konfliktpotenzial, denn das Pfarreileben finde am Abend und an Wochenenden statt, wenn die Schüler nicht da sind. Sollte es ausnahmsweise Überschneidungen geben, könne man sich absprechen. Eine Doppelnutzung sei genau das, was man brauche, meldete sich Kurt Ochsenbein aus der Versammlung zu Wort und lobte die Weitsicht der Verantwortlichen. Nur so könne man das Pfarreiheim in die Zukunft retten. Dieses Votum vermochte zu überzeugen.

Mit 35 Ja- gegen 10 Nein-Stimmen wurde das Projekt angenommen. Markus Jost zeigte sich erleichtert. Er betonte jedoch, es wäre sehr bedauerlich, wenn sich Zoller wegen dieses Projekts aus der Kirchgemeinde zurückziehen würde, wie er angedroht hat. Jost möchte keine Zerwürfnisse, denn ebensolche könnten tatsächlich dem Pfarreileben schaden.