Weissenstein

Umgebaut und bepflanzt: Der Juragarten nimmt neue Formen

In den letzten beiden Jahren wurde im Juragarten auf dem Weissenstein viel gebaut. Jetzt will man sich wieder mehr um die Pflanzen kümmern.

Nicht nur rund um das Hotel Weissenstein wird fleissig gebaut. Auch ein paar Meter unterhalb der Aussichtsterrasse im Juragarten wird gearbeitet. «Während der Eröffnungsfeier vom 1. bis zum 4. August werden auch wir im Garten präsent sein», erklären Regine Anderegg und Eicke Knauer. Die beiden Frauen haben 2016 die Leitung des Juragartens übernommen. Dieser ist seit 1977 kantonal geschützt und das Ziel des Gartens ist es, die typischen Jurapflanzen zu zeigen.

In den letzten beiden Jahren kümmerten sich die beiden Frauen und die freiwilligen Helfer vor allem um Bauliches. So wurde im Mai 2018 mit Hilfe des Lions Club Solothurn der Eingang auf der Westseite saniert. Der Zugangsweg wurde neu verlegt, ausgeebnet und frisch gekiest. Zudem wurde die Trockenmauer beim Eingang neu aufgeschichtet. Als Letztes konnte ein Teil der Fläche gegen die Kurhausterrasse hin neu bepflanzt werden. Im August wurde die Trockenmauer in der Mitte des Gartens am Böschungsfuss neu erstellt. So wird der Hang befestigt. Die Mauer dient auch als Sitzelement und wird bereits rege benutzt. Diesen Frühling wurde auch noch die Trockenmauer südlich des Hauptweges neu aufgebaut. Der Juragarten ist terrassiert und die Trockenmauern sind ein wichtiges Element. Sie sind unter anderem auch Unterschlupf für Kleintiere. Die Steine, die für den Bau der Trockenmauern verwendet wurden, sind übrigens rezykliert: Sie stammen von Teilen des alten Kurhauses, die abgebrochen wurden.

Garten soll konzeptionell weiter entwickelt werden

Weiter haben Regine Anderegg und Eicke Knauer damit begonnen, neue Pflanzenarten anzupflanzen. So wurden einige juratypische Doldenblütler eingesetzt. Die bereits im Garten vorhandenen wilden Rosen, sollen als Themenbereich gezeigt werden und nicht nur lose verstreut den Garten bereichern. «Wir versuchen, den Garten ein bisschen moderner und professioneller zu gestalten.»

Die Besucher sollen Geschichten hören über die Pflanzen aber auch etwas mitnehmen können, das sie im eigenen Garten umsetzen können. So sollen ganze Themenbereiche in einem klar definierten Lebensraum entstehen und auch so beschildert werden. Heil- und Nutzpflanzen wären ein solcher Themenkreis. Oder Pflanzen, die Bienen Nahrung bieten. Gerade Letzteres freut die beiden Frauen: Seit Anfang Juni stehen zwei Kästen mit Honigbienen an der südwestlichen Ecke des Juragartens. Das fordert Knauer und Anderegg: Die Bienen brauchen vom Frühling bis in den Herbst Nahrung, sprich Blüten. Nicht nur die Bienen sollen ihren Lebensraum im Juragarten finden. Ein Trockenbiotop soll künftig Wildbienen und Kleinlebewesen Platz bieten.

Pflanzen und Kleinlebewesen im Einklang

Seit dem Frühling ist der Juragarten Mitglied des Dachverbandes der botanischen Gärten der Schweiz. Diese Vereinigung ist für Regine Anderegg und Eicke Knauer enorm wichtig. «Wir sind darauf angewiesen, uns mit Fachleuten austauschen zu können. Mit den botanischen Garten in Bern machen wir das schon länger und werden Pflanzen bekommen, die wir einsetzen dürfen.» Zwar zieht Regine Anderegg bei sich zu Hause immer mal wieder Pflanzen auf, die durch eine einfache Teilung oder Ausläufern gut vermehrt werden können, die sie dann wieder im Juragarten einsetzt. Aber das sei zu wenig. Ideal wäre es, wenn im Juragarten selbst Pflanzen gezogen werden könnten. . Für die Samenvermehrung fehle die Einrichtung.
Die beiden Frauen suchen aber nicht nur Kontakt zu Botanikern, sondern auch zu Biologen. So haben sie sich kürzlich mit einem ausgewiesenen Fachmann für Insekten getroffen. «Das Insektensterben ist ja genau so aktuell, wie das Thema Biodiversität.»

Die beiden freuen sich, dass die baulichen Arbeiten im Garten beinahe abgeschlossen sind. Dann können sie sich nämlich wieder hauptsächlich ihrer Leidenschaft – den Pflanzen – zuwenden. Seit 2017 grosszügig ausgeholzt wurde, und der Juragarten so stärker besonnt wird, kommen die lange im Boden geschlummerten Samen zu neuem Erblühen. Gerne erwähnen sie den jurassischen Braunwurz, den sie eines Tages beinahe zufällig im Garten fanden. Der Garten werde sich auch ohne menschliches Zutun weiter entwickeln. «Aber er braucht doch Pflege und gewisse Pflanzen müssen wir gezielt entfernen, damit sie die anderen nicht verdrängen.» Dabei helfen weiterhin Freiwillige mit, die jährlich rund 250 Stunden im Juragarten arbeiten.

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