Eigentlich habe sie ein bisschen mehr Leute erwartet, sagte Gemeindepräsidentin Anita Panzer zu den 41 Anwesenden an der Gemeindeversammlung. Eines der Hauptgeschäfte, die Bevölkerungsumfrage, sei im Dorf nämlich auf riesiges Interesse gestossen. Man sei überwältigt vom Rücklauf, 227 Personen haben den Fragebogen ausgefüllt – ein beachtliches Resultat bei einer Einwohnerzahl von 984 Personen. Die Ergebnisse der vom Gemeinderat initiierten Umfrage werden nun vertieft analysiert und dienen als Richtschnur für künftige Diskussionen.

«Ich bin froh, dass ich von den Ergebnissen nicht komplett überrumpelt worden bin», so Panzer. Die Umfrage ergebe nämlich etwa das Bild, welches sie sich in den letzten Jahren von Feldbrunnen-St. Niklaus habe machen können: «Hier sind nicht immer alle einer Meinung, das ist auch gut und darf so sein.» Tatsächlich sind die eingegangenen Aussagen teilweise diametral entgegengesetzt: «Einige wollen den Steuerfuss senken, andere wollen ihn heben», so Panzer. Einige wollen den Winterdienst intensivieren, andere wollen ihn streichen. Erfreulich sei auch, dass sich sehr viele Leute für die Umfrage und die Mitsprachemöglichkeit bedankt haben.

Natur ist ein Pluspunkt

Den Einwohnern gefällt besonders die schöne, naturnahe, ruhige Lage, die Nähe zur Stadt, der tiefe Steuerfuss, die übersichtliche Grösse und die öV-Anbindung. Familienfreundlichkeit, Dorfanlässe und das Restaurant werden ebenfalls geschätzt. Weniger Gefallen finden die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten, der fehlende Bankomat sowie die Barrieren des Bipperlisi. Auch die Zweiteilung des Dorfes durch die Baselstrasse, die rege Bautätigkeit und die ewigen Steuerdiskussionen kommen bei einigen nicht gut an.

Verbesserungsvorschläge seien zahlreich eingegangen. Sie reichen von vermehrten Verkehrskontrollen über die Ansiedelung eines Ladens, die Belebung des Dorfplatzes bis hin zur Schulwegsicherung. Mit der Infrastruktur im Dorf sind 91 Prozent der Teilnehmenden zufrieden oder sehr zufrieden, beim Abfuhrwesen sind es sogar 94 Prozent. Ebenfalls sind über 90 Prozent zufrieden mit dem Service der Gemeindeverwaltung. 75 Prozent finden einen tiefen Steuerfuss wichtig oder sehr wichtig und 55 Prozent wären auch bereit, zugunsten eines tiefen Steuerfusses auf gewisse Dienstleistungen zu verzichten. Andere äusserten, dass sich die Gemeinde nicht nur über den tiefen Steuerfuss definieren dürfe. Es sei für Feldbrunnen als reiche Gemeinde wichtig, sich solidarisch zu zeigen, vor allem gegenüber Institutionen, die von der Bevölkerung genutzt würden.

«Abschöpfung ist zu hoch»

Dass die Gemeinde durch die gesetzlichen Vorgaben aber bereits zu sehr viel Solidarität verpflichtet worden war, zeigten die Ausführungen von Urs Schweizer zur Rechnung. Der Ressortleiter Finanzen betonte, dass die Gemeinde hohe Beiträge in den Finanz- und Lastenausgleich zahle. «Wir haben letztes Jahr 957'000 Franken in den innerkantonalen Finanzausgleich gezahlt – also mehr als 900 Franken pro Einwohner.» Und das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht. Weitere Erhöhungen stünden bevor. Wenn sich durch die Debatte im Kantonsrat nichts ändere, werde die Gemeinde 2020 einen Betrag von 1,7 Millionen bezahlen müssen. «So fliessen mehr als 40 Prozent unserer gesamten Steuereinnahmen in den Finanzausgleich», erklärte Schweizer. Dagegen wehre man sich, denn dies sei auch dem Kanton nicht dienlich. «Wenn die Oasen ausgetrocknet werden, droht dem ganzen Kanton ein Verlust an Steuersubstrat», so Anita Panzer.

Bei einem Ertragsüberschuss von 70'000 Franken liegt die Rechnung 50'000 Franken über dem Budget. Erstmals seit längerer Zeit könne man aber keine zusätzlichen Abschreibungen vornehmen. Der Steuerertrag liegt deutlich tiefer als in den Vorjahren, umso grösser sei die Erleichterung, dass man bei noch unverändertem Steuerfuss dennoch eine positive Rechnung erhalte. Die bereits im Dezember beschlossene Steuerfusserhöhung von 65 auf 72 Prozent bei natürlichen Personen kommt erst in diesem Jahr zum Tragen. Die Rechnung wurde von den 41 Anwesenden diskussionslos und einstimmig genehmigt.