Eine so lange Traktandenliste habe er noch nie abarbeiten müssen, liess Bürgergemeindepräsident Paul J. Dietschy beinahe jeden der Ankommenden bei der Begrüssung wissen. Aber nicht die lange Liste, dafür die Wichtigkeit der Geschäfte wurde belohnt. 46 Stimmberechtigte füllten den viel zu kleinen Jugendraum im Kirchenzentrum.

Ein Geschäft ragte neben der Information zum Architekturwettbewerb Baufeld Feldstrasse hervor. Dabei beantragte der Bürgerrat die Aufhebung der bisher tragenden Kommissionen für den Forst und die Allmend. «Wir haben im Bürgerrat seit einiger Zeit das Ressortsystem eingeführt. Jeder der fünf Bürgerräte ist für einen Bereich verantwortlich», erklärte Dietschy das Geschäft. Die Kommissionen brauche es nicht mehr, wobei die Aufhebung der Forstkommission auch von der Kommission selber unterstützt werde. «Der Forst wird vom Forstbetrieb Lebern erledigt.»

Nicht einverstanden

Nicht einverstanden mit der Auflösung der Allmendkommission sei die Mehrheit von deren Mitglieder. Die drei Bauern in der Kommission wollten diese weiterführen, die zwei Nichtbauern hätten für die Auflösung gestimmt. Der Bürgerrat habe viele Gespräche mit der Allmendkommission geführt, konnte diese aber nicht umstimmen. Dennoch beantragt der Bürgerrat die Auflösung.

Toni Marti beantragte eine separate Abstimmung über die beiden Kommissionen, diese seien nicht vergleichbar. Während im Forst eine Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Lebern besteht, habe es in der Allmendkommission keine wesentliche Änderung in den letzten 15 Jahren gegeben. Die Versammlung stimmte der getrennten Abstimmung zu und beschloss mit klarer Mehrheit die Auflösung der Forstkommission.

Im Zusammenhang mit der Allmendkommission ergänzte Dietschy, dass der Bürgerrat eine Auflösung auch deshalb anstrebe, weil das Gesetz im Grunde eine Ausstandspflicht der Pächter in der Kommission bei der Verhandlung von Pachtverträgen verlange. Toni Marti, Mitglied der Allmendkommission, hielt dem entgegen, dass die Kommission gut funktioniere. Und: «Wenn wir Leute in der Gemeinde haben, die sich für die Gemeinde einsetzen wollen, sollte man dies nicht verhindern.» Eine Kommission garantiere eine breit abgestützte Meinungsbildung, kann als beratendes Gremium für den Ressortleiter fungieren und sowieso könnte man eine neue gemeinsame Kommission mit diversen Aufgaben ins Leben rufen.

Er beantragte Aufhebung der Allmendkommission und Einsetzung einer Flurkommission mit einem erweiterten Aufgabengebiet sowie eine geheime Abstimmung. Dazu wären die Stimmen von einem Fünftel der Anwesenden nötig gewesen, was aber nicht erreicht wurde. Die Allmendkommission wurde in der Folge mit 26 Ja-Stimmen gegen 8 Nein-Stimmen bei 5 Enthaltungen abgeschafft.

Baulücke wird gefüllt

Die Bürgergemeinde Rüttenen besitzt etwa 1,7 Quadratkilometer Wald. Aber der Wald bringt keinen Ertrag. Die Bürgergemeinde lebt von ihren Erträgen aus Mieterträgen und Pachtzinsen. 1960 besassen die Bürger noch 65'000 Quadratmeter Bauland, heute sind es noch 17'000. «Wir haben in den letzten 50 Jahren im Schnitt ein Grundstück mit 730 Quadratmeter Land abgegeben.» Dabei wurde mit der Zeit nicht mehr verkauft, sondern im Baurecht abgegeben. Aber in den letzten 6 Jahren wurde nichts mehr abgegeben, es galt ein Moratorium.

Heute will die Bürgergemeinde selber als Investor auftreten und Häuser bauen – und so ihre künftigen Einnahmen sichern. Das neuste Projekt betrifft die grosse Wiese mitten im Dorf zwischen Hauptstrasse und Feldstrasse. Der Bürgerrat hat einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben und eine externe Jury wählte unter den drei eingeladenen Büros aus.

Der Solothurner Architekt Jürg Stäuble durfte sein Gewinnerprojekt den Bürgern präsentieren. Der Vorschlag seines Büros (ssm architekten ag) sieht drei um einen Innenhof platzierte Bauten vor. An der Hauptstrasse steht ein dreistöckiger Bau mit 4 Wohnungen und Gemeinschaftsräumen im Parterre. Die drei übrigen Bauten sind zweistöckig. Ein Haus weist 3 Duplexwohnungen aus. Das dritte Gebäude ist im Winkel konzipiert und hat 8 Wohnungen.

Der Start zum Bau der Häuser, die sowohl in der Konstruktion als auch in der Fassade in Holz ausgeführt werden sollen, könne aber frühestens 2020 erfolgen, schätzte Dietschy. Denn den Bürgern sei geraten worden, verdichtet zu bauen, das heisst, die Häuser um ein Stockwerk zu erhöhen. Der entsprechende Planungsprozess in der Einwohnergemeinde brauche aber Zeit.