Wenn am Ende der dramatischen Darbietung der Darsteller des Otto Frank (Patrick Kappeler) am Bühnenrand steht und vom weiteren Schicksal der Versteckten im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht berichtet, wird das Publikum so ergriffen, dass ein Moment der Stille im Theatersaal herrscht. Dann setzt der lang anhaltende Applaus ein, um die schauspielerischen Leistungen der Darsteller zu würdigen.

Otto Frank, der einzige Überlebende, erinnerte sich an den Wunsch seiner Tochter, Schriftstellerin zu werden und veröffentlichte deren Tagebuch. Das Buch wurde zu einem weltweiten Bestseller.

Das New Yorker Ehepaar Albert Hackett (1900–1995) und Frances Goodrich (1890–1984), welches für ihre Filmdrehbücher mehrere Oscar-Nominationen erhielt, dramatisierte das Tagebuch. Obwohl sie damit recht frei umgingen, hat Otto Frank sie dafür autorisiert. Eine Aufführung wollte Frank jedoch nie sehen.

Hingegen liess er sich öfters auf dem Filmset blicken, als Hollywood das Broadway-Stück verfilmte. Ende der 50er-Jahre spielte praktisch jedes deutsche Theater das Werk.

Obwohl es seit vergangenem Sommer eine neue Bühnenfassung aus der Feder des niederländischen Schriftsteller-Ehepaares Leon de Winter und Jessica Durlacher gibt, hat sich das Teatro Mobile für die quasi klassische Fassung entschieden. Der kürzlich im Kino zu sehen gewesene Film basiert auf keiner Bühnenfassung, sondern direkt auf dem Tagebuch und hat deshalb andere Facetten in den Mittelpunkt gestellt.

Leben mit Einschränkungen

Mit vielen Details ist die Bühne in der Mausefalle ausgestattet, denn schliesslich lebten die Familien Frank und Van Daan und der Zahnarzt Dussel in einem kleinen Raum. Anne hielt die Geschehnisse in ihrem Tagebuch fest und so wird nachvollziehbar, was es heisst, während langer Zeit in einer kleinen Gruppe versteckt zu leben. Bei so viel Nähe kommt es unweigerlich zu Animositäten und Auseinandersetzungen.

Laurine Schmidt spielt die Anne Frank im Übergang vom Mädchen zu Frau in jeder Faser überzeugend und verbindet die einzelnen dramatischen Szenen mit Zitaten aus dem Tagebuch. Margot, die ältere und stillere Schwester, wird von Sophie Nyfeler adäquat gespielt.

Patrick Kappeler verleiht dem Zweckoptimismus ausstrahlenden Otto Frank Profil. Der eher versteckt leidenden Mutter Edith Frank wird Annina Kasser gerecht. Mehr Mühe mit dem eingeschränkten Leben hat das aristokratische Ehepaar Hermann und Petronella Van Daan, welches sich immer wieder in lautstarke Auseinandersetzungen verstrickt, was von Jörg Studer und Nadine Krieg passend dargestellt wird.

Ihr Sohn Peter (Benedek Kalotay) gibt mit seiner Zurückhaltung das Gegenstück zur eher impulsiven Anne. David Gnägi als Zahnarzt Dussel vermag der unsichtbaren Bedrohung Ausdruck zu verleihen. Miep Gies (Léonie Schütz) und Victor Kraler (Gregor Wild) haben das Versteck besorgt und kommen nachts mit Lebensmitteln und Informationen.

Für die Leitung und Regie zeichnen Johnny Sollberger und Christoph Stapfer verantwortlich und haben auch einen finalen Auftritt. Für die Lichtführung an die verschiedenen Schauplätze und die eingespielten Geräusche sorgen Sofia Mészaros und Alexander Stingelin. Obwohl man die Geschichte eigentlich kennt, vermag sie in dieser Inszenierung voll in ihren Bann zu ziehen.

Weitere Aufführungen: Theater Mausefalle, Zuchwil, Do–Sa, 28.–30. April, je 20 Uhr, So, 1. Mai, 17 Uhr, Fr/Sa, 6./7. Mai, je 20 Uhr.