Im «Frohsinn» wurde gestritten, dass sich die Balken bogen. Die Elektra Äusseres Wasseramt (EAW) machte im Gerichtsfall um den aufgeflogenen Hanfbauer eine schlechte Falle, sprich eine schlechte Presse. Nun war es am Vorstand, die Sache ins rechte Licht zu rücken. 237'891 Franken für illegal bezogenen Strom forderte die EAW anfänglich. Vor Gericht schrumpfte die Forderung auf 15'000 Franken.

Weil der Richter vor der Verhandlung diesen Punkt in einem Vergleich erledigte, kam die Sicht der EAW in dieser Sache vor Gericht nicht zur Sprache. Im Gegenteil wurde dem Energieversorger in einer Expertise – geliefert übrigens durch einen EAW-Genossenschafter – vorgeworfen, er habe eine klar überrissene Forderung gestellt. Die Expertise fand den Weg in die Medien, die Darstellung der EAW nicht. Dies holte Vorstandsmitglied Thomas Geiser an der ausserordentlichen Generalversammlung nach.

Illegal Strom abgezapft

Im Oktober 2013 registrierte die EAW einen sprunghaften Anstieg des Stromverbrauchs in einer Liegenschaft in ihrem Versorgungsgebiet. «Wir haben den Eigentümer informiert», sagte Thomas Geiser. Dort sei bis anhin der Stromverbrauch nicht aufgefallen, weil man den Strom nur einmal im Jahr ablas. «Der Eigentümer erklärte uns, er hätte einen Wasserschaden gehabt und deshalb stromfressende Entfeuchter eingesetzt. Wir glaubten ihm.»

Im Dezember 2014 wurde ein Jahresverbrauch von über 200'000 Kilowattstunden gemessen. «Wir informierten den Eigentümer im Januar 2015, erhielten aber keine Antwort.» Im März 2015 wurde von der Polizei die Hanfanlage in dieser Liegenschaft sichergestellt. Entdeckt wurde eine illegale Stromabzapfanlage. «Wir haben für die mögliche Deliktsumme bis 2012 zurückgeschaut und 237'000 Franken errechnet», so Geiser zu den 27 Anwesenden.

Den Betrag von 43'000 Franken für den legal bezogenen Strom im Jahr 2014 zahlte der Eigentümer der Liegenschaft bis Ende 2016 an die EAW. Zur möglichen Deliktsumme von 237'000 Franken für illegal bezogenen Strom begründet der Beschuldigte im November 2016, weshalb er niemals so viel Strom bezogen habe. «Dieser Einwand wurde aber von der Staatsanwaltschaft im Januar 2017 abgelehnt», erklärte Thomas Geiser den versammelten Genossenschaftern. Der Vorstand beharrte auf der Anzeige.

Auf Beweissuche

Gleichzeitig wurden aber die Aussagen des Beschuldigten und die Polizeiprotokolle analysiert. «Vor Gericht braucht es Beweise und nicht Schätzungen», so Thomas Geiser. Die EAW berechnete nochmals die Deliktsumme anhand der Netzverluste. Dazu verglich sie quartalsweise den Verbrauch der 32 Liegenschaften mit 65 Zählern in der Umgebung des Hanfbauers, die allesamt über den gleichen Trafo laufen.

Naturgemäss liege der Netzverlust bei 1 bis 2 Prozent. Im Zeitraum Oktober 2013 bis Dezember 2014 lag der Netzverlust bei 6,7 Prozent, in den letzten drei Monaten vor der Entdeckung der Hanfanlage bei über 25 Prozent. «Alles über 2 Prozent ist für uns Diebstahl», so Geiser. Die neue Deliktsumme betrug 14'123 Franken. «Mit dieser Summe gingen wir in die Verhandlung, in der der Richter einen Vergleich von 17'500 Franken, inklusive Zinskosten und Anwaltskosten, vorschlug, den beide Seiten unterzeichneten.» Daraufhin zog die EAW die Anzeige zurück.

Heftiger Streit

Erledigt war die Sache aber noch nicht. Nach den Ausführungen Geisers entluden sich die Emotionen. Dem Vorstand wurde der Vorwurf gemacht, mit einer utopischen Deliktsumme von 237'000 Franken wider besseres Wissen dem Hanfbauer arg zugesetzt zu haben. Diese Deliktsumme hätte ihn jahrelang hinter Gitter bringen können. Dementsprechend gross sei die psychische Belastung für den 34-jährigen Familienvater und Kleinunternehmer gewesen. «Er hat alles sofort zugegeben und ist dazu gestanden, dass es eine dumme Idee gewesen ist», so ein erregter Genossenschafter. Er schäme sich für diese Vorgehensweise des Vorstands.

Ein anderer Genossenschafter erklärte, dass der Hanfbauer selber Kinder habe und als Vorbild fahrlässig gehandelt habe. Er habe selber pubertierende Kinder, so der Redner, und auf solche Kinder habe es der Hanfbauer letztlich abgesehen. Er würde deshalb den Hanfbauer nicht mit Samtpfoten anfassen.