Kriegstetten

Überraschung von Gang zu Gang: Fünf Laien-Köchinnen kreieren Menü für die Gäste

Die Köchinnen richten den Hauptgang an. Urs Bucher (2. von links) hilft mit. zvg

Die Köchinnen richten den Hauptgang an. Urs Bucher (2. von links) hilft mit. zvg

Im Pisoni in Kriegstetten wird authentische Gastronomie zelebriert mit Laien-Köchinnen und deren Rezepten. Der Anlass «6-Sterne-Küche» war vollkommen ausgebucht.

In Tassen aus der Brockenstube, auf Holzscheiben stehend und von Holzstäbchen mit Häppchen flankiert, macht die orangefarbene Suppe richtig Appetit. Und neugierig. Kaum den ersten Löffel probiert, beginnen die Gäste schon zu rätseln: «Kürbis?» – «Ja, und Ingwer.» – «Was ist das Rote da?». Köchin Corinne Oberli-Use, die die Anwesenden über die Zutaten im Ungewissen gelassen hat, ist sichtlich amüsiert. Wie viel Kürbis sie verwendet habe, fragt endlich jemand. «Gar keinen», antwortet Oberli lächelnd. «Es sind Rüebli.»

Das heitere Zutaten-Raten ist nur ein Teil dieses Freitagabends im Pisoni-Keller in Kriegstetten. Inhaber Urs Bucher, sein Team und fünf Frauen haben zur «6-Sterne-Küche» geladen. 85 Leute sind gekommen, womit der Anlass ausgebucht ist. Angemeldet hätten sich doppelt so viele, so Bucher. Das Konzept, an dem seit drei Monaten gefeilt wurde: Fünf Frauen, die nicht beruflich, aber leidenschaftlich gerne kochen, servieren ein 5-Gang-Menü, wobei jede einen Gang kreiert.

Vor dem Hauptgang habe dann doch etwas Scheu bestanden, weshalb Bucher Mari Müller ins Boot geholt hat. Die Bäuerin aus Hüniken unterstütze ihn oft bei Caterings und habe sofort zugesagt. Unter einer Bedingung: «Ich koche meinen Suure Mocke!»

Kreativität trifft auf Tradition

Und so haben die anderen Frauen ihren Gang um das traditionelle Highlight herum geplant. Ja, sie seien nervös, lässt Moderator Niese Ochsenbein schon früh durchblicken und bittet zu Beginn um «spontanen» Applaus für die Köchinnen. Wie Denise Zeaiter am Rande erklärt, sei Müller die Einzige, die bereits für grosse Gruppen gekocht habe, die jüngeren Frauen befinden sich dagegen auf Neuland. Hie und da wird das sichtbar. Patzer werden von den Gästen aber grosszügig verziehen. Die Köchinnen haben sich schliesslich ins Zeug gelegt, sodass die Gäste von Gang zu Gang überrascht werden – sowohl geschmacklich als auch optisch.

Gestartet wird mit libanesischen Häppchen aus dem Hause Zeaiter. Auf Falafel, Halloumi und Co. folgen Oberlis kreative Rüebli-Suppe und Simone Ammanns Salatbouquet im Parmesankörbchen. Als die Salatteller abgeräumt werden, wird es Zeit für einen Blick hinter die Kulissen. In einer 5-Sterne-Küche würde hier hektisches Treiben herrschen, nicht so in der 6-Sterne-Küche. Bei Zeaiter, Oberli und Ammann ist die Nervosität verflogen. Auch Karin Baumgartner, deren Dessertteller zuletzt serviert wird, wirkt derzeit entspannt.

Müller, mit 74 Jahren die erfahrenste der fünf Köchinnen, steht am Herd, wo die Sauce auf ihren Auftritt wartet.

Seit 14 Uhr sei man in der Küche, sie selbst hat ihren Hauptgang aber vorbereitet, damit sie heute «den jungen Frauen» bei der Zubereitung helfen konnte. Eine willkommene Hilfe, sind sich Zeaiter und Baumgartner doch einig, dass neben der Menge die Logistik für sie die grösste Herausforderung darstellt. Müller liebt den Kontakt mit jungen Menschen («meine 19 Lehrtöchter sind mein ganzer Stolz!») und zu ihren Kolleginnen bildet sie den traditionellen Pol. «Ich koche wie eine Bäuerin, nicht wie eine Köchin», erklärt sie lachend. «Mir käme es nie in den Sinn, Kokosmilch in eine Suppe zu geben. Aber die jungen Leute kochen anders, da muss man sie machen lassen.» So sei auch für jeden Gast etwas dabei.

Nobelgastronomie in Gasthaus

Die Gästeschar besteht mehrheitlich aus Bekannten der Köchinnen. Die Stimmung erinnert daher eher an ein Gasthaus als an ein Nobelrestaurant. Für ihre Gerichte erhalten die Köchinnen jeweils anerkennenden Applaus. Zwischen den Gängen ist zudem genügend Zeit, sodass sich die Frauen jeweils zu ihren Gästen setzen, wo sie über Rezepte ausgefragt und für ihre Kochkünste gelobt werden. Zusätzliche Unterhaltung ist folglich nicht nötig.

Als Zückerli wird ein Wettbewerb durchgeführt, dessen Gewinnerin einen hausgemachten Kuchen von Mari Müller erhält. Ebenfalls süss, aber auch sauer und fruchtig endet das authentische Znacht, nämlich mit Muffin, eingelegten Orangen und Joghurtglace von Karin Baumgartner. Danach sind die Köchinnen endgültig und wortwörtlich auf den Geschmack gekommen, eine Fortsetzung könnten sie sich nämlich gut vorstellen. Bucher hingegen gibt sich geheimnisvoll und lässt die Option noch offen.

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