Nachtragskredit
Trotz Verzichtsplanung kostet Derendingen Mitte zwei Millionen mehr

Ein Nachtragskredit von 2,2 Mio. Franken für Derendingen Mitte wurde an der Gemeindeversammlung durchgewunken.

Hans Peter Schläfli
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Der riesige Neubau Derendingen Mitte – im Vordergrund der Teil für die Fremdmieter Polizei und EWD, in der Mitte die Turnhalle und hinten der Teil für die Schule – ist teilweise bereits in Betrieb genommen worden.

Der riesige Neubau Derendingen Mitte – im Vordergrund der Teil für die Fremdmieter Polizei und EWD, in der Mitte die Turnhalle und hinten der Teil für die Schule – ist teilweise bereits in Betrieb genommen worden.

Hanspeter Bärtschi

Sehr gute Lebensqualität kombiniert mit hohen Steuern. So sieht das aktuelle Bild von Derendingen aus, das an der Gemeindeversammlung gezeichnet wurde. In jeder Beziehung zentral war dabei der zukunftsweisende Neubau Derendingen Mitte, der diverse Funktionen erfüllt.

Die Derendinger Bevölkerung musste in den vergangenen Jahren leiden. Überall wurde gebaut. Nun lassen sich die Früchte der Anstrengungen ernten. Die Schule ist bereits vor einem Jahr in den Neubau Derendingen Mitte eingezogen und die Kinder sind begeistert. Der Kreisel auf dem Kreuzplatz ist fast fertig und die Staus gehören der Vergangenheit an.

Die Hauptstrasse ist soeben für den Verkehr geöffnet worden und es kehrt wieder Leben in Derendingens lange abgeschnittene Hauptschlagader mit den Läden ein. Zudem ist die Renaturierung der Emme – ein Projekt des Kantons – nun auch abgeschlossen, und die rund 6700 Einwohnerinnen und Einwohner erhalten ihr beliebtes Naherholungsgebiet zurück.

Erste Mieter sollen im Februar einziehen

«Die Lebensqualität ist wieder spitze, und das zeigt sich bereits in der Einwohnerzahl», sagte Gemeindepräsident Kuno Tschumi, als es um den Zusatzkredit von 2,2 Millionen Franken für Derendingen Mitte ging. «Im November sind über 30 Personen frisch nach Derendingen gezogen.» Wie versprochen seien die Steuern wegen Derendingen Mitte nicht erhöht worden. Doch der vor über sechs Jahren gesprochene Kredit von 36,5 Millionen Franken ist aufgebraucht. «Wir hatten die Kosten immer gut im Griff», sagte Gemeinderat Roger Siegenthaler.

Er sprach von einer erfolgreichen «Verzichtsplanung», man habe sich auf das Wesentliche beschränkt. Im Februar werden die Kantonspolizei und das EWD als Mieter einziehen. Deshalb solle nun der Innenausbau des ganzen Gebäudes abgeschlossen werden, also auch in den Reserveflächen, die ursprünglich im Edel-Rohausbau bleiben sollten.

Es soll auch eine Million Franken zurückfliessen

Markus Zürcher, Präsident der Finanzkommission und der Kommission für Gemeindeentwicklung ergänzte: «Wir geben nicht nur etwas mehr aus, wir bekommen auch viel mehr.» So gebe es in der Tiefgarage Ladestationen für elektrisch betriebene Fahrzeuge und die Brandschutzanlage werde dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Vom Kredit werde eine halbe Million als Subvention durch die Gebäudeversicherung zurückerstattet.

Die Kantonspolizei und die EWD als Mieter würden zusammen 440'000 Franken für den Innenausbau zahlen und danach werde auch ein höherer Mietertrag generiert, sagte Siegenthaler. Insgesamt fliesse schon bald rund die Hälfte dieses Kredites in die Gemeindekasse zurück. Angesichts der Einschränkungen wegen der Pandemie erschienen lediglich 28 Stimmberechtigte im Saalbau des Restaurants Bad. Mit 26 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Nachtragskredit genehmigt.

Budget rechnet mit Minus von 1,3 Mio. Franken

Die grossen Investitionen schlagen sich im Budget 2021 nieder. Bei einem Gesamtaufwand von gut 41 Millionen Franken ist ein Verlust von 1,3 Millionen Franken zu erwarten. Trotzdem wird der Steuersatz bei 128 Prozent für natürliche und 115 Prozent für juristische Personen belassen. Finanzverwalter Bruno Eberhard sagte, es sei sehr vorsichtig budgetiert worden. «Wegen der Unternehmenssteuerreform und der Coronakrise rechnen wir 2021 mit rund einer Million Franken weniger Steuereinnahmen.» Eberhard berichtete auch Positives: «Dank erfreulichen Mehreinnahmen bei den juristischen Personen dürfte die aktuelle Rechnung 2020 wohl mit einem Überschuss von 500'000 Franken abschliessen.

Die Nettoschuld pro Einwohner wird von 2863 Franken pro Einwohner im Jahr 2019 auf voraussichtlich gegen 3000 Franken Ende des nächsten Jahres ansteigen, was im kantonalen Vergleich einer hohen Verschuldung entspreche. Derendingen Mitte werde das Budget während der nächsten 33 Jahre jeweils mit einer Abschreibung von 1,1 Millionen Franken begleiten, sagte Bruno Eberhard zum Schluss. «Ab 2022 muss deshalb in Derendingen der Schuldenabbau auf dem Programm stehen.» Das Budget 2021 wurde diskussionslos und einstimmig genehmigt.

Solidarisch mit regionalen Institutionen

Als Erstes wurde an der Gemeindeversammlung der durch die Repla berechnete Kostenverteiler für die regionalen Institutionen, zum Beispiel Zentralbibliothek, Stadttheater oder Kunsteisbahn, einstimmig genehmigt. «Das Konzept hat sich in den ersten vier Jahren bewährt», sagte Gemeindevizepräsident Roger Spichiger. «Es geht um Solidarität. Wir nutzen diese Institutionen und sollten auch einen entsprechenden finanziellen Beitrag leisten.» Die gesprochenen 120'000 Franken pro Jahr bedeuten rund 19 Franken pro Person. (hps)