Bolken
Trotz toter Fische im Inkwilersee: Massnahmen beginnen zu greifen

Im September wurde im Inkwilersee plötzlich der Sauerstoff knapp. Obwohl Frischwasser zugeführt wurde, verendeten einige Fische. Dennoch kann gesagt werden: Die Sanierungsmassnahmen greifen.

Rahel Meier
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Idyllischer Inkwilersee: Aber für die darin lebenden Fische ist er nicht immer nur ein Paradies.

Idyllischer Inkwilersee: Aber für die darin lebenden Fische ist er nicht immer nur ein Paradies.

Rahel Meier

Im September verendeten rund 50 Fische im Inkwilersee. Zu einem grösseren Fischsterben kam es nicht, weil die Kantone Solothurn und Bern die Notmassnahmen einleiteten und unter anderem dem See Sauerstoff zuführten.

Der Grund ist für Philipp Staufer (Abteilungsleiter Wasser, Amt für Umwelt) schnell erklärt. «Die Tage sind kürzer geworden und damit sterben die Algen ab. Das heisst, dass weniger Algen bei einer weniger langen Sonnenscheindauer weniger Sauerstoff produzieren.

Gleichzeitig sinken die toten Algen zu Boden und zehren zusätzlich Sauerstoff auf.» Zudem war es im September relativ warm, was die Fische in aller Regel zusätzlich stresst. In der Zwischenzeit gehe es dem See und den Fischen den Umständen entsprechend gut. Die Sauerstoffkonzentration erhöhe sich. Dazu trage auch der Wind bei, der die Oberfläche des Sees bewegt.

Immer wieder Probleme

Im Inkwilersee gibt es immer wieder Probleme mit der Sauerstoffkonzentration und nachfolgend oft ein Fischsterben. Das hat unter anderem auch mit der schnellen Verlandung des Sees zu tun, der im Durchschnitt nur noch zwei Meter tief ist (tiefste Stelle 4,80 m) und dessen Volumen stetig abnimmt, sodass sich durch die gleichbleibende Belastung die Qualität des verbleibenden Wassers verschlechtert.

Ein verendeter Fisch (Archiv) Fischsterben am Inkwilersee. Rettungsrekrutenschul 75 aus Wangen a/A installiert zusaetzliche Wasserpumpen.

Ein verendeter Fisch (Archiv) Fischsterben am Inkwilersee. Rettungsrekrutenschul 75 aus Wangen a/A installiert zusaetzliche Wasserpumpen.

Jürg Rettenmund

Darum haben die Behörden im Jahr 2010 ein Sanierungskonzept erarbeitet. Das Sanierungsziel wurde unter Berücksichtigung der heute existierenden Nutzungen festgelegt. Insbesondere soll die landwirtschaftliche Bewirtschaftung im Seeeinzugsgebiet möglich bleiben.

Das Sanierungsziel lautet demnach: Die Verlandungsrate minimieren und damit die Lebensdauer des Inkwilersees maximieren sowie die standortheimische Flora und Fauna mit ihren besonders zu schützenden Arten erhalten und fördern. Im Sanierungskonzept steht zudem, dass sporadisch wetterbedingt auftretende Fischsterben trotz der Sanierungsmassnahmen auftreten können.

Vieles ist erledigt

Ein beachtlicher Teil der Sanierungsmassnahmen ist umgesetzt. So werden die Absetzbecken im Moosbächli alle 18 bis 24 Monate geputzt und unterhalten. Bewährt hat sich auch die Tiefenwasserableitung. Damit wird allerdings das Problem teilweise einfach verlagert, weil dann im Seebächli sauerstoffarmes Wasser wegfliesst. Im Herbst 2014 hat man zudem mit einem speziellen Bagger Sediment aus dem See abgesaugt.

Weitere Massnahmen, die ausserhalb der Kompetenz der kantonalen Behörden liegen, wurden in der Zwischenzeit ebenfalls umgesetzt. So wurden beispielsweise die Drainageleitungen auf dem Gemeindegebiet von Bolken geprüft, erneuert und die Einlaufschächte im bewirtschafteten Landwirtschaftsland verschlossen.

Ein Sandfang im Dägermoosbächli schützt den See zusätzlich. Im Rahmen der generellen Entwässerungsplanung haben die Gemeinden rund um den See zudem ihre Leitungen teilweise saniert oder verlegt, damit weniger häusliche Abwässer in den See gelangen. Weiter wurde der Bootshafen auf dem Gemeindegebiet von Inkwil verlegt.

Regelmässige Kontrollen

Tatsächlich wird die Situation im Inkwilersee täglich kontrolliert, wenn die meteorologische Situation so ist, dass es zu einem Abfall des Sauerstoffgehalts im See kommen könnte. So wurde Anfang September das Notfallszenario in Kraft gesetzt und Fische abgefischt. Dieses beinhalte auch, so Staufer, dass die Kantonspolizei informiert werde. «Ansonsten rücken sie mit einem Grossaufgebot aus, wenn ein Fischsterben gemeldet wird.»

Das Sanierungskonzept aus dem Jahr 2011 wurde vom Kantonsrat – mitsamt dem dafür nötigen Projektierungskredit von total 500'000 Franken – genehmigt. Hinzu kommen Beiträge vom Kanton Bern und den beteiligten Gemeinden. Noch wissen die Behörden nicht, ob der letzte Teil der Massnahmen ausgeführt wird. Es geht darum, den See tatsächlich auszubaggern.

Der Versuch mit dem Saugbagger wurde in der Zwischenzeit ausgewertet. «Auch wenn das Geld gesprochen ist, geben wir es nicht einfach aus, sondern klären zuerst nochmals fundiert ab, ob es sich auch tatsächlich lohnt», so Staufer.

Im Inkwilersee gebe es zwei Probleme. Das eine sei der Nährstoffeintrag und das andere der Partikeleintrag. «Der See wird seit Hunderten von Jahren vom Menschen geprägt.» Eine erneute Diskussion lohne sich deshalb.