Die Drittklässer aus Recherswil, Besucher des Mittagtisches, stossen an: «Wir müssen es geniessen, es ist das letzte Mal», sagen sie. Es sei super gewesen, man habe Freundschaften geschlossen, fein gegessen und viel gespielt, erklärt die achtjährige Enissa. «Es ist wirklich schade, dass es den Mittagstisch nicht mehr geben wird», fügt Andrin (9) hinzu. Auch den älteren Kindern fällt der Abschied schwer.

Die 13-jährige Leoni sagt, dass sie in Zukunft am Dienstag alleine kochen werde, das sei dann wahrscheinlich nicht so lecker wie das Essen am Mittagstisch. Romeo (12) ergänzt, dass er jeweils gerne am Dienstag gemeinsam mit seinen Freunden ass. «Das Essen und die Desserts waren immer super, danach konnte man spielen und mit den Freunden zusammen sein.»

Die Schulkinder aus Recherswil und Obergerlafingen konnten bisher dienstags am Mittagstisch in Recherswil essen. Vier Jahre lang wurde dieser von einer Gruppe aus rund 35 ehrenamtlichen Helfern organisiert. Gegessen wurde in den zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten der Gemeinde Recherswil. Am Dienstagmittag waren immer vier Betreuungspersonen vor Ort, die für rund 30 hungrige Personen (Kinder und Betreuer) kochten. Die Freiwilligen betreuten zudem die Kinder und räumten nach dem Essen alles wieder auf. Acht Franken kostete das Mittagsessen für die Kinder. Einen Verdienst gab es für das Mittagstischteam nicht, denn die Einnahmen deckten gerade so die Einkaufskosten.

Mehrere Gründe für Aufgabe

Nun ist Schluss. Die Freiwilligengruppe entschied sich, den Mittagstisch nicht mehr weiterzuführen. Einerseits «war es schwierig, die Helfer zu organisieren», sagt Annegret Rhiner vom Vorstand. Eigentlich sei ein grosser Helferbestand vorhanden, «aber wenn immer die gleichen einspringen müssen, ist es problematisch». Andererseits seien die Räumlichkeiten nicht mehr geeignet. Das Gemeindehaus wird umgebaut, und es stehen keine Hausaufgabenzimmer mehr zur Verfügung. Zudem sei die jetzt benutzte Zivilschutzküche weit vom Speisesaal entfernt. Ein weiterer Grund für die freiwillige Absetzung des Mittagstisches sei die rückläufige Anmeldungszahl.

In einem Rundschreiben informierte der Vorstand die Eltern, dass frühestens 2020 im Schulhaus Räumlichkeiten für einen Mittagstisch eingerichtet werden könnten. Aber eingebunden würden die Mittagstischfreiwilligen in die Schulraumplanung nicht.

Ungewisse Zukunft

Die Gemeinde zeige kein Interesse an einer Weiterführung des Mittagstisches, sagt Rhiner. Wahrscheinlich könne künftig auf freiwilliger Basis nichts Ähnliches auf die Beine gestellt werden. «So wie wir das jetzt hatten, spontan und unkompliziert, wird es nicht mehr sein.» Sie fühle sich von den Behörden nicht unterstützt, und von einer organisierten Tagesschule sei momentan auch nicht die Rede.

«Es war sehr harmonisch mit all diesen Frauen. Wir hatten grossen Spass, und es hat uns Freude bereitet», erzählte Walter Knellwolf vom Mittagstischteam. Die Kinder, die auf den Mittagstisch angewiesen waren (beispielsweise aufgrund auswärts erwerbstätigen Eltern), müssten sich jetzt neu organisieren. Ein paar Familien haben mit Nachbarn, Familienmitgliedern oder Freunden eine Lösung gefunden.

Andere werden den Mittagstisch «Für Jedermann» in Obergerlafingen nutzen. «Eine Mutter aus Obergerlafingen wird künftig zu Hause für einige Kinder kochen», sagt Rhiner.