Was lange währt, wird endlich gut. Sprüche in dieser Art kommen einem in den Sinn, steht man jetzt endlich in Nennigkofen-Lüsslingen am Aareufer vor der neuen Aarfähre, beobachtet, wie Leute die neue Fähre unter Anleitung von Fähri-Mann Simon Antener besteigen und sie dann gefahrlos und nur mittels Muskel- und Wasserkraft ans andere Ufer zum Inseli fahren. Dies geschah gestern Vormittag, nachdem Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, zur Fähre-Gotte ernannt, das neue Wassertransportmittel auf den Namen «Odd Fellow» getauft hatte.

Doch der Reihe nach: Rund 150 Gäste trafen sich gestern Morgen zur Fähre-Einweihung und Fähre-Taufe. Eingeladen hatte die Loge Odd Fellows Schweiz und deren Altherr der Berner Albrecht-Haller-Loge, Richard Mühlemann. Mühlemann hatte die Organisation dieses Anlasses übernommen, sowie so manche andere Hürde zur neuen Fähre genommen (s. Kasten). Das Wetter klärte sich zusehends auf, ebenso wie die Gesichter der Beteiligen. Allen voran die der Fähre-Besitzer Simon und Verena Antener. Als noch der Vertreter von Odd Fellows Schweiz, Peter Hänni, und der Gemeindepräsident von Nennigkofen-Lüsslingen, Herbert Schluep, bei kurzen Ansprachen ihrer Freude über den Anlass Ausdruck gaben, schien die Sonne schon heiss und es wurde gelacht.

Es war dann an Volkswirtschaftsdirektorin und Patin Esther Gassler, ein paar Worte an die Festgemeinde zu richten. Sie sei sehr stolz und glücklich, Gotte zu sein, betonte sie. «Besonders, weil Fähre-Taufen doch sehr selten vorkommen, besonders im Kanton Solothurn.» Zudem sei sie als Volkswirtschaftsdirektorin, die ja auch für die Landwirtschaft zuständig sei, geradezu prädestiniert für dieses Amt. «Bei der Fähre handelt es sich ja im weitesten Sinn um eine Hofzufahrt und das fällt in meinen Bereich.» Froh sei sie, dass nach einigem Hin und Her nun auch rechtlich alles in Ordnung sei, «denn als Regierungsrätin darf ich keine ‹Sans-Papiers› taufen». Die Aareinsel sei ein spezielles Bijou, ein Paradies, welches nun wieder für alle zugänglich sei. Sie dankte allen Beteiligten, die bei dieser speziellen Situation auch mit speziellen Lösungen mitgeholfen haben.

Dann war es so weit: Der eigentliche Taufakt – Champagnerflasche trifft auch Schiffswand und zerschmettert spektakulär – wurde angekündigt. Gassler schmiss die Flasche gegen die Fähre und sprach: «Ich taufe dich auf den Namen ‹Odd Fellow› – doch diese hielt stand. Ein zweiter Versuch also. Wieder nichts. Ein dritter – nochmals erfolglos. Da nahm der Altherr der Odd Fellows, Richard Mühlemann, die Sache beherzt in die Hand und zerschmetterte die Flasche ohne grosses Tamtam an einer Fähre-Kante. Geschafft! «Wie symbolträchtig», ist man versucht zu sagen. Bekam doch das «Fähre-Wunder» auch erst Oberwasser, als Mühlemann mit seiner Loge mit Finanzen und viel Organisationstalent die Sache in die Hand nahm. Simon Antener dankte dann allen, für die vielfältigen Unterstützungen, auch die vielen kleinen Spenden, die ihnen geholfen hätten.

Einweihung der neuen Aare-Fähre

Einweihung der neuen Antener Aare-Fähre

In drei Etappen, jeweils zu etwa vierzig Personen, wurden dann die Gäste aufs Inseli geführt. Dort gab es Speis und Trank, geboten von Familie Antener. Esther Gassler meinte im Gespräch dann nochmals: «Für mich war immer klar, dass ich Fähre-Gotte werden will. Einfach erst, wenn die rechtlichen Bedingungen erfüllt sind. Meine Zusage hat immer gegolten.»

Verena Antener unterstrich in einer Pause vom Risotto-Schöpfen: «Ich war in den vergangenen Tagen so kaputt, dass ich keine Probleme hatte, gut zu schlafen. Es soll auch nach der neuen Fähre weitergehen mit unserem Betrieb. Unsere Tochter Kathrin und unser Sohn Adrian möchten den Hof, mit den zusätzlichen Schwerpunkten Gastronomie und Obstbau, übernehmen. Speziell für die Gastronomie laufen schon entsprechende Gesuche. Doch wir wissen und haben erfahren: In Naturschutzgebiet, Uferschutzzone, Juraschutzzone und Grenchner Witi – unter all diesen Auflagen leben wir hier – ist es nicht so einfach, etwas Neues zu realisieren.»