Interpellation

Trotz Abgasen und Russ: Das Traktor-Pulling darf vorläufig bleiben

Die schwersten Traktoren, die in Etziken zugelassen werden, wiegen acht Tonnen.

Die schwersten Traktoren, die in Etziken zugelassen werden, wiegen acht Tonnen.

Im Kanton Luzern dürfte das Traktor-Pulling wohl schon bald verboten werden. In Kanton Solothurn darf es noch durchgeführt werden, auch wenn das Pulling Team Etziken dieses Jahr wegen Corona Pause macht.

Die Grünen des Kantons Solothurn haben eine Interpellation eingereicht und bitten den Regierungsrat, zu erklären, wie er zum Traktor-Pulling im Kanton Solothurn steht. «Nebst Lärmimmissionen und Parkierung auf Fruchtfolgeflächen, wie sie auch für andere Veranstaltungen, zum Beispiel Open Airs vorkommen, verursacht das Traktor-Pulling massive Immissionen im Bereich Abgase und Russ und Bodenbelastung», schreiben die Grünen in ihrer Interpellation. Sie beziehen sich dabei explizit auf den Anlass, der seit drei Jahren jeweils Mitte August in Etziken durchgeführt wird.

Patrick Baumgartner ist Präsident des Pulling Team Etziken. Er reagiert gelassen auf die Interpellation der Grünen. «Natürlich haben wir in den Medien auch schon gelesen, dass das Traktor-Pulling umstritten ist», meint er. «Zu Beginn waren wir etwas erstaunt. Vor allem auch, weil mit uns noch nie jemand ­direkt Kontakt aufgenommen hat.» Baumgartner ist zudem überzeugt, dass es Anlässe gibt, die weit umweltschädlicher seien als das Traktor-Pulling. Und fügt an: «Die schwersten Traktoren, die bei uns zugelassen werden, sind acht Tonnen schwer. Die heutigen modernen Erntemaschinen wiegen mit beinahe 40 Tonnen ein Vielfaches mehr.»

Das Pulling Team sät auf der Weide neu an

Das Traktor-Pulling werde zudem auf dem gleichen Grundstück durchgeführt, auf welchem jeweils rund drei Wochen vorher bereits das Open Air Etziken stattfinde. Das Land werde seit vielen Jahren vom gleichen Landwirt bewirtschaftet und ebenfalls seit vielen Jahren für das Open Air zur Verfügung gestellt. «Auf dem Land wächst Gras für das Vieh. Es wird dort kein Getreide oder Ähnliches angepflanzt.»

Der Verein Open Air Etziken und das Pulling Team Etziken vereinen seit Jahren freundschaftliche Bande. Sie helfen ­einander gegenseitig und sprechen sich auch ab, wenn es um das Gelände geht, das sie für ihre Anlässe nützen. So ist es Tradition, dass das Pulling Team nach dem Traktor-Pulling auf der Weide wieder neu ansät.

Eine andere Fläche würde nicht toleriert

Tatsächlich schreibt auch der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Interpellation der Grünen: «Der Traktor-Pulling-Anlass wird auf der gleichen Fläche durchgeführt, die auch vom Open Air Etziken genutzt wird. Da der Anlass bereits mehrfach stattgefunden hat und beim Rennen jeweils die gleiche Fläche befahren wird, wurde die Veranstaltung in den letzten Jahren toleriert. Falls dies so bleibt, soll der Anlass auch künftig toleriert werden. Ein Ausweichen auf eine andere Fläche würde nicht bewilligt.»

Der Regierungsrat zitiert in seiner Antwort zudem die Website der Schweizer Tractor-Pulling-Vereinigung (STPV) und schreibt: «Die Beschreibung der Sportart macht deutlich, dass Traktor-Pulling nicht ohne erhebliche Belastung der Umwelt – insbesondere des Bodens und der Luft – ausgeübt werden kann.» Mit begleitenden Massnahmen lasse sich die Belastung reduzieren.

Die grundlegenden Auswirkungen liessen sich aber nur dann massiv senken, wenn der Charakter der Veranstaltung vollständig verändert würde, oder solche Veranstaltungen auf Landwirtschaftsflächen grundsätzlich verboten würden.

Massnahmen zum Bodenschutz vorgesehen

Für die Bewilligung des Anlasses seien grundsätzlich das Bau- und Justizdepartement und die Standortgemeinde verantwortlich. Den Organisatoren des Anlasses seien die Auswirkungen auf den Boden bekannt und sie hätten in ihrem Grobkonzept auch Massnahmen zum Bodenschutz vorgesehen.

Der Regierungsrat nimmt auch Stellung zu den Emissionen. Diese seien grundsätzlich unerwünscht, ungesund und für Unbeteiligte ein Ärgernis. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass die Grenzwerte eingehalten würden.

Gestützt auf die aktuelle Gesetzgebung im Bereich Luftreinhalteverordnung, gebe es keine Möglichkeiten, die Emissionen weiter einzuschränken.

Meistgesehen

Artboard 1