Gerlafingen
Trainer für Pferd und Mensch: «Spass an der Arbeit sollten beide haben»

Gerlafinger Pferdetrainer Arnoud van der Sman löst Pferde- und auch Menschenprobleme. Nach einem Burnout vor zwölf Jahren schlug der gebürtige Holländer einen anderen Weg ein. Heute ist er ein gefragter Pferdekenner.

Daniela Deck
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Arnoud van der Sman bei der Ausbildung der 2-jährigen Araberstute Suhayla auf dem Sandmatthof in Feldbrunnen.

Arnoud van der Sman bei der Ausbildung der 2-jährigen Araberstute Suhayla auf dem Sandmatthof in Feldbrunnen.

Hanspeter Baertschi

Pferdebesitzer in der Schweiz und im grenznahen Ausland kennen seinen Namen, doch in der Region ist Arnoud van der Sman eher wenig bekannt. Der Pferdetrainer unterstützt die Vierbeiner und ihre Zweibeiner, wenn etwas nicht klappt. Dabei besitzt der Gerlafinger weder ein eigenes Pferd noch einen Reitstall.

«Berufsbedingt reise ich so viel, dass ich einem eigenen Pferd nicht gerecht werden könnte», sagt der gebürtige Holländer. Dass er einmal ein gefragter Pferdekenner sein würde, hätte er sich in den ersten vier Jahrzehnten seines Lebens nicht vorstellen können, obwohl er zum Entspannen gern reiten ging.

Der gelernte Maschinenbauingenieur und Ökonom machte Karriere – «bis hin zum Management einer international tätigen Firma», wie er erzählt. Als Troubleshooter überall auf der Welt sei ihm seine Dreisprachigkeit (holländisch, deutsch und englisch) zugutegekommen sowie die Auslanderfahrung schon als Kind.

Pferd bestimmt eingesetzte Methode

Vor ungefähr zwölf Jahren endete das Leben, wie Arnoud van der Sman es kannte, in einem Burnout. Nach mehrmonatiger totaler Erschöpfung war für ihn klar, dass es keine Rückkehr in die angestammte Branche geben würde. «Ich, der quasi mit beiden Beinen im Öl stand, musste erkennen, dass es so etwas wie einen sechsten Sinn im Leben gibt.»

Heute, nach der Ausbildung bei mehreren weltweit bekannten «Pferdegurus», wie etwa Monty Roberts, nutzt van der Sman diesen sechsten Sinn, um Probleme rund um Pferde zu lösen. Die Bezeichnung «Pferdeflüsterer» mag er nicht, er nennt sich Trainer für Mensch und Pferd. «An meiner Arbeit ist nichts Esoterisches», begründet er diese Vorliebe.

«Mir ist es wichtig, bei der Arbeit mit Pferden nicht nur eine Methode oder Lehrmeinung zu berücksichtigen. Bei mir steht das Pferd mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund, ihm passe ich mich an.» Dennoch: Sollte es je so weit kommen, dass er seine Memoiren schreibt, würden diese wohl zu 80 Prozent von Menschen, von Pferdebesitzern, handeln. Entsprechend wünscht sich van der Sman, die verschiedenen Reitstile – in der Schweiz sind vor allem klassische Reiterei und Western verbreitet – würden voneinander lernen. Persönlich verwendet er gern das Bild des Tanzens, um den gesunden Umgang mit Pferden zu illustrieren. «Einer muss führen und das ist der Mensch. Spass an der Arbeit sollen beide haben.»

Probleme vom Boden aus lösen

Ungefähr 1500 bis 2000 Pferde von über 50 Rassen, «vom Pony bis zum Kaltblüter und einige Esel und Maultiere», sind bis heute durch van der Smans Hände gegangen. Es sind kräftige Hände, die gelegentlich einmal Schrunden aufweisen können. So etwa nach Verbrennungen an einem Führseil, das ihm ein ängstliches Pferd beim Verladetraining aus der Hand gerissen hat. «Ich besitze unzählige Handschuhe und ziehe sie doch immer wieder aus, weil ich mit blossen Händen mehr fühle», sinniert er mit Blick auf die halb verheilten Schrammen.

Was man in seinen Händen nicht finde, seien Peitschen oder Reitgerten. «Damit will ich nicht sagen, dass diese Hilfsmittel grundsätzlich schlecht sind», betont van der Sman. «Zum Fahren ist eine Peitsche sogar sehr wichtig.» Um das Verständnis für diese Pferdedisziplin zu erhöhen, habe er vor einigen Jahren das Fahrbrevet gemacht. In den Sattel setze er sich nicht sehr häufig, hauptsächlich zur Ausbildung von jungen Pferden.

Pferdebesitzer ermutigen und Führungskräfte schulen

Arnoud van der Sman hat beruflich drei Standbeine: Stallbesuche zur Ausbildung junger Pferde und zum Beheben konkreter Probleme. Praktische Körpersprache und Bodernarbeitskurse und Refearate für Pferdebesitzer. Und schliesslich Führungs- und Persönlichkeitsseminare für Manager, ebenfalls mit Beteiligung von Pferde, indem sie die Wirkung von Menschen reflektieren. «Die Führungsseminare kann ich hauptsächlich deshalb machen, weil ich selbst im Top-Management tätig war. Ich habe erfahren, worauf es da ankommt», sagt er und dämpft damit Hoffnungen junger Tierfreunde, die sich eine Zukunft als Pferdetrainer vorstellen und ihn deshalb kontaktieren. «Ich rate jedem jungen Menschen, eine solide Ausbildung abseits des Stalls zu machen und die Pferdeleidenschaft als Hobby zu pflegen. Möglicherweise lässt sich das Hobby später zum Beruf ausbauen.» Doch Arnoud van der Sman ist überzeugt: «Nur wenig Pferdetrainer können jemals von dieser Tätigkeit leben.»

Verladen als häufigstes Problem

Arnoud van der Sman, der vollamtlich als Pferdetrainer arbeitet, hat mehrere Standbeine. Am meisten Zeit nehmen die Stallbesuche und dabei das Kurieren von Problemen beim Verladen in Anspruch. Daneben habe er es mit Beissern und Schlägern zu tun, mit Pferden, die steigen, traumatisiert sind, den Sattel ablehnen oder sich nicht von anderen Pferden trennen wollen.

Seine Tätigkeit hat ihn nicht nur eine Menge über Pferde gelehrt, sondern auch über Menschen. «Ich habe oft beobachtet, dass Frauen fast endlos Geduld haben mit Pferden. Aber wenn sie diese einmal verlieren, geht nichts mehr. Männer sind oft vorbildlich konsequent mit Pferden. Aber sie wissen nicht, wann sie aufhören sollen. Sie wiederholen eine gelungene Übung manchmal so lange, bis sie nicht mehr klappt», erzählt er und lacht.

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