Bevor die ersten Kinder am Morgen auf der Wiese neben dem Kulturhof Weyeneth in Nennigkofen auftauchen, ist es im mobilen Wohnareal des Theaterzirkus Wunderplunder noch ganz ruhig. Eine bunte Formation von Zirkuswagen reiht sich aneinander. Daneben steht ein kleines, blaugelbes Zelt, in dem die Nachwuchsartisten bald ihren grossen Auftritt haben werden. So wie viele andere auch, die in den vergangenen 30 Jahren bereits bei «Wunderplunder» Zirkusluft schnupperten.

Als die Kinder fröhlich eintrudeln, wird es schlagartig laut. Doch nicht für lange Zeit, denn sie verschwinden schnurstracks im Zirkuszelt. Dort stehen nämlich schon ein hungriger Bär und eine ängstliche Maus auf der Bühne. Maximilian und Henriette helfen sich gegenseitig aus der Patsche und gehen gemeinsam auf Rüeblijagd. Wenn während dieser Zirkusnummer ein Feuerwerk neben dem Zelt explodiert wäre, hätten es die Kinder wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Sie verfolgen die Vorführung derart angespannt, dass sie für einen Moment die Umgebung vergessen. Ziemlich sicher auch das eigene Lampenfieber.

Nach der Begrüssung wird das «Wunderplunder»-Lied gesungen, zu dem sich alle munter bewegen. «Mir si jez dra, lache und springe, tanze und singe (…). Häxezouber, grüeni Hase, Füür und Rouch und roti Nase, s’isch dr Zirkus füre Gwunder, s’isch dr Zirkus Wunderplunder». Und dann gehts ab zur Probe.

Viele Ideen der Kinder

Im Treppenhaus des Schulhauses toben sich die Jungartisten aus. Darunter befinden sich Pantomimen, Zauberer, Feuerspucker und Clowns. In einem Klassenzimmer versammeln sich vier Buben und vier Mädchen. Sobald ihre bunten Clownnasen sitzen, geht es auf eine abenteuerliche Reise in luftiger Höhe. Diese Zirkusnummer lebt mitunter von einem nicht sehr vertrauenswürdigen Piloten und Räubern in Streifenanzügen. Die Clowns erleben viel, das ist garantiert. Doch verraten wird an dieser Stelle noch nichts.

Ausgedacht haben sich die Kinder diese Geschichte selber. Ihre Gruppenleiterin, Simona Grossenbacher, hat sie bloss theatertauglich formuliert. Ähnlich läuft es auch bei den anderen neun Zirkusanimatoren. Sie studieren mit ihren Schützlingen Artistennummern ein, die von den Ideen der Kinder leben. Am Ende der Projektwoche werden diese als moderierte Vorstellung dem Publikum präsentiert.

Es sei das erste Mal, dass der Theaterzirkus Wunderplunder mit der Schule und dem Kindergarten von Nennigkofen-Lüsslingen zusammenarbeitet.

Schulleiter Martin Baumann ist vom Projekt absolut überzeugt: «Die Zirkuswelt ist für die Kinder sehr attraktiv. Sie konnten in dieser Woche vieles lernen und haben heute die Gelegenheit, dies den Zuschauern vorzuführen.»

Jung-Clownin Emilia aus Lüsslingen und ihre Kollegen müssen nun nicht mehr lange auf ihre Darbietung warten: «Für mich war von Anfang an klar, dass ich diese Woche eine Clownin sein möchte. Denn ich finde die so lustig», sagt sie noch während der Probe.

Was sie mit ihren Gspänli einstudiert hat, können Eltern und Interessierte heute um 14 und 19 Uhr im Theaterzelt auf dem Dornacker in Nennigkofen
sehen.