Den Stall ausmisten? Das machen wir genau gleich wie alle anderen», sagt Walter Emch und lacht. Abgesehen von der Stallarbeit geht es auf seiner Pferderanch Tatanka aber etwas anders zu und her als auf anderen Reiterhöfen. Er und Barbara, seine Frau, führen die Ranch in Lüterkofen nach der Ideologie des «Horsemanship». Damit sei die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd gemeint, erklärt Walter Emch. «Wir gehen auf die Bedürfnisse des Pferdes ein und kommunizieren mit ihm in seiner Sprache». Dazu gehört auch, dass man das Pferd weder vermenschlicht noch zu hart mit ihm ist. «Ein Pferd ist kein Sportgerät, sondern ein Lebewesen», präzisiert Barbara Emch. Schlussendlich ist das Ziel von Horsemanship, dass Pferd und Mensch zu echten Partnern werden und völliges Vertrauen zueinander haben.

Walter zeigt in einer anschliessenden kleinen Vorführung, wie Horsemanship aussehen kann. Ruhig führt er eines der Pferde auf den Übungsplatz. Ganz leise gibt er ein Kommando, worauf das Tier sofort reagiert: Langsam geht es rückwärts. Nach zwei weiteren Kommandos und darauffolgenden Drehungen ist das faszinierende Schauspiel beendet. Selbst ein Laie sieht sofort: Zwischen Emch und dem Pferd herrscht blindes Verständnis. Auch ohne Berührungen weiss das Tier genau, was Walter Emch von ihm will. «Ein Pferd braucht eine ganz einfache und klare Sprache. Sonst ist es schnell verwirrt», erklärt der Ranchleiter.

Horsemanship bedeute auch, dass man an sich selber arbeitet, sagt Barbara Emch. «Das betrifft die eigene Körpersprache und die eigene Einstellung zum Tier», ergänzt ihr Mann. Wer das erste Mal auf einem Pferd sitze, arbeite hauptsächlich mit der «Mechanik», erklärt er, «das heisst mit den Zügeln oder der Gerte». Erstrebenswert sei es aber, dass sich Reiter und Pferd auf andere Art verständigen können. «Das geht nur, wenn Vertrauen vorhanden ist».

Praktikantinnen packen mit an

Seit 16 Jahren betreiben die beiden die Tatanka-Ranch in Lüterkofen, wo momentan fünf eigene Pferde sowie fünf Pensionspferde leben. Aktuell packen auf der Ranch zwei Praktikantinnen aus dem Südtirol mit an. Die beiden haben die Tatanka-Ranch für einen Praktikumsplatz angefragt, da es in ihrer näheren Umgebung keinen Pferdehof gibt, der die Ideologie des Horsemanship vertritt. «Unsere bisherige Erfahrung mit den beiden Praktikantinnen ist sehr gut», sagt Barbara. Sie könne sich deshalb vorstellen, zukünftig vermehrt Praktikumsplätze anzubieten, um die Grundsätze des Horsemanship zu vermitteln.

Zum Horsemanship gekommen ist Walter Emch vor vielen Jahren, wie er sagt: «Mit meinem ersten Pferd hatte ich einige Schwierigkeiten. Es war nicht ausgebildet und nicht sozialisiert. Mit den Grundsätzen des Horsemanship habe er die Probleme mit seinem Pferd in den Griff bekommen. Das hat ihn so begeistert, dass er nicht mehr davon losgekommen ist.

Horsemanship könne schon fast zur Sucht werden, sagt Walter. «Als ich früher noch vermehrt an Westernturnieren teilgenommen habe, waren mir die Medaillen nie besonders wichtig.» Sein Ziel sei es immer gewesen, in der Arbeit mit seinem Pferd einen Schritt weiter zu kommen. Für ihn sei das mehr wert als jede Auszeichnung. Die Arbeit mit dem Pferd, die sei niemals abgeschlossen. Und sowieso: Um alles rund um das Thema Horsemanship zu verstehen, bräuchte man zwei Leben, sagt Walter Emch.