Langendorf
SVP-Ortspartei tritt zum ersten Mal zu den Gemeinderatswahlen an

Nicht gerade eine Revolution, aber doch etwas Aufruhr bringt die SVP als neue Partei in die Gemeinderatswahl von Langendorf.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Müssen die etablierten Parteien in der Gemeinderatswahl Federn lassen?

Müssen die etablierten Parteien in der Gemeinderatswahl Federn lassen?

Felix Gerber

In Langendorf sind neun Sitze zu vergeben. 2009 wie 2013 wählte die Bevölkerung konstant und verteilte die Sitze gleichmässig an die SP (4 Sitze), FDP (4) und an die CVP (1). Aktuell hat die SP keine Abgänge zu verzeichnen. Die FDP mit Andrea Kronenberg und Adrian Marti sowie die CVP mit Urs Bentz müssen auf bewährte Kräfte verzichten.

Für die in Langendorf starke Linke scheinen die Voraussetzungen gut. Der Gemeindepräsident kommt aus ihren Reihen und will eine weitere Legislatur leiten, was nicht bestritten ist. Alle vier bisherigen Sozialdemokraten treten erneut an. «Wir haben gute Chancen», ist denn auch das Verdikt des Parteipräsidenten Simon Schäfer. «Mit unseren erfahrenen Gemeinderäten sind wir gut aufgestellt.» Das Echo aus der Bevölkerung lasse ihn zuversichtlich auf die Gemeinderatswahl schauen.

Die Kandidatinnen und Kandidaten

SVP
Thomas Anderegg (1977, Account Manager)

SP
Hans-Peter Berger (bisher, 1963, Gemeindepräsident); Ivan Flury (bisher, 1955, Informatiker), Monika Roth Mock (bisher, 1974, Sozialpädagogin); Gisela Schultis (bisher, 1967, Projektleiterin); Urs Flück (1964, Webpublisher/PC-Fachmann)

FDP
Daniel Hürlimann (bisher, 1962, eidg. dipl. Betriebsfachmann); Patrick Suter (bisher, 1969, Elektroplaner eidg. FA); Benjamin Sigrist (1985, Abteilungsleiter); Barbara Obrecht Steiner (1975, Rechtsanwältin/Notarin); Christoph
Loser (1987, Polizist)

CVP
Stephania von Weissenfluh Balmer (1963, Geschäftsleiterin); Marko Juric (1989, Lehrer)

Der erstmalige Auftritt der SVP sei nicht eindeutig zu qualifizieren. «Ich bin mir nicht sicher, ob die SVP direkt mit einem Sitz rechnet oder erst mal einfach Präsenz markieren will.» In die Lücken, die die anderen Parteien mit demissionierenden Gemeinderäten hinterlassen, wolle die SP nicht Apriori springen. «In den letzten vier Jahren hatten wir eine repräsentative Vertretung der Bevölkerung im Gemeinderat. Unser Hauptziel ist ein breit abgestützter Gemeinderat und nicht, möglichst viele Sitze zu ergattern.» Langendorf sei eine ausgewogene Gemeinde mit Vertretungen von linker und bürgerlicher Seite im Gemeinderat.

Die Liste sei ein Zeichen für die Kontinuität in der Politik der Partei. Deshalb setze die SP auch auf die bewährten Kräfte. «Wenn sie weiterhin aktiv sein wollen, sollen sie die Arbeit, die sie angefangen haben auch weiterführen können», so die Meinung in der Partei, wie Parteipräsident Schäfer erklärt.

Schwierige Situation für CVP

Einen herben Verlust muss die CVP hinnehmen. Urs Bentz, der seit 1998 Mitglied des Gemeinderates ist, demissioniert. «Die Demission hat sich abgezeichnet. Er ist schon lange mit dabei. Aber er ist natürlich schwierig zu ersetzen.» Trotzdem ist Parteipräsident Stefan Neukom zuversichtlich, dass die CVP ihren Sitz verteidigen wird. Stephania von Weissenfluh Balmer, bisher Ersatz im Gemeinderat, sei eine Frau, die im Dorf bestens vernetzt und bekannt ist. «Ich bin mir sicher, dass die Bevölkerung die CVP weiterhin unterstützen wird», so Neukom. Auch er will sich im Zusammenhang mit dem ersten Auftritt der SVP nicht festlegen. «Ich bin
gespannt, wie gross die Resonanz in der Bevölkerung ist.» Als bürgerliche Partei sei die SVP aber klar eine Konkurrenz
der CVP.

Konkurrenz von rechts

Der Aderlass bei der FDP ist gross, oder doch nicht? «Wir wollen unsere vier Sitze halten», erklärt FDP-Ortsparteipräsident Patrick Suter. Die Chancen mit der FDP-Liste stünden nicht schlecht. «Klar haben wir zwei Abgänge, aber wir haben auch zwei neue Kandidaten gefunden, die die Abgänge eins zu eins kompensieren können.» Der Auftritt der SVP bereite auch ihm etwas Kopfzerbrechen. «Das könnte gefährlich werden. Aber man musste damit rechnen, dass die SVP früher oder später antreten wird.» Am ehesten könnte es die CVP oder seine FDP mit einem Sitzverlust treffen.

Geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden sei eine Herausforderung. Vor vier Jahren trat die FDP mit sieben Personen an. Heuer sind es fünf. Die Bisherigen sowie die neue Kandidatin sind auf der Liste doppelt aufgeführt.

«Wir sind keine Polteri»

Bleibt die SVP. Die neu gegründete Ortspartei in Langendorf will natürlich auch in den Gemeinderat. «Wir vertreten einen Teil der Bevölkerung, der bisher in der offiziellen Dorfpolitik gefehlt hat», erklärt Thomas Anderegg. Es sei nun aber nicht so, dass das Ruder herumgerissen werden müsse, weil bisher alles schlecht gelaufen sei. «Die alten Parteien haben ihren Job gut gemacht.» Nun erhalte aber ein Viertel bis ein Drittel der Dorfbevölkerung auch eine Partei. Seine Schätzung beziehe er auf den SVP-Stimmenanteil in der nationalen Politik. «Die SVP Langendorf orientiert sich aber nicht am Zürcher SVP-Flügel.» Er setze auf eine eigene Meinung und nicht auf einen Polteri-Stil. Weitere SVP-Anhänger hätten sich nicht exponieren wollen, erklärt Anderegg die magere SVP-Liste mit nur seinem Namen drauf. «Sollten wir Stimmen für mehr Sitze holen, finde ich schon noch Interessierte.»

Aktuelle Nachrichten