Subingen
Zuerst soll Ruhe ins Kontiki einkehren - erst dann kommt die Diskussion, wohin der Weg in der Zukunft führen soll

Seit Januar hat das Wohnheim Kontiki in Subingen mit Laszlo Polgar einen neuen Geschäftsführer. Nach dem Umzug in den Neubau pendeln sich Leben und Arbeitsalltag langsam ein.

Rahel Meier
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Für den Fototermin kurz die Maske ausgezogen: Laszlo Polgar im Neubau des "Kontiki".

Für den Fototermin kurz die Maske ausgezogen: Laszlo Polgar im Neubau des "Kontiki".

Hanspeter Bärtschi

Am 4. Januar hat Laszlo Polgar seine neue Stelle im «Kontiki», dem Wohnheim für geistig und körperlich beeinträchtigte Erwachsene in Subingen, angetreten. Er bezeichnet sich selbst als «Geschäftsführer», nicht als Heimleiter.

Tatsächlich kommt er ursprünglich beruflich aus einem komplett anderen Umfeld. Er war jahrzehntelang im Strafvollzug tätig. Nach einer beruflichen Auszeit hat er sich neu orientiert und suchte bewusst nach einer Stelle im Heimbereich. «Dass ich nun für und mit beeinträchtigten Menschen arbeiten darf, macht mir Freude», erklärt er. Und sagt: «Ich bin hier sehr wohlwollend aufgenommen worden.»

Ein turbulentes Jahr

Für das «Kontiki», die Mitarbeitenden und die Bewohner war das letzte Jahr kein einfaches. Nach dem Abgang des bisherigen Geschäftsführers übernahm Philipp Bühler (Bereichsleiter Wohnen) ad interim die Geschäftsführung. Die Geschäftsleitungsmitglieder Roland Roth (Bereichsleiter Tagesstätte), Denise Tanner (Bereichsleiterin Hotellerie) und Margot Winkelhausen (Bereichsleiterin Finanzen und Administration) haben ihn neben ihren Aufgaben dabei unterstützt.

Kernstück sind die Werkstätten

Dazu kamen die Einschränkungen durch das Coronavirus und der Umzug in den Neubau. Das erste Ziel von Laszlo Polgar ist es darum «Ruhe in den Betrieb zu bringen und die Konsolidierungsphase einzuläuten.» Erst später werde man sich Gedanken darüber machen, wohin die Reise weitergehen soll.

Das Kernstück des Neubaus, der ab Anfang November bezogen wurde, sind sicher die Werkstätten im Erdgeschoss. In diesen werden niederschwellige Beschäftigungsplätze angeboten, die grösstenteils von den Bewohnerinnen und Bewohnern des «Kontiki» belegt werden. Es gibt aber auch Auswärtige, die beschäftigt werden.

Trennung zwischen Arbeit und Wohnen

«In unseren Werkstätten geht es vor allem darum, den Bewohnern eine sinnvolle Alltagsgestaltung zu ermöglichen. Sie müssen aber keine Leistung bringen, wie das bei einem geschützten Arbeitsplatz die Regel ist», erklärt Roland Roth. «Es ist ein Quantensprung, wenn man die alten Werkstätten mit den neuen Werkstätten vergleicht.»

Auf den ersten Blick fällt auf, dass es viel mehr Platz hat und sich so auch die Bewohner, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, besser bewegen können. Zudem sind die neuen Räumlichkeiten sehr hell und die Infrastruktur ist modern und auf dem neusten Stand. «Arbeitsplatz und Wohnbereich sind dank des Neubaus nun klar getrennt, obwohl es nur wenige Meter sind. Auch für unsere Bewohner ist das wichtig.»

Selbstständiges Leben ermöglichen

Im Obergeschoss wurden vier Einzel-Studios eingebaut. Sie sind für Bewohner gedacht, die sich gerne zurückziehen, möglichst selbstständig leben möchten und darum nur wenig Unterstützung brauchen.

Auf der selben Etage befindet sich zudem eine 4-er-Wohngruppe, die sich an Bewohnende richtet, welche gerne in einer Wohngemeinschaft leben und sich im lebenspraktischen und sozialen Bereich weiterentwickelen wollen. Sie kaufen gemeinsam ein, kochen zusammen und werden nur dann unterstützt, wenn dies nötig ist.

Wegen des Coronavirus mussten alle nach der Züglete miteinander in Quarantäne. «Das Kennenlernen war deshalb etwas anders, aber sie haben sich alle gut eingewöhnt», meint Bühler. Im Hauptgebäude konnten ebenfalls zwei zusätzliche Wohnplätze eingerichtet werden. «Wir haben deshalb nun zehn Bewohner mehr.»

Baden tut den Bewohnern gut

Im Untergeschoss wurde ein Hallenbad eingerichtet. Dieses wird von den Bewohnern mit Freunden genützt. Dazu gibt es Therapieräume, einen Bewegungs- und Musikraum und den Snoezele-Raum – ein Raum, in dem man sich unter anderem dank speziellen Licht- und Aromaeffekten entspannen kann.

Das Personal freut sich über einen neuen Pausenraum, zusätzliche Sitzungsräume und mehr Lagermöglichkeiten. Am Entstehen ist zudem auch ein umzäunter Sinnesgarten zwischen Alt- und Neubau.

Lebensqualität hat sich verbessert

«Der Umzug ging sehr gut über die Bühne. Alle Bewohner hatten Freude, dass der Neubau bezogen werden kann», meint Bühler. Einig sind sich Bühler, Roth, Tanner und Polgar in zudem einem: «Mit dem Neubau hat sich die Lebensqualität der Bewohner verbessert. Wir können ihnen und ihren Bedürfnissen nun auch besser gerecht werden.»

Der Alltag hat sich im «Kontiki» aber nicht nur wegen des Neubaus verändert. So nehmen die Bewohner die Mahlzeiten in der Zwischenzeit nicht mehr gemeinsam im grossen Speisesaal im Erdgeschoss, sondern in den Wohngruppen ein.

Auch in den Werkstätten gibt es zurzeit keine Durchmischung der Wohngruppen. «Die eine oder der andere kann deshalb zurzeit nicht an seinem Lieblingsarbeitsplatz werken. Alles in allem haben unsere Bewohner die Massnahmen wegen des Coronavirus aber gut verstanden», meint Roth.

Solidarität ist spürbar

Spenden sind auch weiterhin willkommen

Laszlo Polgar zeigt sich sehr beeindruckt von der Solidarität mit dem «Kontiki». Für den Neubau wurden bisher 4,005 Mio. Franken gesammelt. Die Spenden kamen von Stiftungen, Institutionen, Firmen, aber auch von vielen Privatpersonen aus der Region. «Nur dank diesen Spenden konnte der Neubau überhaupt realisiert werden.»

Spenden seien aber auch künftig wichtig, so Polgar. «Die Spendenaktion für den Neubau ist eine spezielle Geschichte.» Im «Kontiki» werden aber auch häufig Freizeit- und Ferienangebote für die Bewohnerinnen und Bewohner durch Spenden ermöglicht. «Nur mit den Taxen alleine können wir nicht alles ­finanzieren», so der neue Geschäftsführer.