Stromnetz
Lüsslingen-Nennigkofen: Wechsel zur Regio Energie bringt günstigere Strompreise

Die Gemeindeversammlung Lüsslingen-Nennigkofen beschliesst über die Pacht des Stromnetzes im Dorfteil Lüsslingen. Die Regio Energie löst künftig die AEK ab.

Urs Byland
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Einladungsbroschüre zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung Lüsslingen-Nennigkofen.

Einladungsbroschüre zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung Lüsslingen-Nennigkofen.

Urs Byland

Zwei Geschäfte wurden an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Lüsslingen-Nennigkofen in der Mehrzweckhalle entschieden. Einerseits die Pachtvergabe des Elektrizitätsversorgungsnetzes Ortsteil Lüsslingen andererseits die Spezialfinanzierung und das Reglement für den Wärmeverbund.

Gemeinderat Ramon Mullis erläuterte den 27 anwesenden Stimmberechtigten die Vorarbeiten für den angestrebten Wechsel des Stromnetz-Pächters für die Energieversorgung im Ortsteil Lüsslingen auf den 1. Januar 2022. Die erste Ausschreibung aus dem Jahr 2019 konnte aus rechtlichen Gründen nicht umgesetzt werden.

Vorgeschichte

Im Zuge des Submissionsverfahrens 2019 erhob die AEK Energie AG gegen einen Gemeinderatsbeschluss Beschwerde. Das folgende Verfahren führte bis vor Bundesgericht und endete damit, dass das Bundesgericht, wie alle vorherigen Instanzen auch, nicht auf die Beschwerde eintrat. Da sich die Verhältnisse in den Jahren seit Beginn des Beschwerdeverfahrens verändert haben und die damals eingereichten Offerten längst keine Gültigkeit mehr hatten, brach der Gemeinderat dieses alte, nicht abgeschlossene Submissionsverfahren offiziell ab und informierte alle am Verfahren beteiligten Anbieter mittels einer Verfügung über diesen Schritt. Keiner der Anbieter habe dazu einen Einwand ­gehabt und der Gemeinderat entschloss sich, ein neues Submissionsverfahren in Angriff genommen werden. (uby)

Eine Arbeitsgruppe mit externer Beratung hat vier Kriterien für die erneute Ausschreibung erarbeitet. Dazu gehören die Kosten, die bei der Bewertung mit 65 Prozenten am stärksten ins Gewicht fielen, die betriebswirtschaftlichen Grundlagen (15%), die Versorgungssicherheit (10%) sowie weitere Aspekte (10%). Im Einladungsverfahren wurden vier Firmen um eine Offerte gebeten. Zwei verzichteten auf eine Offerte (darunter die bisherige Pächterin AEK). Offerten gingen ein von der Regio Energie Solothurn und von Elektra Jegenstorf.

Im Vergleich waren die beiden Offerten bis auf die Kosten gleichwertig. Regio Energie obsiegte mit 98 von 100 möglichen Punkten. Elektra Jegenstorf kam auf 92 Punkte. Die jährliche Pachtentschädigung ist bei Elektra Jegenstorf (153000 Franken) und Regio Energie (161000 Franken) ähnlich hoch. Stark ins Gewicht fielen die höhere Einspeisevergütung der Regio aus Fotovoltaikanlagen sowie die Mitgift in Form einer Schnellladestation, die nach Ablauf des Vertrages in drei Jahren (mit möglicher Verlängerung um zwei Jahre) der Gemeinde gehören wird.

Da halfen die leicht günstigeren Tarife der Elektra Jegenstorf nicht mehr. Grundsätzlich würden die Energiebezüge aber gegenüber der heutigen Pachtlösung auf jeden Fall kostengünstiger ausfallen.

In der Diskussion stellte sich heraus, dass der Unterhalt der Schnellladestation die Gemeinde wenig kosten soll. Die stärkste Unterstützung für den Antrag des Gemeinderats kam aus den Reihen der Genossenschaft Elektra Nennigkofen, die die Stromversorgung im Dorfteil Nennigkofen sicherstellt. Deren Präsident Hans Leuenberger möchte am liebsten die Stromversorgung der beiden Dorfteile vereinen.

«Die Vorschriften werden immer mannigfaltiger, und wir haben ein Nachfolgeproblem.»

Die Genossenschaft werde inzwischen vor allem von Pensionären geführt. Die Genossenschaft könne dem Wechsel zur Region Energie zustimmen. In der Abstimmung befürworteten 20 Personen den Wechsel, fünf stimmten dagegen und zwei enthielten sich.

Freiwillige Spezialfinanzierung für den Wärmeverbund

Das Geschäft zum Wärmeverbund Mehrzweckhalle wurde von Gemeindepräsidentin Susanne Rufer vorgestellt. 2019, beim Ersatz der Ölheizung durch eine Pellet-Heizung, wurde der Anschluss weiterer auch privater Gebäude an den bereits bestehenden Wärmeverbund ermöglicht. Der nun bestehende Verbund soll in einer Spezialfinanzierung abgerechnet werden.

So lasse sich leicht ablesen, ob der Betrieb selbsttragend sei oder ob Korrekturmassnahmen nötig seien. Die Gemeinde werde für ihre angeschlossenen Gebäude (Mehrzweckhalle, Feuerwehrmagazin, Schulhaus Lüsslingen und Pfarrscheune) selber Rechnung stellen. Das nötige Reglement sowie die Einführung einer neuen, freiwilligen Spezialfinanzierung wurden einstimmig genehmigt.

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