Vor einigen Tagen waren die Mitglieder der Stiftung Schauenburg Selzach-Lommiswil zu einer Generalversammlung eingeladen. Auf der Traktandenliste stand einzig die Liquidation der Stiftung. Nur, welchen Zweck hat die Stiftung, deren Name an das Restaurant Schauenburg erinnert, das 1735 oben auf dem Berg unterhalb der Hasenmatt erstellt wurde. Im Stiftungsverzeichnis wird als Zweck der Stiftung einzig angegeben: «Stiftung zugunsten der nach Herkommen berechtigten Mitglieder der Schauenburgberggemeinde».

Roland Flury aus Selzach, dessen Adresse in Selzach auch die Stiftungsadresse ist, kann den Zweck der Stiftung erläutern. Gegründet wurde diese am 19. November 1927. «Aber verkauft wurde das Restaurant Schauenburg noch viel früher», so Flury. Drei Männer der Geschlechter Flury, Kocher und Brotschi gründeten die Stiftung, deren Zweck es war, die Zinsen des Erlöses von 35'000 Franken aus dem Verkauf ihnen und ihren Nachkommen auszuschütten. «Damals war das viel Geld.» Wer von den Zinsen etwas erhält, wird auf einer Liste aufgeführt. «Nicht alle sind berechtigt.»

Damals waren die Zinsen hoch und die Berechtigten wenige. Heute stehen auf der Liste über 100 Namen, und Roland Flury hat grösste Mühe, die Übersicht zu behalten. «Wer lebt noch und stimmen die Adressen? Ich weiss es nicht.»

Doch das ist nicht der Grund für die Auflösung der Stiftung. «Seit bald zehn Jahren schreiben wir ein Minus.» Die Zinserträge sind geringer geworden und die Gebühren gestiegen. So koste die Stiftungsaufsicht «zu viel». «Wir schreiben Jahr für Jahr ein Minus von 300 bis 500 Franken.» In den besten Jahren betrug das Kapital bis zu 55'000 Franken, denn nicht alle Berechtigten hatten jeweils ihren Zinsanteil abgeholt. «Letztes Jahr haben wir nun beschlossen, die Stiftung aufzulösen.» Es fehle auch der Nachwuchs, der für die Stiftung aktiv sein will. Die Stiftungsaufsicht habe die Zusage gegen, dass die Stiftung aufgelöst werden darf. «Wir haben nun an der Generalversammlung darüber entschieden.»

Von der Auflösung werden aber die Nachkommen der drei Geschlechter nicht profitieren. «Wir dürfen das Stiftungskapital nicht für uns verwenden.» Das Stiftungsgeld wird zweckgebunden weitergegeben. «Wir haben uns geeinigt, das Kapital der Berghilfe zur Verfügung zu stellen. Etwas mit dem Berg sollte es sein.» (uby)