Gerlafingen

Steuerstrategie für leere Gewerbeflächen: Versammlung genehmigt Steuersenkung

Der lange Neubau an der Obergerlafingenstrasse,  in der Nähe des Dorfzentrums, hat im Parterre etliche neue  Dienstleistungs- und Gewerbeflächen.

Der lange Neubau an der Obergerlafingenstrasse, in der Nähe des Dorfzentrums, hat im Parterre etliche neue Dienstleistungs- und Gewerbeflächen.

Gemeindeversammlung Gerlafingen unterstützt den Gemeinderat und genehmigt massive Steuersenkung für juristische Personen.

Die Gemeindeversammlung stehe unter einem guten Stern, begrüsste eingangs Gemeindepräsident Philipp Heri die 38 anwesenden Stimmberechtigten. Es sollten sich im Laufe der Versammlung noch etliche dazugesellen. Offenbar hatte der frühe Zeitpunkt um 19 Uhr für Verwirrung gesorgt. Am Ende besuchten 51 Gerlafingerinnen und Gerlafinger die Versammlung. Heri vermutete, dass die anbegehrte Steuersenkung den ansehnlichen Aufmarsch provozierte.

Krankheitshalber musste Gemeindeverwalterin Katalin Kulscar passen. Deshalb erläuterte Stephan Baschung, Präsident der Finanzkommission, das Budget 2020. «Dürfen wir die Steuern senken», hätten nicht nur die Finanzkommission und der Gemeinderat diskutiert. Er habe auch beim Kanton nachgefragt. «Wir dürfen den Betrag aus dem Finanz- und Lastenausgleich verwenden, wie wir wollen. Da gibt es keinen Zwang.» Die Zahlungen aus dem Finanzausgleich sind aufgrund der schwachen Steuerkraft der Gerlafinger Bevölkerung in den letzten drei Jahren immer höher ausgefallen: In der Rechnung 2017 waren es 3,73 Mio. Franken, 2018 dann 4,13 Mio. Franken, im Budget 2019 sind 4,53 Mio. Franken vorgesehen und 2020 sollen 4,82 Mio. Franken ausgeschüttet werden.

Kleines Opfer soll das Wachstum befeuern

Das trotz Steuersenkung positive Ergebnis von 115'600 Franken des Budgets werde grossmehrheitlich durch die Dynamik des kantonalen Zustupfs ermöglicht, waren sich alle einig. Die natürlichen Personen werden um 5 Prozente entlastet (neu 125 Steuerprozente) und die juristischen Personen gleich um 25 Steuerprozente (neu 105).

«Die Steuersenkung für Gewerbe und Industrie sieht zwar massiv aus, trifft unseren Finanzhaushalt aber nicht stark. Es handelt sich um 75'000 Franken, die wir weniger einnehmen», erklärte der Gemeindepräsident. Die Steuersenkung sei aber nicht ein Weihnachtsgeschenk, sondern diene einem strategischen Ziel. Einerseits soll der Steuerfuss potenzielle Zuzüger nicht länger davon abhalten, Gerlafingen zum Wohnort zu machen. Andererseits: «Es wird viel gebaut, und wir haben viele neue Gewerbeflächen.» Gerlafingen senke die Steuern, damit es mit dem Wachstum vorwärtsgehe. Insbesondere sei Gerlafingen beim Steuersatz für juristische Personen nun auf dem gleichen Level wie die Nachbargemeinde Obergerlafingen. Flankierend habe man im Gemeinderat zusätzliche 50'000 Franken für die Standortförderung gesprochen.

Die Anwesenden bedankten sich einstimmig für das «Weihnachtsgeschenk». Sie genehmigten ein im Umsatz stark reduziertes Budget. Mit dem Zusammenschluss zur gemeinsamen Sozialregion Wasseramt, wo Derendingen die Leitgemeinde sein wird, verringert sich das Budgetvolumen um 10,5 Mio. Franken.

Neue Berechnung trifft Nachbargemeinden

Eine Verbesserung erfährt die Gemeindekasse durch eine neue Verrechnung der Liegenschaftskosten der Kreisoberstufe Recherswil-Obergerlafingen-Gerlafingen. Schon seit längerer Zeit will der Gemeinderat die Kosten neu berechnen, weil man der Ansicht ist, dass den anderen Gemeinden zu wenig verrechnet wird.

Mit Abschluss des Rochade-Projekts sah man den Zeitpunkt gekommen. Denn die Oberstufe hatte nun ein Schulhaus nur für sich. Unter Mitarbeit aller Gemeinden wurden Kosten und Verteilung neu berechnet. Brutto erhöhen sich die Kosten von 650'000 auf 1,1 Mio. Franken. Der Anteil von Recherswil und Obergerlafingen wächst um rund 150'000 Franken. Die Versammlung genehmigt den entsprechenden Antrag einstimmig.

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