Zuchwil geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Erstmals seit 1996 verfügt die Gemeinde wieder über ein Pro-Kopf-Vermögen. Dieses beträgt neu 174 Franken pro Person. Einem Aufwand von 57 Mio. Franken steht in der Rechnung 2018 ein Ertrag von 71 Mio. Franken gegenüber. Somit kann die Gemeinde einen Ertragsüberschuss von 13,8 Mio. Franken verbuchen. Nach zusätzlichen Abschreibungen von 5,2 Mio. Franken präsentiert sich das Ergebnis der Erfolgsrechnung noch immer mit einem Plus von 8,58 Mio. Franken. Budgetiert worden war ein Ertragsüberschuss von rund 444 000 Franken. «In diesem Sinne denke ich, dass wir die Korken knallen lassen können», sagt Michael Marti, Leiter Finanzen und Einwohnerdienste, gut gelaunt. Ohne zusätzliche Wertberichtigungen wäre das Ergebnis sogar noch besser ausgefallen. In die Revision ging Marti zunächst mit 14,8 Mio. Franken.

Gegenüber dem Budget 2018 weisen die Steuern Mehreinnahmen von 5,3 Mio. Franken auf. So konnten bei den natürlichen Personen zusätzliche 1,1 Mio. Franken generiert werden, wovon allein 0,9 Mio. Franken auf Quellensteuern entfallen sind. Weitere 700 000 Franken sind auf eine einmalige Grundstückgewinnsteuer zurückzuführen.

Der grösste Brocken entfällt allerdings auf die juristischen Personen, welche der Gemeinde hauptsächlich aufgrund von Nachtaxationen zusätzliche 3,5 Mio. Franken bescherten. Mehrerträge ergaben sich ebenfalls im Bereich Wasser- und Abwassergebühren (+ 950 000 Franken) sowie im Fiskalertrag durch den Widi-Verkauf, der mit 6,6 Mio. Franken zu Buche schlägt. Insgesamt belaufen sich die Steuereinnahmen auf 37,5 Mio. Franken und befinden sich somit «auf dem absolut höchsten Level», wie Marti erklärt. Davon entfallen 22,9 Mio. Franken auf natürliche und 14,6 Mio. Franken auf juristische Personen. Dies entspricht einem Verhältnis von 61 Prozent (natürlich) zu 39 Prozent (juristisch), womit der Anteil von Letzteren im Vergleich zu 2015 zugenommen hat. Eine Entwicklung, die dem Leiter Finanzen aber nicht nur Freude bereitet, da es ein gewisses Klumpenrisiko birgt.

SVP-Spar-Motion

Die SVP Zuchwil reichte beim Gemeindepräsidium eine Motion zuhanden der Gemeindeversammlung ein. Darin fordert die Volkspartei, dass ungebundene Ausgaben zu senken seien. Gemeint sind unter anderem das Sportzentrum und das Kijuzu, die jährlich über 2 Mio. Franken verschlingen würden. Weiter sollen die Steuereinnahmen grösserer juristischen Personen – allenfalls mittels notwendiger Anreize – längerfristig sichergestellt sowie das Risiko von Steuererhöhungen für den Mittelstand minimiert werden. Die Vorteile bei einer positiven Umsetzung ihrer Motion verortet die SVP in einer besseren Planungs- und Kostensicherheit, einem Beitrag zur Sanierung der Finanzen und der Optimierung der Kaufkraft der Bürger. Ausserdem positioniere sich Zuchwil dadurch als wirtschaftsfreundliche Gemeinde.

«Aufgrund der positiven Jahresrechnung besteht aus meiner Sicht die Gefahr, dass im Budget 2020 wieder erheblicher Wunschbedarf angemeldet wird, der eigentlich vermieden werden sollte», erklärt Markus Mottet (SVP). Im Weiteren erinnert Mottet an die Abstimmung vom vergangenen Sonntag bezüglich kantonaler Steuerreform, die abgelehnt wurde. Aufgrund des Wegfallens der Holdinggesellschaften gäbe es Unternehmen, die ab 2020 zweieinhalbmal mehr Steuern bezahlen müssen, sofern nichts geschehe. Daher frage er sich, wie lange diese Firmen noch in Zuchwil ansässig bleiben werden.

Gemeindepräsident Stefan Hug attestiert der Motion, dass diese zwar die richtige Stossrichtung einschlägt. Er hält aber auch fest, dass die Forderungen der Motion im Handeln des Gemeinderates inbegriffen sind. «Es ist die stetige Aufgabe von uns, zu den Gemeindefinanzen zu schauen und dieses Geld nicht zu verschleudern», so Hug. Aus diesem Grund beantragte der Gemeindepräsident, die Motion zuhanden der Gemeindeversammlung für nicht erheblich zu erklären, was auch von der Mehrheit des Rates unterstützt wurde.