Bucheggberg
Statt mit Postauto nach Hause: Schüler sollen am Mittagstisch speisen

Die Interessengemeinschaft Schülertransport will die Schulwegsicherheit im Bucheggberg verbessern. Angedacht ist ein umgebauter Stundenplan mit einer kurzen Mittagszeit, in der die Kinder nicht nach Hause fahren.

Gundi Klemm
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Mit dem Postauto in die Schule: Im Bucheggberg wird dieses Transportmodell angewandt.

Mit dem Postauto in die Schule: Im Bucheggberg wird dieses Transportmodell angewandt.

Christoph Neuenschwander

Die Konzentration der Schulstandorte im Bucheggberger Schulverband A3 auf Schnottwil, Messen und Lüterkofen bedeutet für etliche Kinder lange Schulwege. Zwischen ihrem jeweiligen Schulort und ihrem Zuhause müssen sie bis zu zwei Stunden täglich Postauto fahren. «Zeit, die für andere Aktivitäten der Heranwachsenden fehlt», weist Lorenz Probst (Schnottwil) als Präsident der IG Schülertransporte auf ein Problem vieler Schülerinnen und Schüler im ländlichen Raum hin.

Eine Lösung könnte indes der jetzt in Lüterkofen gestartete Mittagstisch in der Schule bringen. Da offenbar aber viele Elternhäuser die Mittagsverpflegung weiterhin zu Hause wünschen, muss die Mittagspause inklusive Hin- und Herfahrt mindestens zwei Stunden betragen.

Ganz anders wäre allerdings die Situation, so überlegt Probst, wenn man sich auf einen umgebauten Stundenplan verständigen könnte, der nur noch eine kurze Mittagszeit vorsieht und die gewonnene Zeit dem Unterricht zuschlägt. «Das könnte bedeuten, dass etliche Jugendliche vielleicht nur zwei- oder dreimal über Mittag in der Schule blieben, dafür an den restlichen Tagen am Familientisch essen können und nachmittags gar frei hätten.» Diese Fragen müssten im Bucheggberg zugunsten der Schuljugend grossräumig diskutiert werden, fordert Probst.

Längerfristige Veränderungen der Schulstrukturen brauchen Zeit. Diskussionen seien aber wichtig und bereiten alle Betroffenen gedanklich auf neue Möglichkeiten vor, so Probst. Dies hätte dann wesentliche Auswirkungen auf die Fahrplangestaltung. Wenn Hin- und Herfahrten für Kinder entfallen, wird der Schulalltag insgesamt ruhiger, wissen Fachleute.

Vorfall im Bus

Die Elternvereinigung als Interessengemeinschaft Schülertransporte gründete sich 2011 nach einem Unglücksfall im Postauto, um Transportfragen aus Elternsicht zu fokussieren. In der Folge gab es weitere kleinere Vorkommnisse wie etwa vergeblich aufs Abholen wartende Schülergruppen oder einen Kindergärteler, der das Aussteigen vergessen hatte. So stellte sich die Frage, ob die Sicherheitsvorschriften für Kinder im öffentlichen Verkehr überhaupt genügen. Hier herrscht nämlich keine Anschnallpflicht, wie sie für Schülertransporte vorgeschrieben ist.

Im Bucheggberg transportieren die öffentlichen Postautokurse, die zugleich auf die Anschlusszüge in Bätterkinden und Lohn-Ammannsegg abgestimmt sind, die Schülerschaft vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Natürlich weiss man in der Elternvereinigung, dass diese Einpassung in bestehende Strukturen durch die Zwänge von Finanzierung und Subventionierung gegeben ist.

Wäre die Auslastung durch die jugendlichen Fahrgäste nicht vorhanden, stünde das öV-Netz im Bucheggberg vor einer schmerzhaften Redimensionierung. Dies alles im Blick sagt IG-Vertreter Probst: «Wir wollen den öV-Verkehr hier nicht kaputtmachen, aber nachwuchstauglich optimieren.»

Wünschbar wäre vor allem eine bessere Ausstattung der Busse. Zwar sind heutige Busse bereits gut ausgerüstet. Doch das Problem liegt darin, dass bei weitem nicht alle Kinder sitzen und die vorhandenen Gurte nutzen können; es gibt viele Stehplätze. Grundsätzlich aber wäre der politische Wille gefordert, ob nicht unter sicherheitsrelevanten Aspekten die Einführung von reinen Schulbussen doch sinnvoller wäre.

Denn die Kantonale Transportverordnung sagt klar, dass Schülertransporte dann abgeltungsberechtigt sind, wenn sie sich nicht in das Fahrplanangebot integrieren lassen. «Wir bleiben am Ball, auch wenn uns gegenwärtig das Gefühl resignativer Unzufriedenheit beherrscht», so Probst, der beruflich als Dozent an der Berner Fachhochschule Zollikofen lehrt.

Die Sache mit der Verantwortung

Gemäss einem Rechtsgutachten, das die IG in Auftrag gab, sind die Eltern für den Schulweg nur bis zum Einstieg in den Bus verantwortlich. Danach obliegt diese Verantwortung dem Schulverband, der zur Minderung von Risiken bereits verschiedenste Massnahmen getroffen hat. Morgens werden die Kindergartenkinder von einer erwachsenen Person im jeweiligen Bus begleitet.

Bei der Rückkehr mittags soll ein «Götti-Gotte-System» greifen, bei dem ältere Kinder auf jüngere aufpassen. «Wir in der IG begrüssen sehr, dass das Verhalten im Bus in der Schule thematisiert wird», sagt der IG-Präsident.

Lokal ist man in Schnottwil diesem Wunsch nach mehr Sicherheit im Strassenverkehr längst nachgekommen. Seit fünf Jahren besteht hier ein Lotsendienst, der für die Schuljugend Ein- und Ausstiege in die Postautos und Übergänge über die dicht befahrene Bernstrasse und weitere Strassenquerungen regelt.

Geschult werden alle hier mitwirkenden Freiwilligen durch die Kantonspolizei. Die heutige Organisation der 70 Lotsen-Einsätze pro Woche liegt in den Händen von Tanja Frey und Elisabeth Mathys.