Gerlafingen
Statt Masten im Feld: Starkstromleitung soll unter den Boden verlegt werden

Die Interessengemeinschaft Erdverkabelung SBB-Starkstromleitung wehrt sich mit einer Petition gegen die geplante Freileitung im südlich angrenzenden Feld in Gerlafingen in Richtung Zielebach.

Gundi Klemm
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Als die Starkstromleitung auf der Höhe der Tulpen- und Lilienstrasse gebaut wurde, standen noch keine Häuser.

Als die Starkstromleitung auf der Höhe der Tulpen- und Lilienstrasse gebaut wurde, standen noch keine Häuser.

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Seit 1927 führt eine SBB-Hochspannungsleitung von Ost nach West quer durch das Gerlafinger Siedlungsgebiet und überspannt die Obergerlafingenstrasse und anliegende Quartiere auf Höhe der Tulpenstrasse. Gebaut wurde sie, als hier noch keine Häuser standen. Im Grundsatz war der Gemeinderat 2017 froh, dass diese 132 Kilovolt führende «Alte Mittellandleitung» stillgelegt und durch eine neue im Zielebacher Feld südlich der Ortsgrenze ersetzt werden soll.

Schon damals sprach sich der Rat aber zudem für eine Erdverkabelung aus, nachdem Anwohner des südlichen Ortsteils im Rahmen einer Anhörung aus ihrer Sicht auf die Problematik aufmerksam gemacht hatten.

Drei Jahre lang war Funkstille

Seither hörte man in Gerlafingen nichts mehr über die diesbezügliche Planung der SBB. Wie Gemeindepräsident Philipp Heri dazu ergänzte, hatten die beiden Kantone Bern und Solothurn die Verlegung der Leitung seinerzeit bereits auf raumplanerischer Ebene besprochen.

Die Obergerlafinger Gemeindeversammlung hatte im Dezember 2017 einstimmig beschlossen und die SBB aufgefordert, im Zuge der Erdverlegung auch den Leitungsbereich im Landwirtschaftsgebiet zwischen der Autobahn und beiden Gerlafingen «generell» in den Boden zu verlegen. Auch die Gerlafinger Gemeindeführung hatte sich bei einem Treffen 2017 mit den SBB-Vertretern Benedikt Aeberhardt und Hugo Wanner für den Wunsch der Interessenvertretung Erdverkabelung eingesetzt.

Offenbar führten bei diesem Gespräch technische Argumente wie die sogenannte Resonanz in erdverlegten Stromleitungen und eine sechs Kilometer, prioritär zu bauende Erdleitung im Raum Aarau zur Ablehnung des Begehrens. Plötzlich aber hat das Bauvorhaben der SBB wieder Fahrt aufgenommen.

75 Petitionäre gelangen an den Gemeinderat

Denn, wie Walter Joggi und Roland Disler als Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) festhielten, wurde bekannt, dass im 1. Quartal 2021 im Kanton Bern der Bauantrag für die rund 700 Meter lange oberirdische Starkstromleitung mit Masten im Zielebacher Feld von der Obergerlafingerstrasse bis zum Waldrand gestellt werden soll. Dies veranlasste die IG zu einer schnellen und breit abgestützten Reaktion. Am 5. Oktober wurde eine Unterschriftensammlung für eine Petition an den Gemeinderat beschlossen.

In Kürze stellten sich 75 Hausbesitzerinnen und -besitzer des Quartiers hinter das Anliegen, die SBB erneut für eine Erdverkabelung zu gewinnen. Alle Immobilieneigentümer brachten zum Ausdruck, dass eine Leitung im Feld vor der reizvoll optischen Kulisse des Oberlandes ihre Lebensqualität und den Wert ihrer Häuser erheblich mindere. «Daran hätten wir keine Freude.»

Zudem widerspreche dieser Leitungsbau dem bernischen Landschaftsschutzgesetz, das ein Zerschneiden freier Flächen verbiete. Die Interessengemeinschaft hatte sich zudem intensiv über vergleichbare Fälle in der Schweiz und die technische Machbarkeit der Bodenverlegung informiert.

Möglichkeiten ausloten, um gute Lösung zu finden

Die Sorgen der Bewohner von Gerlafingen Süd hat die Interessengemeinschaft am 19. Oktober Präsidium und Rat der Gemeinde schriftlich mitgeteilt. In der Petition bitten ihre Mitglieder darum, dass die Gemeinde bei den SBB «ultimativ» die Erdverkabelung der Starkstromleitung fordert und um Unterstützung bei kantonalen Stellen sowie Organisationen des Landschafts- und Umweltschutzes wirbt. Erwartet wird auch, dass die Gemeinde nach Publikation des Bauvorhabens beim Bundesamt für Verkehr Einspruch erhebt.

Der Gerlafinger Gemeinderat wird sich an seiner nächsten Sitzung am 26. November mit der Problematik beschäftigen. Ohne der Aussprache vorgreifen zu wollen, betont der Gemeindepräsident: «Um eine gute Lösung zu finden, müssen wir die Möglichkeiten ausloten, wo man mit Erfolgsaussicht ansetzen kann.» Und: Natürlich sei man sehr froh, dass die Starkstromleitung aus dem Siedlungsgebiet herauskommt. «Aber das wird uns» – so sieht es Heri persönlich – «nicht hindern, für die Erdleitung erneut aktiv zu werden und alles zu tun, was in unserer Macht steht.»

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