Biberist
Statt Kühe weiden auf diesem Feld Schwäne – der Bauer ist gar nicht erfreut

Eine kleine Schwanenkolonie hat sich auf einem Feld neben der Aare in Biberist, nahe der Grenze zu Lüsslingen-Nennigkofen, angesiedelt. Die Landwirte haben wenig Freude am Besuch der Vögel, denn diese tun sich nun am Weizen gütlich.

Noëlle Karpf
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Die Schwäne fühlen sich im äussersten Nordwesten von Biberist beidseits der Aare heimisch.

Die Schwäne fühlen sich im äussersten Nordwesten von Biberist beidseits der Aare heimisch.

Urs Byland

Schon längere Zeit hat sich eine kleine Schwanenkolonie auf einem Feld neben der Aare in Biberist eingenistet. Sie sind ein schöner Anblick für Autolenker, die auf der Bürenstrasse zwischen Solothurn und Lüsslingen unterwegs sind. Der Pächter des Weizenfeldes hingegen ist gar nicht erfreut über den tierischen Besuch.

«Die Schwäne fressen mir die Pflanzen weg», sagt der Bauer Hansueli Schluep. Zwölf bis fünfzehn Tiere hielten sich derzeit auf dem Stück Land auf. Deshalb würde er sich noch beim Jagdverwalter melden und ihm sein Problem schildern. Erschiessen könne man die Tiere ja nicht. «Aber das macht sich im Portemonnaie bemerkbar, wenn die Schwäne hier alles abgrasen», so der Nennigkofer Pächter.

Nur rund einen Zentimeter des ursprünglichen Sprösslings liessen die Tiere übrig. «Sie rupfen mit die ganzen Ähren weg, wie Rasenmäher», erzählt Schluep. So ginge das Erbgut der Pflanze verloren. Wie stark sich das auf die Weizenernte auswirken wird, weiss der Bauer noch nicht. Das würde er aber schon noch zu spüren kriegen, sagt er.

Wiederholungstäter

Bereits vor rund zehn Jahren hätte sich eine Gruppe von Schwänen auf dem Feld angesiedelt. Damals konnten sie keine Weizenähren fressen, weil zu dieser Zeit noch Gras wuchs.

Durch den Kot der Schwäne können laut dem Pächter aber Krankheiten wie die Vogelgrippe auf die Tiere übertragen werden, an die das gemähte Gras später verfüttert wird.

Im Wasser kein Futter

Das Verhalten dieser kleinen Schwanenkolonie ist laut Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach «ganz normal» für diese Jahreszeit. «Ende Winter finden die Schwäne im Wasser kein Futter mehr, deshalb gehen die Tiere auf die Felder raus», erklärt der Biologe.

Dort seien sie tagsüber im Uferbereich zu sehen und würden dann in der Nacht wieder auf das Wasser zurückkehren. «Sobald sie mit dem Brutgeschäft beginnen und wieder Pflanzen spriessen, verlassen sie das Land wieder», erklärt Kestenholz. Damit sei ungefähr ab diesem Monat April zu rechnen.

Bis dahin können Pächter und Bauern beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei, das für solche Fälle zuständig ist, Rat holen. Amtschef Marcel Tschan sagt auf Anfrage, bisher hätte er noch von keinem Vorfall in Biberist gehört.

In der Region sei es schon früher vorgekommen, dass Schwäne sich auf Feldern eingenistet hätten. «In diesem Fall schauen wir uns die Situation an und geben den Bauern Tipps, wie sie die Schwäne aufhalten können.» Da die Tiere aus dem Wasser auf die Felder laufen und nicht fliegen, seien Elektroschutzzäune effiziente Schutzmittel.

Den Bestand der Tiere «regulieren» kann der Kanton nicht. «Wir können die Anzahl der Schwäne nicht dezimieren, weil sie zu den geschützten Tieren gehören.» Und darüber befindet der Bund, und nicht der Kanton. «Wir hatten jetzt sechs bis sieben Jahre lang Ruhe», berichtet Tschan. Damals hätte es am Ufer auf der gegenüberliegenden Seite in Bellach Probleme gegeben.