Start zur Pilzsaison
Pilzkontrolleur im Wasseramt: Im Zweifelsfall sagt er lieber «Nein»

Manfred Siegenthaler kontrolliert Pilze und weiss, dass er damit viel Verantwortung trägt. Dieses Jahr ist die Saison alles andere als normal.

Marlene Sedlacek
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Pilzkontrolleur Manfred Siegenthaler.

Pilzkontrolleur Manfred Siegenthaler.

Hanspeter Bärtschi

Jetzt scheint sie endlich loszugehen, die Pilzsaison. Bis Ende September konnte man stundenlang durch die Wälder streifen, und man fand kaum einen Pilz. Normalerweise stehen die Leute im Frühherbst bei der Pilzkontrolle Schlange. Heuer trafen sie nur sporadisch ein.

Manfred Siegenthaler, Pilzkontrolleur in Recherswil, Biberist, Gerlafingen und Obergerlafingen, macht dafür das trockene Wetter verantwortlich. Als dann der Regen einsetzte, war es zu kalt. Denn Feuchtigkeit und Wärme sind die wichtigsten Faktoren, die das Pilzwachstum fördern. Dieses Jahr war aber alles andere als normal, stellte der Experte fest. Bereits im Juni habe er Steinpilze gefunden, als es staubtrocken war, erinnert er sich. Danach war Flaute.

Der Ertrag von Siegenthalers Pilzsuche.

Der Ertrag von Siegenthalers Pilzsuche.

Hanspeter Bärtschi

Doch nun sieht er einen rosaroten Streifen am Horizont. Hexenröhrlinge, die gewöhnlich früh zu finden sind, beginnen sich jetzt zu zeigen. Ebenso strecken Pfifferlinge, Lacktrichterlinge, Leistlinge, Maronen- und Rotfussröhrlinge ihre Köpfe aus dem Boden. Wenn die Temperaturen mild bleiben, bestehe die Hoffnung, dass aus der Saison doch noch was wird, freut er sich.

Tipps für erfolgreiches Sammelerlebnis

Für den gelernten Forstwart ist das Pilzesammeln faszinierend wie ein spannender Krimi. «Man geht mit dem leeren Korb in den Wald, man weiss aber nie, was man antrifft», erzählt er. Vielleicht sei der Korb am Schluss bis oben gefüllt mit schmackhaften Pilzen, oder aber er bleibt leer.

Pilzkontrolleur Manfred Siegenthaler.

Pilzkontrolleur Manfred Siegenthaler.

Hanspeter Bärtschi

Die Leute, die die Pilzkon­trolle besuchen, kann man in verschiedene Kategorien einteilen. Es gibt blutige Anfänger, die alles, was sie gefunden haben, zusammen in einen Korb legen und die unbekannten und giftigen nicht separieren. «Manch einer ging mit hängendem Kopf von dannen, weil die ganze Ausbeute im Abfall landete», berichtet der Profi.

Kenner kämen oft zum Fachsimpeln vorbei, oder weil sie sich bei einer Art nicht sicher seien. Siegenthaler stellte fest, dass vermehrt Familien das «Pilzlen» entdeckt haben, weil sie coronabedingt nicht ins Ausland in die Ferien konnten.

Neben dem Kontrollieren der Pilze gibt der naturverbundene Recherswiler den Leuten viele Tipps, was bei diesem Hobby zu beachten ist. So sollen weder madige noch von Ungeziefer angefressene Exemplare gepflückt werden. Die Pilze sollen in luftdurchlässigen Körben, nicht in Plastiktaschen gebracht werden.

Bunte Pilz-Beute.

Bunte Pilz-Beute.

Hanspeter Bärtschi

Ein totales No-Go ist, die Pilze roh zu verzehren. Um das Myzel, die eigentliche Pflanze, beim Pflücken zu schonen, soll man die Pilze nicht ausreissen. Am besten den Stiel so tief wie möglich abschneiden und das entstandene Loch mit Erde zudecken, damit das Myzel nicht austrocknet, erklärt der Experte. Er kennt sich in seinem Metier gut aus. Schon von Kindsbeinen an hat er zusammen mit dem Vater, ebenfalls Pilzkon­trolleur, Pilze gesucht.

Die Prüfung zum Kontrolleur hat er mit Bravour bestanden. Siegenthaler gibt jedoch zu, dass auch er nicht alle Pilze einwandfrei erkennt. Sein Leitsatz ist: «Im Zweifelsfalle nie», denn es gehe um Menschenleben, wofür er die Verantwortung trage.

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