Schnottwil
Starke Industrieföhne lösen das Streichholz ab

Am Samstag war «Afüüri» in der Holzschnitzelheizung des Wärmeverbunds Schnottwil.

Marlene Sedlacek
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Der mächtige orange Heizkessel imponiert den Besuchern.

Der mächtige orange Heizkessel imponiert den Besuchern.

Marlene Sedlacek

Ein Streichholz ist nicht nötig, um die neue Schnitzelheizung des Wärmeverbunds Schnottwil in Betrieb zu nehmen. Diese Aufgabe übernehmen zwei leistungsstarke Industrieföhne, die am Tag der offenen Tür und der offiziellen «Afüri» mit dem Einblasen von 800 Grad warmer Luft die Holzschnitzel im Heizkessel in Brand setzen. Das Interesse der Bevölkerung an der Fernwärmeheizung ist riesig.

Sie bestaunen den mächtigen orangefarbenen Heizkessel, der den Innenraum des Gebäudes aus Kalksandstein dominiert. Durch ein Guckloch spähen sie in den Brennraum und staunen, wie schnell die gefrässigen Flammen die Holzschnitzel verzehren. Die Hitze des Feuers wird auf das Wasser übertragen, das in einem Leitungssystem aus glänzenden Rohren von der Heizung wegführt. Die Leitungen transportieren bis zu 85 Grad warmes Wasser zum Schulhaus und in die angeschlossenen Haushalte. «Bis Ende Jahr werden wir 32 Bezügern Fernwärme liefern», sagt Bauplaner Klaus Eckhardt stolz. Eindruck macht den Besuchern auch der riesige Tank, ebenfalls silbern glänzend, der 54 000 Liter Wasser fasst und Wärme speichert, die gerade nicht gebraucht wird.

Ein Brummen, Summen und Pfeifen erfüllt den Raum. Ab und zu unterbricht ein Knacken oder Quietschen die monotone Geräuschkulisse, dann nämlich, wenn sich ein störrisches Holzstückchen in der Schnecke verklemmt hat. Durch ein Fensterchen kann man beobachten, wie diese Schnecke auf ihren Windungen unermüdlich Material aus dem Silo ausserhalb des Gebäudes hoch transportiert, um dem Feuer neue Nahrung zuzuführen. Das Schnitzelsilo fasst laut Bauplaner 260 Kubikmeter Brennmaterial. «Dies reicht bei Minustemperaturen etwa für acht Tage.» Interessierte haben sich auf einem vorgängigen Waldgang davon überzeugt, dass der einheimische Rohstoff nicht so schnell ausgehen wird.

Gemeindepräsident Jürg Willi freut sich, dass die Heizung nach einer zehnjährigen Anlaufphase endlich den Betrieb aufnehmen kann, sozusagen auf den letzten Drücker. Denn das vom Amt für Umwelt gestellte Ultimatum, dass bis im Jahr 2015 alle einwandigen Tankanlagen ausser Betrieb genommen werden müssen, betraf auch den Öltank im Schulhaus. Willi lobt die ökologischen und ökonomischen Aspekte einer Wärmegewinnung aus regionalen Rohstoffen. Er möchte aber auch den psychologischen Gesichtspunkt nicht ausser Acht lassen. «Diese Wärme ist angenehmer als diejenige aus Öl vom arabischen Raum, oder aus Gas aus Pipelines vom Ostblock.»

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