Langendorf
Standort für 150 Jahre alte Feuerwehrspritze gesucht

Vor 150 Jahren hat Mechaniker Franz Adam Kully aus Solothurn eine Handdruckfeuerwehrspritze gebaut, die damals durch die Bürgergemeinde Langendorf erworben wurde. Damit sie im Dorf bleibt, haben elf Private diese gekauft.

Rahel Meier
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Die Langendörfer Handdruckfeuerwehrspritzenfreunde: Hubert Brülhart (von links), Cesar Berger, Charles Bürgy, Bernhard Bommer, Cecile Suter, Hugo Brülhart, Bruno Eggenschwiler und Peter Frey. Auf dem Foto fehlen: René Fröhlicher, Kurt Müller und Urs Witmer.
10 Bilder
Die Hand-Feuerwehrspritze aus Langendorf ist 150 Jahre alt
 Hier steht es: Vor 150 Jahren wurde die Spritze gebaut.
 Und 1903 wurde sie restauriert.
 Ein kleines Detail, die Tritthilfe, um auf den Bock aufzusteigen.
 Der Schlauch ist dicht und die Pumpe funktioniert noch.
 Ersatz- und Zusatzteile geschickt verstaut.
 Die Langendörfer Spritze ist einzylindrig.
 Schön gearbeitete Details erfreuen auch das Auge.
 Das Verräumen der Spritze in den Zivilschutzkeller braucht Kraft und Geschicklichkeit.

Die Langendörfer Handdruckfeuerwehrspritzenfreunde: Hubert Brülhart (von links), Cesar Berger, Charles Bürgy, Bernhard Bommer, Cecile Suter, Hugo Brülhart, Bruno Eggenschwiler und Peter Frey. Auf dem Foto fehlen: René Fröhlicher, Kurt Müller und Urs Witmer.

Rahel Meier

Die Handdruckfeuerwehrspritze, die zurzeit im Zivilschutzkeller unter der Turnhalle steht, wurde im Jahr 2012 von elf Langendörfern im Internet für 3015 Franken erworben. Da die Feuerwehren heute über modernes Material verfügen, wurde die Handpumpe nicht mehr genutzt, brauchte zu viel Platz im Feuerwehrmagazin und deshalb landete sie schliesslich bei den elf Privatleuten. «Wir wollten nicht, dass die Spritze nach Deutschland oder in den Osten verkauft wird und versuchten zudem mit dem Kauf ein Stück Kulturgut und Dorfgeschichte hier zu behalten», erklären die elf übereinstimmend.

Erst nach zwei Bränden in den Nachbardörfern wurde die Feuerwehrspritze dann bestellt

Die Feuerspritze wurde 1868 mit «grossem finanziellem Aufwand» angeschafft. Dies, nachdem 1863 eine Feuersbrunst in Lommiswil fünf Häuser und drei Speicher zerstört hatte und der Regierungsrat die Gemeinde Langendorf ultimativ dazu aufforderte, jetzt eine Feuerspritze anzuschaffen. Aber erst nachdem es im Jahr 1866 auch in Oberdorf brannte und fünf Strohhäuser zerstört wurden, sah der Gemeinderat die Notwendigkeit der Anschaffung ein. Am 26. Dezember wurde bei Mechaniker Kully in Solothurn eine Feuerspritze nach Modell Nr. 6 zum Preis von 1800 Franken bestellt. Rund ein Jahr dauerte die Herstellung und schon 1868 bewährte sich die Feuerspritze ein erstes Mal bei einem Brand in der Glättimühle am Wildbach. Als die Spritze fertig war, konnte man sich in Langendorf lange Zeit nicht einig werden, wo das Utensil nun untergebracht werden sollte. Nach einigem Hin und Her wurde dann ein Spritzenhaus beim Schulhaus errichtet. Schliesslich wurde auch die Geldfrage gelöst: Markus Käch, ein wohlhabender Bürger, schenkte der Gemeinde das Geld. 1871 nach der Trennung von Bürger- und Einwohnergemeinde, kam die Spritze in den Besitz der Einwohnergemeinde. (rm/mgt)

Quelle: Dorf- und Schulgeschichte Langendorf (Johann Mösch, 1951).

Die Spritze – eine Einzylinderpumpe mit Doppelwirkung – ist auch im stolzen Alter von 150 Jahren noch voll funktionstüchtig. «Sie spritzt problemlos gegen 40 Meter weit.» Es sei aber körperlich ziemlich anstrengend, genug Wasser zu pumpen. Bei der Spritze handle es sich um ein speziell schön gearbeitetes Teil, sind sich die elf Besitzer, die sich heute Langendörfer Handdruckfeuerwehrspritzenfreunde nennen, einig. Sie sei funktionell, aber auch mit einigen schönen Details gearbeitet. 1903 wurde sie renoviert, wie auf der Spritze nachzulesen ist. «Wir mussten nur wenige Teile ersetzen. Vor allem Lederriemen.»

Fulenbach und Olten

Die Handdruckspritzen aus der Werkstatt von Mechaniker Franz Adam Kully scheinen tatsächlich gut gearbeitet zu sein. Ein Spritze mit Jahrgang 1853 ist heute noch im Besitz des Vereins Historische Technik Emmental; je eine Spritze aus dem Jahr 1865 findet sich im Dorfmuseum Fulenbach und eine gehört der Feuerwehr Olten. Tatsächlich ist in der Jubiläumsschrift «100 Jahre Solothurner Kantonal-Feuerwehrverband» Folgendes nachzulesen: «Damit die Gemeinden beim Ankauf von Feuerspritzen nicht zu Schaden kamen, mussten gemäss Schreiben an die Oberamtmänner sachkundige Männer die Spritzen untersuchen. Das galt aber nicht für die in Solothurn wohnenden Künstler Kaiser und Kully, ‹die durch hinlängstliche Proben ihre Geschicklichkeit und Rechtschaffenheit sattsam bekundet haben.›»

Und was wünschen sich die Langendörfer Handdruckfeuerwehrspritzenfreunde zum 150. Geburtstag ihrer Spritze. «Es wäre schön, wenn sie endlich einen schönen Platz in der Gemeinde bekäme, wo man sie auch ansehen kann.»

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