Gemeinderat
Stahl Gerlafingen will die gefährliche Schlacke bändigen

Die Stahl Gerlafingen will eine Schlackenhalle bauen und tangiert damit die Emme-Uferschutzzone.

Gundi Klemm
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2014 verpuffte Schlacke auf dem Areal der Stahl Gerlafingen. Schlackenstücke flogen durch die Luft. Menschen kamen nicht zu Schaden.

2014 verpuffte Schlacke auf dem Areal der Stahl Gerlafingen. Schlackenstücke flogen durch die Luft. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Hansjörg Sahli

Wer in den Gemeinden Biberist und Gerlafingen erinnert sich nicht, als es im Juli 2014 in der Schlackengrube des Stahlwerks zu einer sogenannten «Verpuffung» kam? Heisse Schlacketeile flogen explosionsartig in die Umgebung, auch in Richtung der Häuser am gegenüberliegenden Biberister Schachen-Ufer.

Solche Schlackensteine flogen am durch die Luft
10 Bilder
Sie landeten überall: Im Wald...
Einer der Schlackensteine
... und auch auf Autos.
Diese Dach wurde ebenfalls getroffen
Hier ging eine Scheibe zu Bruch
Ein Schlackenstein blieb in einem Schutzgitter hängen
Stefan Bühler wurde nicht direkt durch einen Stein verletzt. Bei Aufräumarbeiten löste sich eine Fensterscheibe und begrub seinen Arm unter sich.

Solche Schlackensteine flogen am durch die Luft

Hansjörg Sahli

Die Firma griff zu zahlreichen Sofortmassnahmen, musste aber feststellen, dass die räumlichen Verhältnisse im Areal nicht für eine im Sinne der Sicherheit optimierte Lösung ausreichten. Nun liegt eine überarbeitete Planung mit dem Antrag auf eine Teilzonenplanänderung auf dem Tisch.

Nach der Bau- und Werkkommission, die zustimmend Kenntnis genommen hatte, befasste sich der Gemeinderat ausführlich mit dem Vorhaben. Gemeindepräsident Philipp Heri wertete das Vorhaben bezüglich der Investitionshöhe von 7.6 Mio. Franken grundsätzlich als gutes Zeichen für den Stahlproduktions-Standort Gerlafingen. Die Grösse der geplanten Halle im Betriebsgelände mache es nötig, dass die kommunale Industriezone um 323 Quadratmeter westlich in Richtung Emme in die Uferschutzzone ausgedehnt wird.

Heris Bilanz nach einem Jahr

Mit einem Streifzug durch ein Jahr Legislatur mit «Höhen und Tiefen» eröffnete Gemeindepräsident Philipp Heri die erste Sitzung nach der Sommerpause. Er legte den Finger auf eine von ihm empfundenes latentes Misstrauen in Teilen des Gemeinderates, was vor allem die Verwaltungsarbeit erschwere. «Wenn wir gemeinsam als Gemeinde weiterkommen wollen, sollten störende Dinge und Vorgänge offen und direkt angesprochen werden», erklärte Heri. «Unsere gemeinsame politische Arbeit soll allen Spass machen – aber ohne die bekannte ‹Faust im Sack›», legte er den Ratsmitgliedern ans Herz und schloss mit einem denkwürdigen Appell in Form von zehn Verhaltensvorschlägen. (GKU)

Der kantonale Raumplanungsbericht spricht von keiner wesentlichen Beeinträchtigung, wenn dieses Gebiet an anderer Stelle durch eine Zonenerweiterung kompensiert wird. Bauverwalter Ewald Kaiser verwies neben den sicherheitstechnischen Verbesserungen durch diesen Hallenbau auch auf die nicht immer akzeptable Qualität der früheren Schlacke, die neben weiteren Anwendungen zu Auskofferung von Strassenbetten verwendet wurde und später allzu häufig zu Belagsaufwerfungen der Strassendecke führte. «Hoffentlich bleiben wir bei der jetzigen Sanierung der Kriegstettenstrasse von derartigen Spätschäden als Folge der Schlackenverwendung verschont», meinte Kaiser skeptisch.

Verbesserte Prozesse

Um einen grösseren Absatz der künftig dann verbesserten Schlacke zu erreichen, ist eine Automatisierung der Prozesse vorgesehen. Durch Halle und Produktionsoptimierungen im «Ruvido» benannten Projekt sollen auch weitere Lärmentwicklung und Immissionen in die Umwelt vermieden werden.

Der Gemeinderat hat

- einen Beitrag an den 2007 erbauten und inzwischen nochmals sanierten hölzernen Emmesteg zwischen Wiler und Bätterkinden, der als Stahlkonstruktion neu errichtet werden soll, abgelehnt;

- die Demission von Peter Jordi als Inventurbeamter genehmigt und im ersten Schritt eine interne Ausschreibung gestartet. Denkbar wäre für diese Aufgabe auch eine regionale Lösung;

- gehört, dass die Abgabe der alten Oberfeld-Schulcontainer zahlreiche Interessenten anlockt;

- den Rücktritt von Belgin Gül aus allen Behörden-Ämtern zur Kenntnis genommen. (GKU)

«Wir sind überhaupt nicht gegen das Projekt», betonte Thomas Wenger (SVP). Das Stahlwerk, dessen Hauptlast nach Ratssicht aber in Gerlafingen getragen werde, sollte sich doch irgendwie erkenntlich zeigen – wenn leider schon nicht mit Steuern, dann aber mit Sponsoring: Beispielsweise für eine Gerlafinger Institution wie etwa die «Kinder-Oase», von der Mitarbeitende des Stahlwerks ja auch profitieren. Sprecher aller Parteien beteiligten sich an der viele Bereiche umfassenden Aussprache, in der die Erweiterung der kommunalen Industriezone gebilligt, gleichzeitig aber ein Realersatz in Gerlafingen oder nahebei in Biberist gefordert wurde.

Eine gemeinsame Schule

Hauptschulleiter Pascal Hunziker stellte die Strategie der Schule Gerlafingen vor. Hunziker machte deutlich, wie Projektplanung und etwa auch die Rechenschaftsberichte durch diese Strategie strukturiert seien. Er umriss die verschiedenen schulischen Handlungsfelder, wobei der «Identifikation zur Schule Gerlafingen» ein wesentlicher Aspekt zukam.

Mit «gutem Lernen auf allen Kompetenzstufen» und dem Fokus auf die Frühförderung soll die Unterrichtsentwicklung für die grosse Bandbreite an Schülerinnen und Schülern gewichtet werden. Genannt sind gleichfalls die schon vorhandene «Fitness in Sachen Digitalisierung», die erwünscht gute Kooperation im Schulkreis und die Aussendarstellung der Schule, die gemeinsam einen «erfolgreichen Job» mache.

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