Stadt Solothurn
Die Welt der Transhumanen: Auch das schöne Leben geht bachab

Am Samstag wurde das Stück «Brave new Life» von Dennis Schwabenland im Theater in Solothurn uraufgeführt. Es handelt von grossen Lebensfragen, wilden Emotionen und der Definition von Glück.

Angelica Schorre
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Die Szenen im Theaterstück Brave New Life von Dennis Schwabenland zeigen eine transhumane Welt.

Die Szenen im Theaterstück Brave New Life von Dennis Schwabenland zeigen eine transhumane Welt.

Joel Schweizer

Ein Leben ohne zu altern, ohne Krankheiten, ohne das ganze Herz-Schmerz-Ding? Unsterblichkeit durch Digitalisierung des Bewusstseins? Der Schauspieler und Regisseur Dennis Schwabenland hat zu diesem Thema führende Wissenschafterinnen und Technologen interviewt. Fazit: Das liegt absolut im Bereich des Möglichen. Bereits heute kann man die DNA des Menschen zerschneiden und neu zusammensetzen, «Krankheitsgene» eliminieren. Und zwar so, dass es wie natürlich mutiert aussieht.

Auch die vorgeburtliche Optimierung des Menschen ist so bereits machbar. Aber ist ein solches Leben erstrebenswert? Soll man die Evolution des Menschen dem Zufall, der Natur überlassen? Oder gezielt eingreifen? Diese Fragen thematisiert Dennis Schwabenland in seinem neuen Theaterstück «Brave new Life» («Schönes neues Leben»)*, das am Samstagabend in Solothurn uraufgeführt wurde. Dabei nimmt er Bezug zu «Brave new World» (1932) von Aldous Huxley, der in diesem Science Fiction den Begriff «Glück» vom Chef des Weltaufsichtsrats definieren lässt: Stabilität ist Glück.

Liebe, Hass, das ganze Programm ist vertreten

In «Brave new Life» ist sich der Direktor von «Divina Humanitate» (Milva Stark), der Welt der Transhumanen, sicher, dass alles Unglück von Emotionen herrührt. Er muss es wissen: Er war an dem Verlust von Frau und Kind fast zerbrochen. Der Albträume leid, liess er sein Bewusstsein in das eines Androiden umwandeln. Schmerz vorbei. Nun wird in diese transhumane Welt – nach 22 Jahren Reifung in einer Blase – das Kurzweil (Anna-Katherina Müller) «hineingeboren». «Hallo, ist da jemand?», ruft es in die Leere.

Der Transhumane Doudra (Dominik Gysin) heisst es willkommen. Pech für Kurzweil ist: Es wurde vergessen, ihn zu optimieren. So kann es seine Emotionen nicht beherrschen: Liebe, Hass, das ganze Programm, in das Doudra involviert wird. Der Direktor verlangt, dass sich Kurzweil durch das Programm Emotionsregulierung selbst optimiert… Doch es und Doudra werden zu Grenzgängern: Sie besuchen die Stadt der Nichtoptimierten («Stano»). Sie entdecken um Glück und Gesundheit betende Menschen. «Sie wollen das Gleiche wie wir. Ein schönes, neues Leben», stellt Kurzweil fest.

Am Ende bleiben nur Verzweiflung und Leere

In Stano begegnen sie Linda (Christine Hasler), der gealterten Frau des Direktors, und seiner Tochter Johanna (Milva Stark); beide liess er damals hier zurück. Sie sind in der Stadt der «Naturmenschen» nie richtig heimisch geworden. Nun werden sie zu Grenzgängern, denn Kurzweil und Doudra nehmen beide in die transhumane Welt mit… Kurz: Der Direktor erkennt sie, will sein altes Bewusstsein zurück und stirbt. Mutter Linda stirbt. Kurzweil wird ausgeschaltet. Zurück bleibt Johanna – als der «letzte lebende Körper». «Hallo, ist da wer?» ruft sie am Schluss des Stücks verzweifelt in die Leere.

Der Applaus der Zuschauerinnen und Zuschauer war zurückhaltend. Dies lag sicher nicht an der Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler. Auch nicht an den fantasievollen Kostümen und dem gekonnten Einsatz der Videosequenzen. Vielleicht war das Thema zu ambitiös: Dem Stück des bereits mehrmals ausgezeichneten Dennis Schwabenland mangelt es an Stringenz. Es plätschert, mit ein paar emotionalen Ausreissern, spielerisch dahin. Optimierung wäre hier durchaus möglich und erfolgversprechend.

Weitere Aufführungen: 24.11., 25.11., 10.12., 19:30 Uhr; 11.12., 19:00 Uhr; 21.12., 19:30 Uhr.

*Eine Produktion von thecodes-theatercompany dennis schwabenland und Bernetta Theaterproduktionen in Koproduktion mit TOBS, Schlachthaus Theater Bern, Kleintheater Luzern, Theater Winkelwiese Zürich.

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