Kriegstetten

«Spüren, ob wir willkommen sind»: Verein Sterbehospiz würde gerne eine Liegenschaft mieten

Sechs Pflegezimmer möchte man im Sterbehospiz einrichten.

Sechs Pflegezimmer möchte man im Sterbehospiz einrichten.

Der Verein Sterbehospiz möchte von der Jakob Urben-Stiftung eine Liegenschaft mieten. Bevor ein Baugesuch publiziert wird, möchte der Verein wissen, ob das Hospiz in Kriegstetten überhaupt willkommen ist.

Schon seit drei Jahren sucht der Verein Sterbehospiz Solothurn nach einer geeigneten Liegenschaft. Lange hoffte man auf ein denkmalgeschütztes Bauernhaus in Lüterkofen, das dem Verein zum Kauf angeboten wurde. «Wir mussten letztlich einsehen, dass das Gebäude zu teuer ist für uns», erklärte Bruno Greusing im Gemeinderat Kriegstetten. Greusing ist Vorstandsmitglied im Verein Sterbehospiz, aber auch Stiftungsratspräsident der Jakob Urben-Stiftung. Diese ist in Kriegstetten domiziliert und hat auch Liegenschaften im Dorf.

Der Verein Sterbehospiz überlegt sich deshalb, ein Gebäude der Stiftung zu übernehmen. Genauer gesagt würde das Gebäude wohl abgebrochen und neu gebaut. «Die Stiftung würde das Haus weiterhin behalten. Wir würden den Neubau finanzieren», erklärt Greusing. Neben Kriegstetten gibt es zurzeit zwei weitere Standorte, die näher geprüft werden. Bis Ende Jahr möchte der Verein Sterbehospiz die Standortfrage klären.

Noch gibt es kein konkretes Bauprojekt

«Wir haben in Kriegstetten kein konkretes Projekt. Nur Ideen, was möglich wäre», machte Greusing im Gemeinderat klar. «Wir wollen zuerst fühlen, wie wir aufgenommen werden und spüren, ob wir willkommen sind.» Durchschnittlich würden die Patienten vier Wochen im Hospiz verbringen. «Bei sechs Betten heisst das, dass rund 100 Schwerkranke Menschen pro Jahr in den Tod begleitet würden.» Greusing machte auch klar, dass es im Sterbehospiz nicht um aktive Sterbehilfe gehe.

Das Hospiz solle zudem allen offen stehen, egal welcher Konfession ein Mensch angehöre. Als langjähriger Chefarzt am Bürgerspital kennt Greusing die Spitalorganisation bestens. «Die Langzeitpflege wurde geschlossen. Die Rehabilitation wurde geschlossen. Im Spital können Sterbende nicht bleiben. Oft werden sie in ein Heim abgeschoben und landen kurze Zeit später wieder im Spital.» Dabei koste ein Tag im Sterbehospiz durchschnittlich die Hälfte der Kosten, die im Spital oder Heim verrechnet würden.

«Gerade wenn es um das Sterben geht, wird sehr viel geheuchelt», meinte Greusing. «Im Sterbehospiz dürfen die Menschen sterben, wenn das ihr Wunsch ist. Keine weiteren Operationen, keine neuen Medikamente, keine Infusionen, wenn sie diese nicht mehr möchten.» Viele Patienten, die in ein Sterbehospiz eintreten hätten Tumore oder offene Wunden. «Das ist auch pflegerisch sehr anspruchsvoll.»

Gemeinderat will sich absichern

«Wir haben an unserer Gemeinderatsreise viel über das Thema Sterbehospiz gesprochen», erklärte Gemeindepräsident Simon Wiedmer. Dabei zeigte sich, dass der Gemeinderat gespalten sei. «Wir haben zudem gemerkt, dass ein Sterbehospiz ideelle Emissionen auslöst. Viele Menschen fühlen sich, ähnlich wie beim Bau einer Mobilfunkantenne, unwohl beim Gedanken neben einer solchen Institution zu wohnen», so Wiedmer.

Abschliessend an die Sitzung beschloss der Gemeinderat deshalb, sollte es eine konkreten Anfrage des Vereins Sterbehospiz geben, eine Informationsveranstaltung zu organisieren und voraussichtlich eine Urnenabstimmung einzuberufen. «So wissen wir genau, was die Bevölkerung über dieses Vorhaben denkt.»

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