Zuchwil
Sportzentrum vor drohendem Ruin: Am runden Tisch werden Auswege aus der (Corona-)Krise gesucht

Dem Sportzentrum Zuchwil droht wegen der Corona-Krise die Insolvenz. Ein runder Tisch sucht Auswege aus der Krise.

Urs Byland
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Fürs Sportzentrum Zuchwil sind es finanziell sehr schwierige Zeiten. (Archiv)

Fürs Sportzentrum Zuchwil sind es finanziell sehr schwierige Zeiten. (Archiv)

Christof Ramser

Die Coronakrise droht das Sportzentrum Zuchwil zu ruinieren. Das schreibt die Sportzentrum AG in einer Mitteilung. Deshalb wurde ein runder Tisch organisiert mit Vertretern der Einwohnergemeinde Zuchwil, der Stadt Solothurn, der Repla Espace Solothurn, der Interessengemeinschaft Sport Solothurn und der kantonalen Sportfachstelle. Hintergrund des runden Tisches: «Wir suchen Hilfe, um die Einwohnergemeinde zu entlasten», so Urs Jäggi, Direktor des Sportzentrums. Die Gemeinde Zuchwil soll bei den Zahlungen für das Sportzentrum nicht alleine zur Kasse gebeten werden müssen.

Sportzentrum Zuchwil

Das 1974 erbaute Sportzentrum mit einem Anlagewert von rund 56 Mio. Franken gehört der Einwohnergemeinde Zuchwil. 1982 übertrug sie die kostendeckende Betriebsführung der Sportzentrum Zuchwil AG, an der sie die Mehrheit hält. Für Investitionen und Unterhalt wendet Zuchwil jährlich rund 1,5 Mio. Franken auf. Der Betrieb der Eishalle wird von vielen Gemeinden der Repla Espace Solothurn mit einem jährlichen Beitrag unterstützt. Neu wird auch der Betrieb der Traglufthalle von der Stadt Solothurn und einzelnen Gemeinden mitfinanziert. (uby/mgt)

Seit dem bundesrätlich verordneten Ausnahmezustand vom 17. März spitze sich die finanzielle Lage des Sportzentrums zu. Die Einnahmen seien vollständig weggebrochen. Gleichzeitig fallen im Betrieb mit 120 Angestellten trotz Kurzarbeitsbewilligung monatliche Fehlbeträge von 200'000 bis 350'000 Franken an. Auch nach einer Wiedereröffnung rechnen die Verantwortlichen wegen Einschränkungen mit einem reduzierten Betrieb. Selbst wenn das Sportzentrum Anfang Juni wieder eröffnen könne, belaufe sich der Verlust bis Ende Jahr auf voraussichtlich 1,5 Mio. Franken, wie Urs Jäggi am runden Tisch erläuterte.

Dort skizzierten die Teilnehmenden einen möglichen Sanierungsplan für das Sportzentrum Zuchwil. Demnach könnte der Betrieb über einmalige A-fonds-perdu-Beiträge und Darlehen stabilisiert werden. «Vom Bund werden wir bereits in Form von Kurzarbeit unterstützt. Wir hoffen, dass auch der Kanton beiträgt», so Jäggi. So habe die Sportzentrum AG bereits ein Gesuch eingereicht. «Am runden Tisch haben wir positive Signale bekommen.» Gleichzeitig sollen Möglichkeiten einer breiteren Abstützung und das Kooperationspotenzial für die regional bedeutsame Sportinfrastruktur einer vertieften Prüfung unterzogen werden.

Im Zusammenhang mit der Sanierung soll auch eine Altlast bereinigt werden. Als das Sportzentrum im Jahr 2015 die Pensionskasse seiner Angestellten ausfinanzieren musste, hatte die Gemeinde Zuchwil den Betrag als langfristiges Darlehen zur Verfügung gestellt. Angesichts der jüngsten Entwicklung signalisierte sie nun ihre Bereitschaft, so die Sportzentrum AG in ihrer Mitteilung, dem Gemeinderat einen Erlass der Restschuld von 536'000 Franken vorzulegen. (uby/mgt)

SVP Zuchwil übt Kritik

Zum Hilferuf der Sportzentrum AG hat sich die SVP Zuchwil gemeldet. Sie weise schon seit Jahren auf das Klumpenrisiko durch das Sportzentrum sowie das Kijuzu (Kinder- und Jugendzentrum Zuchwil) hin, so Präsident Silvio Auderset. Das Sportzentrum sei vom Grundsatz her eine gute Sache, aber nicht Aufgabe einer Einwohnergemeinde. Die SVP Zuchwil habe in einer vom Gemeinderat abgelehnten Motion im April 2019 gefordert, der Gemeindeversammlung einen Beschlussesentwurf vorzulegen, der bewirkt, dass die Ausgabenseite, die noch von der Gemeinde beeinflusst werden kann, gesenkt wird. Und schon vor Jahren habe die SVP eine Prüfung eines Teilverkaufs an Grossinvestoren verlangt. Die Partei wolle nun Antrag im Gemeinderat stellen, «damit Leuchttürme (Sportzentrum Zuchwil etc.) nicht zu Brandruinen verkommen». Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz von 2012 überfordere das Sportzentrum nachhaltig die Gemeindefinanzen. (mgt/uby)