«Risiko herabsetzen»

Sportzentrum ersetzt Kälteanlage, braucht aber weiterhin giftige Stoffe

Damit die Menschen weniger gefährdet sind, müssen publikumsintensive Anlagen wie das Sportzentrum höherenSicherheitsanforderungen genügen.

Damit die Menschen weniger gefährdet sind, müssen publikumsintensive Anlagen wie das Sportzentrum höherenSicherheitsanforderungen genügen.

Schon vor Jahren war wegen eines Risikoberichts klar, dass ein Störfall im Sportzentrum Zuchwil in einer Katastrophe enden könnte. Die Kälteanlage im Sportzentrum wird deshalb nun ersetzt, es wird jedoch weiterhin auf Ammoniak als Kühlmittel gesetzt.

Die Ammoniak-Anlage, die «Eismaschine» des Sportzentrums, wird ersetzt. Dies geht aus einem Baugesuch mit dem Titel «Anpassung Kälteanlage an Störfallverordnung» hervor. Grundlage für den Ersatz ist die vor Jahren erstellte Risikoermittlung, welche 2008 der Kanton verfügte. Der Risikobericht spricht Klartext. Im schlechtesten Fall wäre ein Störfall im Sportzentrum eine Katastrophe.

Im Bericht ist das ermittelte Risiko mittels einer Kurve dargestellt. Diese kann sich in verschiedenen Bereichen bewegen, die wie folgt umschrieben sind: «nicht schwere Schädigung», «akzeptable Risiken», «nicht akzeptable Risiken» und «Übergangsbereich». Im Fall des Sportzentrums schwappt die Kurve bei äusserst selten auftretenden schweren Störfällen in den «Übergangsbereich», wegen einer möglichen hohen Anzahl von Toten.

Erste Massnahme am Baditor

Seither liefen die Planungen auf Hochtouren, wie Zuchwils Bauchef Peter Baumann berichtet. Wie könnte das Risiko auf einen akzeptablen Wert herabgesetzt werden, war die Frage. Eine erste Massnahme wurde im Frühling 2014 umgesetzt. Die Zauntore im Freibad öffnen seither bei einem Störfall dank Sensoren automatisch, sodass sich die Fluchtmöglichkeit der Gäste verbesserte. Alleine diese Massnahme halbiere den theoretischen Wert der Anzahl Toten beim schlimmst möglichen Störfall, so eine Schätzung.

Die Planungen verliefen nicht ohne Nebengeräusche. «Es war ein Abtasten des Marktes. Kälteplaner für Anlagen dieser Grössenordnung gibt es nicht viele.» Andererseits wollte die Gemeinde sichergehen, dass unter mehreren Möglichkeiten die richtigen Massnahmen getroffen werden. Über einen Berater ist man auf die Firma Amstein + Walthert AG in Bern gestossen. «Wir haben jetzt eine gute, neutrale Betreuung», erklärt Peter Baumann. Zudem habe das kantonale Amt für Umwelt die Planungsarbeiten ebenso begleitet wie der Brandschutz.

«Alle Stoffe sind gefährlich»

Weiterhin wird aber der gefährliche Stoff Ammoniak für die Kühlung verwendet. «Alle Stoffe, die man für eine Kühlung verwendet kann, sind gefährlich», erklärt dazu Peter Baumann. Natürlich wurde auch eine Wirtschaftlichkeitsrechnung angestellt. Eine andere Anlage mit ebenfalls gefährlichen Stoffen hätte die Investitionskosten um eine Million Franken erhöht. Robert Porsius von der Planerfirma Amstein + Walthert bestätigt: «Für die CO2-Technik haben wir nicht genügend Platz, und für den Einsatz von Glykol hätten wir die Hallenpiste abbauen und neu aufbauen müssen.»

Neben dem Ersatz der drei bestehenden Kompressoren durch zwei neue waren weitere Massnahmen angebracht, um das Risiko zu senken. «Heute wissen wir, wie wir uns zu verhalten haben, je nach möglicher Störung. Wir haben eine Notfallplanung erstellt.» Zudem befinden sich die Verdichter neu in einem abgeschotteten Raum. Das Elektrotableau wurde in einem anderen Raum angebracht, um eine Gefahrenquelle zu eliminieren.

«Wir haben noch keinen definitiven Entscheid vom Kanton, aber grundsätzlich wird das nun ausgearbeitete Projekt als positiv beurteilt», erklärt Peter Baumann. Die Kosten für die Sanierung werden auf 1,7 Mio. Franken veranschlagt, verteilt auf zwei Jahre. Bereits in diesem Jahr werden 500 000 Franken investiert. Im kommenden Jahr der Rest, wenn die Gemeindeversammlung Ende Jahr zustimmt.

Task-Force informiert bald

An der Gemeindeversammlung wird zudem die Task-Force Sportzentrum die Bevölkerung über ihre Arbeit informieren. Insbesondere wolle man über die Geldflüsse, die das Sportzentrum betreffen, transparent berichten. Laut Bauverwalter Peter Baumann beläuft sich die jährliche Unterstützung des Sportzentrums auf 1,8 Millionen Franken.

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