Lüterkofen-Ichterswil

Sport für Kämpfer – und ein Volksfest: Motocrossfahrer wirbeln Staub auf

In Ichterswil bretterten wieder die Maschinen über die Piste – und liessen dabei ihre Hintermänner in einer Staubwolke zurück.

Die Staubwolken, die von Ichertswil in Richtung Bibern zogen, waren beeindruckend. Schuld hatte die während Wochen andauernde Bise, die den Boden im Biberentäli total ausgetrocknet hatte. Und so waren Vater Christian Chanton mit dem kleinen Bagger und sein Sohn Maurice mit dem Feuerwehrschlauch jede Stunde mindestens einmal daran, die Piste zu wässern und zu präparieren. Und auch wenn ein Motocrossfan am Pistenrand eine nasse Abkühlung forderte, dann lieferte Maurice Chanton postwendend.

Um die Piste zu präparieren, dürfen die Chantons auf die Unterstützung ihrer Luterbacher Nachbarn zählen. Unter der sengenden Sommersonne war das gar kein einfaches Unterfangen: Ein wenig zu viel Wasser und der Staub verwandelte sich in einen extrem rutschig Schlamm, etwas zu wenig und die Motocrossfahrer hatten schon nach der ersten Runde wieder mit der Staubfahne ihrer Vorderleute zu kämpfen.

Von den acht-, neunjährigen Kids auf ihren Mini-Motorrädern bis zu den Veteranen und den Quads kamen in Ichertswil alle auf ihre Kosten. Die Rennstrecke ist anspruchsvoll, aber nicht zu schwierig für die Hobbyfahrer, die an der MXRS-Serie (Moto Cross Renn Serie) teilnehmen. Besonders attraktiv: Von der Festwirtschaft am Feldweg im Biberentäli aus lässt sich die ganze Rennstrecke überblicken, man sieht die Überholmanöver und weiss immer, wer gerade in Führung liegt.

Wie der Vater so der Sohn

Zwischen seinen Einsätzen beim Pistenwässern startete Maurice Chanton fast nebenbei auch noch bei den Läufen des Super Race – und gewann souverän. Kein Wunder: Sein Vater Christian organisiert seit 14 Jahren die Rennserie und Maurice bestritt bereits als Neunjähriger seine ersten Rennen – hier in Ichertswil. Als 14-jähriger wurde er der jüngste Junioren-Schweizermeister. Als 17-jähriger fährt Maurice Chanton nun erfolgreich Rennen der Schweizer Meisterschaft: Im aargauischen Muri startete er vor zwei Wochen erstmals aus der Pole-Position. Im Zwischenklassement der Schweizer Meisterschaft belegt der Junior den vierten Platz.

«Die Rennen der MXRS-Serie fahre ich meinen Vater zuliebe. Es hat immer ein paar starke Fahrer am Start, aber die Konkurrenz ist natürlich an den Rennen viel stärker, die zur Schweizer Meisterschaft zählen», erklärt Chanton Junior. Sein grosser Traum sei es, an den WM-Rennen zu starten und dafür sei er bereit, viel zu investieren. «Ich will mich in den nächsten drei Jahren ganz auf das Motocross konzentrieren und hoffe, dass mich ein starkes Team unter Vertrag nehmen wird.»

Ein Sport für Kämpfer

Motocross tut manchmal aber auch weh: Mehrmals mussten in Ichertswil Rennfahrer nach Stürzen mit der Ambulanz ins Spital transportiert werden. Wie schwer die Verletzungen waren, durften die im Einsatz stehenden Rettungssanitäter nicht verraten. «Verletzungen kann es geben, dass muss man akzeptieren. Trotzdem ist Motocross die geilste Sportart überhaupt», schwärmt Chanton Junior. «Man kann zwanzig Meter durch die Luft segeln, beim Beschleunigen aus einer Kurve fliegt der Dreck und man ist ständig in Zweikämpfe verwickelt. Motocross ist ein Sport für Kämpfer, das macht den Reiz aus.»

Damals, als sein Vater Christian 17 Jahre alt war, galt auch der als eine grosse Hoffnung im Schweizer Motocross. Als Kind hatte Maurice Chanton den Unfall miterlebt, bei dem sein Vater so schwer verletzt wurde, dass dieser bis heute mit gesundheitlichen Einschränkungen leben muss. «Ich brauchte sicher zwei Jahre, um diesen Unfall zu überwinden, aber heute ist das kein Problem mehr für mich», sagt Maurice Chanton. «Mit Angst darf man so wie so nicht fahren, sonst wird es erst recht gefährlich. Man muss damit leben können, dass ein gewisses Risiko besteht.»

Die Arbeit für die Chantons ist mit der letzten Siegerehrung noch nicht vorbei. Jetzt müssen noch die Spuren der Veranstaltung beseitigt werden. Die Trockenheit hat dabei auch einen Vorteil: Bei Nässe kann es vor allem auf den Parkplätzen zu einer Verdichtung des Bodens kommen – wie bei jeder Veranstaltung auf dem Land.

Die Motorräder sind dagegen so leicht, dass auf der Rennstrecke kaum mit Verdichtungen zu rechnen ist. Den trockenen Boden kann nun der Bauer recht problemlos für den nächsten Regen vorbereiten. In wenigen Wochen soll man beim jetzigen Rennplatz keinen Unterschied mehr zu den umgebenden Feldern im Biberentäli erkennen können.

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