Grossbrand Gerlafingen
Spekulationen und Gerüchte zu einem «warmen Abbruch» des Bauernhauses kursieren

In Gerlafingen ist in der Nacht auf Dienstag ein leerstehendes Bauernhaus durch einen Brand vollständig zerstört worden. Schnell kursierten Spekulationen zu einen «warmen Abbruch».

Urs Byland
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Brand eines leerstehenden Bauernhauses in Gerlafingen
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Das Gebäude war ein Abbruchobjekt
Brand altes Bauernhaus in Gerlafingen
Der entstandene Schaden ist immens.
Durch die enorme Hitzeentwicklung wurden mehrere benachbarte Gebäude in Mitleidenschaft gezogen und parkierte Fahrzeuge beschädigt.
Das Haus ist fast vollständig niedergebrannt.
Die Brandursache ist noch unklar.
Das Gebäude war im Dorf als «Wigger-Hütte» bekannt

Brand eines leerstehenden Bauernhauses in Gerlafingen

Kapo SO

Bei dem abgebrannten Bauernhaus handelte es sich um ein Abbruchobjekt. So machten schnell Spekulationen und Gerüchte die Runde. Die Rede war von einem «warmen Abbruch». Auf dem Areal ist schon seit Längerem eine Überbauung geplant.

Bereits wurden auch ein Bau- und ein Abrissgesuch publiziert. Die Frist der Publikation ist laut Gemeindepräsident Philipp Heri am 2. April ohne Einsprachen abgelaufen. «Das Verfahren war auf gutem Weg. Nächstens hätten die Bewilligungen für den Abriss und den Neubau erteilt werden sollen.»

Auch die Besitzerin des Areals, die Immo Homebay AG aus Frauenfeld, habe nur noch auf die Bewilligung gewartet, wie Besitzer Martin Buchberger erklärt. «Ich wurde vom Brand überrascht. Wir hatten auf dem Areal in den letzten Monaten keine Aktivitäten und wollten loslegen, sobald die Bewilligungen erteilt würden.» Die Immo Homebay AG habe das ganze Verfahren mit Zonenplanänderung, Gestaltungsplan, Mitwirkung etc. korrekt und mit grossem Atem durchgezogen. Das Baugesuch war das letzte Hindernis nach einer langen Planung. Den Zaun rund um das Areal begründet Buchberger damit, dass es öfters Eindringlinge gab. Er sei froh, dass beim Brand niemand zu Schaden gekommen ist und warte mit Spannung auf die Ermittlungen der Polizei.

Laut Spekulationen hätte der Denkmalschutz Interesse am alten Gebäude gezeigt. Eine Nachfrage ergibt aber, dass der Denkmalschutz einzig aktiv ist, um einige Teile der Gebäude zu untersuchen und zu dokumentieren. Aber man habe keine Einsprache gemacht, so das Amt für Denkmalschutz.

In Bezug auf den elektrischen Anschluss, erklärt Buchberger, dass die Gebäude keinen Strom mehr hatten. Heri glaubt zu wissen, dass der Strom noch bis zum Sicherungskasten floss und der Feuerwehrkommandant bestätigt, dass der Strom im Quartier teilweise ausfiel, es also eine Stromleitung erwischt haben muss. Ob aber das Gebäude selber noch am Strom hing, wisse er nicht. Laut Kantonspolizei laufen die Brandermittlungen.

Hauptstrasse 20 und 22

Die Erhaltung der beiden Gebäude an der Hauptstrasse 20 und 22 in Gerlafingen wurde im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens überprüft und von Kanton und Gemeinde als nicht sinnvoll erachtet. Die Gebäude sind nicht im Kataster der schützenswerten Objekte geführt, aber im ISOS «Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz».

In der Bestandesaufnahme des Kantons Solothurn wird das Objekt wie folgt beschrieben: Einziger bäuerlicher, urtümlicher Bau im lndustriedorf: von imposanter Länge und mit jüngerem Querfirst-Anbau, der je nach Blickwinkel als Kopfbau oder als Anhängsel wirkt. Der Holzbau wurde mehrfach um- und ausgebaut; jedoch blieben wesentliche Elemente wie Fensterbänke, beschriftete Büge und Teile von Holzstallwänden erhalten. Davon sind nun nur noch verkohlte Reste übrig.