Bellach
SP nominiert Ersatzmann Martin Röthlisberger fürs Gemeindepräsidium

Der Kandidat ums Gemeindepräsidium, den die Bellacher SP vorschlägt, ist ein Neuling, aber längst kein unbeschriebenes Blatt.

Christoph Neuenschwander
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Kandidat Martin Röthlisberger.

Kandidat Martin Röthlisberger.

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Im Leben von Martin Röthlisberger gibt es einen Einschnitt: In der ersten Hälfte seiner beruflichen Laufbahn arbeitete der Sohn eines Emmentaler Käsermeisters als Landschaftsgärtner. Dann kam der Velounfall, in dessen Folge sich Röthlisberger neu orientieren musste.

Anfang der Neunzigerjahre absolvierte er das Studium zum Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, das ihn in die Verwaltung brachte; seit 13 Jahren ist er Leiter der Sozialabteilung Herzogenbuchsee. Am 14. Juni dieses Jahres könnte das Berufsleben Martin Röthlisbergers noch einmal eine Wendung nehmen. An jenem Tag nämlich wählt die Gemeinde Bellach ihren neuen Präsidenten.

Ende der liberalen Dominanz?

Am Mittwochabend hat die SP Bellach Röthlisberger als Kandidaten ums Gemeindepräsidium nominiert. Mit ihm wolle man nach «vielen Jahren freisinniger Dominanz eine echte Auswahl und Alternative» bieten. Der Sozialarbeiter, der seit 1998 in Bellach lebt, ist seit diesem Jahr Ersatzgemeinderat. Wieso soll gerade er diese «echte Alternative» sein?

«Ich bringe eine breite Erfahrung mit», sagt Röthlisberger. «Gerade weil ich Handwerker war und nun seit zwanzig Jahren in der Verwaltung arbeite. Ich suche über Grenzen hinaus nach Lösungen und gehe nicht nur nach dem Parteibüchlein.» Ein Vorteil sei vielleicht auch, dass er nach all den Jahren im Dorf noch immer eine gewisse «Aussenansicht» einbringen könne. Bellach habe viel zu bieten, urteilt er. «Die Nähe zur Natur, die Nähe zur Stadt, eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr.» Aber es gibt auch Probleme, um die sich Röthlisberger kümmern möchte: «Wir haben keinen richtigen Dorfkern, da die Dorfentwicklung einer typischen Streusiedlung gleichkommt, und auch mit der Verkehrsentwicklung müssen wir uns eingehender beschäftigen.» Um der zunehmenden finanziellen Belastung der Gemeinden Herr zu werden, sei es wichtig, sich regional in Organisationen mit anderen Gemeinden zu vernetzen und einen guten Austausch mit dem Kanton zu pflegen.

Verwaltungsaufgaben: Ja, aber...

Dass der scheidende Gemeindepräsident Anton Probst mit der bürgerlichen Mehrheit im Rücken das Pensum für seinen Nachfolger auf 50 bis 60 Prozent reduziert hat, stellt für Röthlisberger kein Problem dar. «Ich habe mich entschieden, die Kandidatur anzunehmen, noch bevor die Pensendebatte durch war. Das ist für mich nicht ausschlaggebend.»
Er habe der Vermischung von Politik und Verwaltung ohnehin immer kritisch gegenüber gestanden. «Ich könnte mir prinzipiell vorstellen, wie Probst einige Verwaltungsaufgaben zu übernehmen. Aber man müsste ganz genau anschauen, was.»