Nennigkofen

«Sozusagen als Notlösung»: «Kirschblütler» kaufen den Gasthof Rössli

Die Kirschblüten-Gemeinschaft sucht dringend Wohnraum. Im «Rössli» wurden sie fündig – nicht zur Freude aller Dorfbewohner.

Die Kirschblüten-Gemeinschaft sucht dringend Wohnraum. Im «Rössli» wurden sie fündig – nicht zur Freude aller Dorfbewohner.

Die Landwirtschaftliche Genossenschaft Kirschblüte und eine Wohneigentümergemeinschaft haben das «Rössli» in Nennigkofen gekauft. Gasthof und Curlinghalle gehen an die umstrittene Gemeinschaft.

Die Kirschblütengemeinschaft in Lüsslingen-Nennigkofen wächst. So stark, dass die nachfolgende Generation keinen Platz mehr findet im Dorf. «Wir suchen dringend Wohnraum», heisst es vonseiten der Gemeinschaft. Auch die landwirtschaftliche Genossenschaft Kirschblüte vergrössert ihren Betrieb.

Weil die Überbauung Mühlegarten mit Mehrfamilienhäusern, Gewerbe- und Gewächshaus blockiert ist, greifen die Kirschblütler nun beim «Rössli» zu. Das Restaurant inklusive angebauter Curlinghalle wurde an die Genossenschaft und drei Stockwerkeigentümer-Parteien aus der Gemeinschaft verkauft. Der Vertrag wurde am 18. Juli unterschrieben.

Das Rössli liegt nahe am Wohn- und Arbeitsbereich der Genossenschaft

Das Rössli liegt nahe am Wohn- und Arbeitsbereich der Genossenschaft

Der Kauf sei eine «Notlösung», sagt Anke Edelbrück Schwarzer, Präsidentin der Wohnbaugenossenschaft Am Bach. Jahrelang habe sich der Gemeinderat geweigert, den Gestaltungsplan Mühlegarten an die Hand zu nehmen. «Der Eindruck bleibt bestehen, dass es im Grunde darum geht, das Projekt zu verhindern.»

Hätte man den Mühlegarten bauen können, wäre der Kauf des «Rössli» nicht nötig gewesen. Die landwirtschaftliche Genossenschaft sei dringend auf Betriebsräume in der Nähe ihrer Felder angewiesen. Weil man das Land nicht bebauen könne, habe man nun den Gasthof gekauft.

Die Überbauung Mühlegarten mit den beiden Mehrfamilienhäusern (hinten) und dem lang gezogenen Ökonomiegebäude mit Werkstätten, Dorfladen und Café existiert weiterhin nur als Modell.

Die Überbauung Mühlegarten mit den beiden Mehrfamilienhäusern (hinten) und dem lang gezogenen Ökonomiegebäude mit Werkstätten, Dorfladen und Café existiert weiterhin nur als Modell.

Sollte Verkauf torpediert werden?

Seit 1990 gehörte das «Rössli» Hans Peter Spitz aus Zuchwil. Als ihm seine Kinder mitgeteilt haben, dass sie an der Liegenschaft nicht interessiert sind, entschied er sich für den Verkauf. «Für mich ist es eine Entlastung. Jetzt muss ich um das Haus herum nicht mehr jäten», sagt der 62-Jährige.

Die Verhandlungen mit der Kirschblütengemeinschaft hat er positiv erlebt. «Ich habe der Gemeinde gesagt: Wenn die Gemeinschaft auf mich zukommt und ich mit ihnen klarkomme, dann gibt es keinen Grund, nicht an sie zu verkaufen.» Gerüchte, dass Exponenten aus der Gemeinde Druck auf ihn ausgeübt hätten, nicht an die Kirschblütler zu verkaufen, mag Spitz nicht bestätigen. Fakt sei aber, dass sich Geschäftsleute sowie Personen aus dem Umfeld der Curler zusammengetan hatten, um die Liegenschaft zu kaufen. Die Bemühungen seien aber im Sand verlaufen.

Das bestätigt Herbert Schluep, Gemeindepräsident von Lüsslingen-Nennigkofen. Auch er habe zu vermitteln versucht. Da aber trotz intensiver Suche kein Pächter für den Weiterbetrieb gefunden wurde, habe man das Vorhaben aufgegeben. Zudem habe Spitz auf einen bestimmten Kaufpreis bestanden. Wie hoch dieser ist, wollen die Parteien nicht sagen.
Bleibe das Restaurant geschlossen, sei das für die Gemeinde ein Verlust, sagt Schluep. «Aber lieber haben wir keinen Wirt als einen schlechten», schiebt er nach und verweist auf die diversen Pächterwechsel in jüngster Zeit.

Curler bleiben vorderhand

Ein Restaurant wird es laut den neuen Eigentümern nicht mehr geben. Genutzt werden gemäss Paul Berthenghi von der Genossenschaft Kirschblüte sicherlich die Kühlräume und der Keller für die Lagerung der Produkte. Marco Principi, Leiter der Gemüseproduktion, ergänzt, dass man die Infrastruktur nutzen könne für das Putzen, Waschen und Abpacken der Lebensmittel. «Die Räume und Anlagen sind in einem guten Zustand.»

Dank einem Baurechtsvertrag dürfen die Curlingvereine noch bis 2020 in der Halle spielen. Danach könne man diese Räume ebenfalls in den Landwirtschaftsbetrieb integrieren. «Ausser die Curler wollen länger bleiben. Von uns aus müssen sie nicht ausziehen.» Auch der verbliebene Bewohner im Obergeschoss darf gemäss Anke Edelbrück weiterhin im Gebäude wohnen bleiben.

Dass der «Mühlegarten» nun überflüssig wird, dürfte ein Wunschtraum der Gegner bleiben. Die Kirschblütler bestehen auf der Überbauung – und zwar mit einem «angemessenen» Wohnanteil von mehr als bloss 25 Prozent, wie sie sagen. «Wenn das so ist», sagt Herbert Schluep, «müssen wir weiterverhandeln.»

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