Zuchwil
Sonnenstrahl und Gewitter: Kinder kreieren Geschichten zu Wetterlagen

In der Theaterwoche in Zuchwil gestalten die Kinder ihre Abschlussaufführung mit eigenen Ideen und Geschichten. Dieses Jahr durften zum ersten Mal auch Kinder aus anderen Gemeinden teilnehmen.

Jasmin Krähenbühl
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Die Zuchwiler Primarschüler singen das Nebellied und versuchen, den Nebel mit passenden Bewegungen darzustellen.

Die Zuchwiler Primarschüler singen das Nebellied und versuchen, den Nebel mit passenden Bewegungen darzustellen.

Jasmin Krähenbühl

Sie sind in einem tiefen Loch, einen Ausweg gibt es nicht. Die Sonne brennt auf Sie hinab, es ist heiss und wird immer heisser. Die Luft ist dick, der Boden verbrennt die Füsse, Sie haben nichts zu Trinken und zu Essen. Was würden Sie tun?

Dieser Frage müssen sich die jungen Teilnehmer der Kindertheaterwoche in Zuchwil stellen. In der Turnhalle des Schulhauses Blumenfeld kämpfen sie gegen die imaginäre Hitze, viele können sich fast nicht mehr auf den Beinen halten, ein paar Kinder sind schon bewusstlos. «Das war sehr gut!», ruft die Theaterpädagogin Manuela Glanzmann und sofort sind die eben Bewusstlosen wieder quietschfidel und springen auf, bereit für die nächste Szene.

Fantasie freien Lauf lassen

Die Kindertheaterwoche der Schulen Zuchwil findet in diesen Herbstferien zum vierten Mal statt. «Das Interesse an unserer Kindertheaterwoche ist gross. Denn die Eltern müssen oftmals während der Ferienzeit arbeiten und können ihre Kinder nicht die ganze Zeit betreuen», sagt Simone Wyss, Theaterpädagogin und Organisatorin der Kindertheaterwoche.

Dieses Jahr durften deshalb zum ersten Mal auch Kinder aus anderen Gemeinden teilnehmen. Ein fünfköpfiges Team aus Theater- und Tanzpädagogen und Betreuerinnen führte die rund 20 Kinder im Primarstufenalter in das Spiel mit dem eigenen Körper ein. Als Abschluss zeigen die Kinder heute Freitagabend ihr Können in einer Werkstattaufführung für Eltern und Angehörige.

Dieses Jahr setzen sie sich mit den verschiedenen Wetterlagen auseinander. Die Kinder spielen, singen und tanzen Sonne, Schnee, Regen, Nebel und Wind in kurzen Szenen. Eine klare Vorgabe geben die Pädagogen dabei nicht. «Wir nehmen die Ideen der Kinder auf und entwickeln die Szenen zusammen weiter», sagt Wyss. Ihre Aufgabe sei es, Inputs und Feedbacks zu geben, die Einfälle mit gezielten Fragen aus den Kindern «herauszukitzeln» und dann zu einer Szene zu verarbeiten.

Das Ziel der Woche ist nämlich nicht, ein auswendig gelerntes Theaterstück aufzuführen, sondern mehrere kleinere Szenen mit eigenen Geschichten zu den Wetterlagen zu erschaffen. Dabei arbeiten die Kinder ganzheitlich: Sie müssen ihre Stimme und den gesamten Körper und einsetzen und dürfen ihre Fantasie frei walten lassen. Wie sieht es aus, wenn ich auf heissem Sand gehe? Wie hört sich leiser Regen an? Habe ich Angst vor lautem Donner? Und wer hat gesagt, dass der Nebel sich nicht in eine Hexe verwandeln kann?

Rolle in der Gruppe finden

Wyss möchte jedes Kind nach seinen Möglichkeiten fördern und mit ihnen «gutes Theater machen». Die soziale Interaktion der Kinder in der Gruppe ist ihr aber genauso wichtig. «Schüchterne Kinder müssen aus sich herauskommen, um ein lautes Gewitter zu spielen. Umgekehrt lernen die aktiveren Kinder auch, zum Beispiel einen zarten Sonnenstrahl nachzuahmen.» Im Verlauf der Woche ergäben solche Übungen völlig neue Gruppendynamiken, erklärt Wyss. «Die Kinder werden durch das Theater zusammengeschweisst.»

Sie als Leiterin kann das Ganze auch ein Stück weit beeinflussen: «Wenn zwei Streit haben, kommen sie am nächsten Tag in dieselbe Gruppe. Anfangs stinkt es ihnen gewaltig, doch plötzlich merken sie, dass sie eigentlich gute Ideen zusammen finden und vertragen sich wieder.»

Einen solchen guten Einfall haben die Kinder gerade. Das Nebellied mit der dazugehörigen Choreografie haben sie jetzt mit Simone Wyss langsam, schnell, laut, leise, fröhlich und traurig gesungen. «Ich möchte es jetzt aber so singen, dass es zuerst langsam und dann immer schneller wird!» Gesagt getan: In einer Reihe aufgestellt, singen sie lauthals und bewegen sich dazu immer schneller und wilder. Vielleicht hat diese Idee ja sogar das Potenzial zu einer Szene an der Abschlussaufführung?