Abu Dhabi
Solothurner an Berufs-WM: «Ich rechne mit guten Chancen auf eine Medaille»

Als einziger Solothurner nimmt der Gerlafinger Manuel Bieri im Oktober an den WorldSkills in Abu Dhabi teil – der Formenbauer bereitet sich derzeit intensiv auf den prestigeträchtigen Wettbewerb vor.

Franz Schaible
Merken
Drucken
Teilen
Topmotiviert: Formenbauer Manuel Bieri möchte an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi eine Medaille gewinnen.

Topmotiviert: Formenbauer Manuel Bieri möchte an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi eine Medaille gewinnen.

Hanspeter Bärtschi

Spätestens am 15. Oktober dieses Jahres gilt es ernst für Manuel Bieri. Dann startet in Abu Dhabi der Wettbewerb der weltweit besten Berufsfachkräfte, die WorldSkills 2017. Der Gerlafinger ist der einzige Solothurner, der an diesen alle zwei Jahre stattfindenden Berufs-Weltmeisterschaften teilnehmen wird. «Ich werde, je näher der Wettbewerb rückt, doch langsam nervös», sagt der 20-Jährige lachend. Aber auch die Vorfreude auf das Abenteuer Abu Dhabi spürt er. Manuel Bieri wird in der Berufs-Kategorie Formenbauer die Schweiz vertreten.

Die ihm gestellte Aufgabe wird herausfordernd sein. Der Gerlafinger wird anhand einer Zeichnung ein Werkstück herstellen müssen. Am Computer wird er mit speziellen CAD-Programmen das dreidimensionale Bauteil konstruieren und die für die Fertigung nötigen Fräsprogramme erstellen. Nach seinen Programmen wird dann das Anschauungsmodell gefräst oder mit additiven Prozessen hergestellt.

Zudem werden seine handwerklichen Fertigkeiten wie Feilen, Schleifen, Fräsen, Drehen und Lackieren getestet. «Die Genauigkeit bei der Herstellung des Kunststoffteils wird entscheidend sein», erläutert Bieri. Es gehe um Toleranzen im Bereich von Hundertstel Millimetern. Welches Aufgabenstück ihn erwarten wird, weiss er erst am ersten der drei Wettkampftage. Bis dann bleibt die Aufgabenstellung streng geheim.

Topmotiviert und engagiert

Beim Gespräch und beim anschliessenden Rundgang durch die Produktionshalle seines Arbeitgebers, der hmf Formenbau AG in Utzenstorf, wird klar: Der junge Mann ist topmotiviert und engagiert. Und er arbeitet mit viel Herzblut. Bravourös zeigt er den Umgang mit den hochkomplexen Bearbeitungsanlagen, erklärt detailgetreu, wie die Anlagen programmiert und eingesetzt werden, um primär aus verschiedenen Kunststoffen und Metallen Formen zu fertigen.

«Wir sind sehr stolz auf Manuel», sagt Ursula Habegger, welche zusammen mit ihrem Ehemann Urs 1992 das Familienunternehmen mit heute zwölf Angestellten gründete. Schliesslich könne nicht jeder sagen, dass er die Schweiz an einer Berufs-WM vertreten darf. Es sei auch eine Auszeichnung für die Firma als guter Ausbildungsbetrieb. Bieri gibt das Kompliment zurück. «Ich werde im Betrieb sehr gut und professionell unterstützt und habe genügend Zeit für die Vorbereitung.»

Manuel Bieri wird sich in seiner Berufskategorie als Modellbauer mit zehn Berufsleuten messen müssen. Sie werden aus Deutschland, Russland, Brasilien und vor allem aus Asien in die Millionen-Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate anreisen, weiss er. Allein wird der Berufsmann aber in Abu Dhabi nicht sein. Aus der Schweiz reisen nämlich insgesamt 11 Frauen und 27 Männer aus 36 Berufen und vielen Betreuerinnen und Betreuern an den Persischen Golf (siehe Box). Alle Schweizer Teilnehmenden haben sich, so Bieri, mehrmals an Wochenenden getroffen. «An diesen Vorbereitungscamps sind wir als Team zusammengewachsen», berichtet er.

World Skills: 2300 Berufsleute aus 76 Nationen

Die Berufs-Weltmeisterschaften werden alle zwei Jahre durchgeführt. Am diesjährigen - zum 44. Mal ausgetragenen - Wettbewerb in Abu Dhabi nehmen über 2300 junge Berufsleute aus 76 Nationen teil und kämpfen in 50 Berufen um den Weltmeistertitel. Aus der Schweiz sind 11 Frauen und 27 Männer aus 36 Berufen mit dabei. Nach der Eröffnungsfeier am 14. Oktober geht der Wettbewerb während drei Tagen über die Bühne. Die Siegerehrung und die Schlussfeier sind auf den 19. Oktober festgelegt. Das Schweizer Team wird am 21. Oktober in Zürich zurückerwartet. (FS)

Qualifiziert an Schweizer Meisterschaften

Einfach so kann der Gerlafinger aber nicht an den WorldSkills teilnehmen. Bieri hat sich 2014 an den SwissSkills, dem nationalen Pendant zu den Weltmeisterschaften, mit dem zweiten Rang qualifiziert. Damals war er noch in der vierjährigen Ausbildung bei der hmf Formenbau AG. Die Berufslehre mit Berufsmatura schloss Bieri im Sommer 2016 ab. Note: 5,4. Zum Beruf des Formenbauers sei er eher per Zufall gekommen. «Ich war schon als Junge begeistert für das Handwerk, kombiniert mit der Arbeit am Computer», berichtet er. Ursprünglich habe er den Beruf als Schreiner im Visier gehabt. Bei einer Velofahrt sei er bei der hmf vorbeigefahren und habe sich interessiert, was dort wohl gefertigt werde. Nach einer Schnupperwoche war ihm klar, dass er Formenbauer lernt. Die Arbeit mit verschiedensten Materialien sei sehr vielseitig, bestehe aus Tätigkeiten an den CNC-Maschinen und am Computer. Auch gute handwerkliche Fähigkeiten und Vorstellungsvermögen seien für diesen Beruf unabdingbar.

Schon der Lehrmeister war Weltmeister

Bereits am 8. Oktober wird Manuel Bieri zusammen mit dem ganzen Schweizer Team nach Abu Dhabi reisen. Die Zeit bis zum eigentlichen Start des Wettbewerbs dient der fachlichen und mentalen Vorbereitung, der Einrichtung des Arbeitsplatzes und der Maschinen sowie der Akklimatisation. «Ich rechne mir gute Chancen auf eine Medaille aus», blickt Bieri selbstbewusst nach vorne.

Er will jedenfalls seine beste Leistung abrufen, um die einmalige Chance zu nutzen, Berufs-Weltmeister zu werden. Man könne nämlich nur einmal an den WorldSkills teilnehmen. Auf Unterstützung kann er zählen. Nicht nur seine Chefs, Urs und Ursula Habegger, werden vor Ort sein, sondern auch seine stolzen Eltern und seine Schwester. Und Bieri kann auf ein gutes Vorzeichen setzen. Sein Lehrmeister bei der hmf Formenbau AG, Michael Glauser, wurde 1999 bei den WorldSkills in Montreal selbst Weltmeister als Technischer Modellbauer.

So oder so plant der junge Mann zielgerichtet seine berufliche Laufbahn. «Im nächsten Sommer will ich die Rekrutenschule als Durchdiener starten.» Durchdiener deshalb, damit er das geplante anschliessende Studium an einer technischen Fachhochschule nicht wegen militärischen Wiederholungskursen unterbrechen müsse. Und bei der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung wäre eine Medaille an der Berufs-WM «eine gute Referenz».