Ist Riedholz zu klein für die Zukunft? Vieles ist regional organisiert, fast das gesamte Gemeindebudget ist fremdbestimmt, der Kanton plant die Erschliessung des neuen Dorfteils Attisholz. Macht die Eigenständigkeit überhaupt noch Sinn? Oder sollte vielmehr die Fusion zu einer politischen Gemeinde Unterleberberg angestrebt werden? Diesem Thema widmete sich die dritte Dorfarena, welche von der FDP Riedholz im Attisholz-Areal durchgeführt wurde, in Form eines prominent besetzten Podiumsgesprächs.

Gemeindepräsidentin Verena Meyer-Burkhard (Buchegg) sowie die Gemeindepräsidenten Kuno Tschumi (Derendingen) und Michael Ochsenbein (Luterbach) berichteten von ihren Fusionserfahrungen. Als Moderatorin führte Anita Panzer (Feldbrunnen), zugleich die vierte Gemeindepräsidentin im Bunde, durch den Abend. Sie ermunterte zu pointierten Voten, wovon die Referenten und das Publikum in der Diskussion gerne Gebrauch machten.

Es braucht einen Leidensdruck

Fusionsprozesse haben alle drei Gastgemeinden durchlaufen, tatsächlich erfolgt ist der Zusammenschluss aber nur zur Gemeinde Buchegg. «Anfangs sind wir in Mühledorf auch eher zaghaft in den Fusionsprozess eingestiegen», erklärte Verena Meyer. Während andere Gemeinden ihre Ämter nicht besetzen konnten und der Leidensdruck gross gewesen sei, war dies in Mühledorf eigentlich nicht der Fall. «Aber uns war es wichtig, dass wir nicht zur Insel im Bucheggberg werden, sondern dass wir den Prozess aktiv mitgestalten können», so Meyer. 2012 wurde abgestimmt, elf Dörfer schlossen sich zur flächenmässig drittgrössten Gemeinde des Kantons zusammen. Immer mehr sei man von der Idee begeistert gewesen und habe Herzblut hineingesteckt.

Nicht zustande gekommen ist hingegen die grosse Fusion Top 5, an welcher Derendingen und Luterbach gemeinsam mit Zuchwil, Biberist und Solothurn beteiligt waren. Sowohl in Luterbach als auch in Derendingen haben die Gemeindeversammlungen abgelehnt. Dass der emotionale Aspekt eine grosse Rolle spielte, betonten sowohl Kuno Tschumi als auch Michael Ochsenbein. Tschumi habe seinem Herz folgen müssen, welches für Derendingen schlage. Ausserdem sei Solothurn zu dominant gewesen und Derendingen habe eine gute Grösse, um selbstständig zu bleiben. Ochsenbein, der sich als einziger Nicht-FDP-Referent als Grenzgänger bezeichnete, habe sich zwar von Solothurn nicht dominiert gefühlt, stimmte aber zu, dass die rationalen Überlegungen kaum von den emotionalen zu trennen seien.

Ja nicht die Nachbargemeinde

Er könne ja selber nicht beurteilen, wie es die Unterleberberger Gemeinden untereinander haben, antwortete Ochsenbein auf die Frage nach Ratschlägen. Gelernt habe er aus den Fusionsverhandlungen, so Michael Ochsenbein schmunzelnd: «Die meisten wären eigentlich bereit zu fusionieren – nur nicht mit der Nachbargemeinde.» Die Zeit müsse halt einfach reif sein, das sei immer wieder zum Ausdruck gekommen.

«Wenn die Begeisterung und das Feuer nicht vorhanden sind, und kein Leidensdruck besteht, dann würde ich die Fusion nicht angehen», empfahl Verena Meyer. Zuerst sei ein Auslöser nötig, da stimmte auch Kuno Tschumi zu. Was würde sich durch die Fusion verbessern? Als Vorteil des Unterleberbergs bezeichnete er, dass die Gemeinden ähnlich gross seien und bereits stark zusammenarbeiten. Auch Ochsenbein meinte, der Unterleberberg wäre aufgrund seiner Struktur prädestiniert für eine Fusion – zuerst müsste aber ein Mehrwert gefunden werden, welcher aus der Fusion resultieren würde. Er malte weiter bereits aus, dass Riedholz wohl die treibende Kraft wäre. Auf Anita Panzers Hinweis, dass auch noch andere Unterleberberger Präsidenten im Publikum sitzen würden, meinte Flumenthals Christoph Heiniger nur schmunzelnd: «Mamau, das ghöri gärn.» Feldbrunnen selber, das wurde im Verlauf des Abends mehrmals deutlich, scheint aussen vor bleiben zu wollen. «Feldbrunnen einmal ausgenommen», fügte Anita Panzer mit Augenzwinkern hinzu, als es darum ging, sich eine Gemeinde Unterleberberg einmal vorzustellen.

Prädestiniert für die Fusion?

Dass die Idee schon lange in den Unterleberberger Köpfen herumgeistert, machte Peter Kohler, ehemaliger Riedholzer Gemeindepräsident, in seinem Votum deutlich. «Bereits 1998 haben wir über eine Fusion gesprochen.» Damals seien die Gemeindepräsidien gemeinsam auf dem Balmberg gewesen. «Von dort aus sieht man den ganzen Unterleberberg – ausser Feldbrunnen natürlich», schmunzelte er. Und FDP-Ortsparteienpräsident Dieter Schaffner, ebenfalls ehemaliger Gemeindepräsident, fasste abschliessend zusammen: «Über eine Fusion muss man immer wieder sprechen, sie soll reifen, und wenn es noch nicht so weit wäre, spürt man das dann schon.»